Der Gemeine Katzenpanda

Samstag

Nummer 455



KEINE TIERE AUF DER STRASSE



 Alles verschwindet. Edel-Salbei. Zu große Abstände. Ja darf der denn das? Opium geben,  den Söhnen von Vereinsbrüdern? Das Brot lag ihm schwer im Magen. Netter Tee, warmer Tee, mit Milch, Halbfett, BIO. Mjam, mjam. Der Jongleur. Er hob den Stock im Takt. Dann war alle Vorsicht dahin. Er nahm das faulige Gemüse und bewarf damit sein träges Publikum. Kein Krieg im Pfirsichstaat? Da lachen ja die Hühner! Drei Kerne im Gewande. Eine Sau, so eine richtige Sau. Es füllt den Darm mit Gas. Die Meute stopfte sich nun hastig voll. Sie würden immer alles kaufen. Sogar letztklassige Ware. Je nachdem. Hellblonde. Sie. Sondern. Nach dem. Aber. Sehr charmant. Was genau, konnte ich nicht sagen, allen beweisen wollen. Er seine beschissenen TOUREN der vergangenen Nächte bitter bereute. Die. Geld geben. Immer.
Bezahlen dafür, anderen zusehen zu dürfen, wie sie an sich glauben, das ist einer der besten Sätze, die ich je gelesen habe. Danke, Kim!
Der Rest der Garden hat sich schon längst ergeben.
Wussten nichts mehr.
Das Herz schlug umsonst.
Die müde Schießbude füllte sich mit Leben.
Tod im Atombunker.
Gnome rollten kleine Bälle durch Wagenwände, in Münder und Nasenlöcher.
Staun-Ende. Sonst sonntags. Jade Rapunzel. Amber rumpelt, ins Tal der Wale. In der Höhle der Dichters roch es, die Luft war dicht. Größeres Glück konnte der Narr nicht geben, kannte er doch keines. Gestohlener Satz. Gras brennt in den armen Augen.
Siebenhundertzweiundfünfzig Stolpersteine auf dem Weg ins Etappenziel. Rallye mit Nachwehen, amputierten Illusionen, doch siehe! Plötzlich wuchsen neue, kräftige Triebe aus den Stümpfen, wurden Hoffnungen geboren, wo Hoffnungen Wunden geschlagen hatten. Eine tolle Sache, was? Der Fahrer konzentrierte sich, drängte die Musik auf die Seite, den Lärm in die Stille, lauschte auf das sachte Klopfen im Zylinderkopf. Er hatte noch nie verstanden, wie Menschen in Wartesituationen einfach stundenlang ins Leere starren konnten. Warum nicht lesen, den Schein von Interesse wahren, wenn sie am Leben waren? Selbst der galligste Automatenkaffee hatte mehr Esprit als diese toten Fliegen auf den Fluren. War alles bloß ein Geheimnis, eine Portion Traubenzucker in einer Welt voll Langeweile und toter Träume? Zum Glück war er nicht allein. Im Keller der Fremden stapelte sich der Mist, gleich daneben der Mut, klein und still wie eine Maus. War es Mitleid gewesen, als er den greisen Griechen-König erschlagen hatte? War es Egoismus? Er schüttelte den Kopf.
„Nein, keines von beiden, außerdem sind sie dasselbe.“
Er stand fest zu seinen Entschlüssen. Keine Aussagen mehr, die nur fast waren. Er johlte an der Bushaltestelle los, ein durch geknallter Barbar. Ein seltsamer Souverän, das mussten sie ihm lassen. Er jonglierte mit Silben, Salbei und silbernen Salben. Zinkender Zocker. Die Königin kam vorbei, begutachtete das Fingerspiel des Eulenspiegels, lud ihn zu sich nach Hause ein, wo sie ihm aus alten Büchern vorlas. Sie bemühte sich sehr, kreativ zu sein. Wenn sie diese Schlacht gewann, könnte er sogar hingerichtet werden. Er nahm das alles tief in sich auf, machte keinen Hehl daraus, es später zu verwenden. Nicht gegen die Königin. Mit ihr. Chiliastische Ekstase: Was nichts ist, das kann nichts werden. Die beiden trampelten durch breite Treppenfluchten des Palastes, dabei die Stimmen von Kindern nachäffend. Das passte immer. Die Dame wurde schwarz. Sie orientierte sich an den Farben des Tages.
„Geschickt gemacht!“, lobte dann der Haushofmeister das umhertollende Paar, wenn sie erschöpft, im Thronsaal eine kleine Jause einnahmen, ehe sie weiterspielten:
„Ich mache mir GROSSE Hoffnungen, Majestät!“.
„Ich auch!“, lachte sie, aber nur einer wusste, was gemeint war.
„Die Verlängerung der Stunde“, nannte es die Königin. Ihre Worte waren wie Gold-Nuggets, deren Sinn erst aus dem Sand ihrer Schönheit gesiebt werden muss. Mitten im Winter klang fernes Vogelgezwitscher, die Luft roch nach Primeln.
„Ist das die Freiheit, die ich meine?!“, fragte die Monarchin den Schelm-Fahrer.
„Ich weiß nicht, Majestät, welche ist es denn?!“
Das Spiel wurde für den Piloten immer gefährlicher, er liebte es.
„Inkohärenz, Halluzinationen, Neuntes Staunen.“
„Ja?“
„Könnte das nicht alles ein einziger Fehler sein?“
„Natürlich.“
„Warum?“
Die Maschine summte auf Hochtouren.
„Weil Irren menschlich ist.“
„Ihr vergesst, dass ich Eure Königin bin!“, entgegnete sie eisig.
Er nahm fast seinen ganzen Mut zusammen, blickte seiner Rivalin um die Gunst des Volkes fest in die Augen:
„Gewiss, Majestät. Aber seid Ihr auch ein Unmensch?!“
Ein Schweißtropfen lief seine Wirbelsäule hinab. Es tat gut, so gut. Es war wie eine Sucht, aber viel besser.
„Ich werde darüber nachdenken, Pilot. Trollt Euch solange.“
„Majestät, ich danke.“
Die Königin klatschte in die Hände. Schon begannen livrierte Lakaien, die Tafel abzuräumen.
Der Pilot machte seinen Kratzfuß, entfernte sich schweigend, stolz auf sich und seine humanistische Ausbildung. Jetzt, wo das Spiel gewonnen war, hatte er unkeusche Gedanken, die Königin betreffend. Doch ehe er das Burgtor erreicht hatte, wurde er von ihren Wachen erschlagen. Erst beobachtete sie sein Martyrium, dann ging sie weinend in ihr Gemach und ließ sich vom Hofeunuchen auspeitschen.                   
„Warum musste er alles kaputtmachen? Warum musste er mich bestrafen?“               
Der arme Eunuch wusste nicht die Antwort, hätte aber auch gar keine geben können. Ehe er seinen gefährlichen Dienst bei der jungen Schönheit angetreten hatte, von der er so einiges gehört hatte, schnitt er sich die Zunge aus dem Mund, um Wortspielen entgehen zu können. Besser stumm und entmannt als Mann und tot. Achthundertzweiundachtzig Männer hatte das Reich bereits verloren, die Blüte der Ritterschaft, aber es war nichts dabei herausgekommen. Die Leichenkomitees freuten sich darüber. Geschäft ist Geschäft.
Nach der Kasteiung ließ sich die Königin pflegen, lag auf dem Bauch, in ihrem Bett, groß genug für vier, mit weichen Damast-Decken und seidenen Laken. Es klopfte. Ohne  aufzusehen, ließ sie bitten.
Es war der Haushofmeister:
„Ehm, Majestät, mir scheint, dieser hier hat sich am Längsten gehalten!“
Er war ein Musterbeispiel für vollendete Diplomatie, sagten die einen. Ein Kriecher, sagten die andren, der zu gerne selbst ins Bett der Königin gekrochen wäre.
„In der Tat, er war der Beste!“, stöhnte die.
Eine Hofdame fächelte ihrem bandagierten Rücken kühlende Luft zu. Unter den dicken Wundpackungen waren die Ausläufer von Striemen sehen, die ihre Alabasterhaut gerötet hatten. Der Haushofmeister LIEBTE diesen Anblick, er bekam davon jedes Mal eine spontane Emission. Genau aus diesem Grund beendet er dieses kranke Spektakel nicht, welches das ganze Reich in den Abgrund riss.
„Alles hat seinen Preis!“, dachte er. Laut aber sagte er:
„Ich werde mit Eurer Erlaubnis in angemessener Zeit nach einem weiteren Kandidaten Ausschau halten lassen, Majestät!“
„Tut dies, Haushofmeister, tut dies. Nun entfernt Euch, ich muss für seine Seele beten.“
Er verschwand rückwärts aus dem königlichen Schlafgemach. Sein wollenes Unterzeug klebte heiß und unangenehm im Schritt, aber seine Lust war nicht gestillt. In seinem Trakt angelangt ließ er den großen Zuber, auf den er so stolz war, zum heißen Bade vorbereiten. Seine Lieblingsmagd, sechzehn Jahre alt, eine rothaarige Hexe, würde zu ihm ins Wasser kommen,  unaufgefordert, wortlos. Der Haushofmeister stopfte seine Opiumpfeife, entkleidete sich, stieg ins Heiße und herrschte seine Dienerin an:
„Bring mir den glimmenden Kienspan!“
Er gönnte sich ja sonst nichts.



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