KEINE TIERE AUF DER STRASSE
Alles
verschwindet. Edel-Salbei. Zu große Abstände. Ja darf der denn das? Opium geben,
den Söhnen von Vereinsbrüdern? Das Brot
lag ihm schwer im Magen. Netter Tee, warmer Tee, mit Milch, Halbfett, BIO.
Mjam, mjam. Der Jongleur. Er hob den Stock im Takt. Dann war alle Vorsicht
dahin. Er nahm das faulige Gemüse und bewarf damit sein träges Publikum. Kein
Krieg im Pfirsichstaat? Da lachen ja die Hühner! Drei Kerne im Gewande. Eine
Sau, so eine richtige Sau. Es füllt den Darm mit Gas. Die Meute stopfte sich
nun hastig voll. Sie würden immer alles kaufen. Sogar letztklassige Ware. Je
nachdem. Hellblonde. Sie. Sondern. Nach dem. Aber. Sehr charmant. Was genau,
konnte ich nicht sagen, allen beweisen wollen. Er seine beschissenen TOUREN der
vergangenen Nächte bitter bereute. Die. Geld geben. Immer.
Bezahlen
dafür, anderen zusehen zu dürfen, wie sie an sich glauben, das ist einer der
besten Sätze, die ich je gelesen habe. Danke, Kim!
Der
Rest der Garden hat sich schon längst ergeben.
Wussten nichts mehr.
Das
Herz schlug umsonst.
Die
müde Schießbude füllte sich mit Leben.
Tod
im Atombunker.
Gnome
rollten kleine Bälle durch Wagenwände, in Münder und Nasenlöcher.
Staun-Ende.
Sonst sonntags. Jade Rapunzel. Amber rumpelt, ins Tal der Wale. In der Höhle
der Dichters roch es, die Luft war dicht. Größeres Glück konnte der Narr nicht
geben, kannte er doch keines. Gestohlener Satz. Gras brennt in den armen Augen.
Siebenhundertzweiundfünfzig
Stolpersteine auf dem Weg ins Etappenziel. Rallye mit Nachwehen, amputierten
Illusionen, doch siehe! Plötzlich wuchsen neue, kräftige Triebe aus den
Stümpfen, wurden Hoffnungen geboren, wo Hoffnungen Wunden geschlagen hatten.
Eine tolle Sache, was? Der Fahrer konzentrierte sich, drängte die Musik auf die
Seite, den Lärm in die Stille, lauschte auf das sachte Klopfen im Zylinderkopf.
Er hatte noch nie verstanden, wie Menschen in Wartesituationen einfach
stundenlang ins Leere starren konnten. Warum nicht lesen, den Schein von
Interesse wahren, wenn sie am Leben waren? Selbst der galligste Automatenkaffee
hatte mehr Esprit als diese toten Fliegen auf den Fluren. War alles bloß ein
Geheimnis, eine Portion Traubenzucker in einer Welt voll Langeweile und toter
Träume? Zum Glück war er nicht allein. Im Keller der Fremden stapelte sich der
Mist, gleich daneben der Mut, klein und still wie eine Maus. War es Mitleid
gewesen, als er den greisen Griechen-König erschlagen hatte? War es Egoismus?
Er schüttelte den Kopf.
„Nein,
keines von beiden, außerdem sind sie dasselbe.“
Er
stand fest zu seinen Entschlüssen. Keine Aussagen mehr, die nur fast waren. Er
johlte an der Bushaltestelle los, ein durch geknallter Barbar. Ein seltsamer
Souverän, das mussten sie ihm lassen. Er jonglierte mit Silben, Salbei und
silbernen Salben. Zinkender Zocker. Die Königin kam vorbei, begutachtete das
Fingerspiel des Eulenspiegels, lud ihn zu sich nach Hause ein, wo sie ihm aus
alten Büchern vorlas. Sie bemühte sich sehr, kreativ zu sein. Wenn sie diese
Schlacht gewann, könnte er sogar hingerichtet werden. Er nahm das alles tief in
sich auf, machte keinen Hehl daraus, es später zu verwenden. Nicht gegen die
Königin. Mit ihr. Chiliastische Ekstase: Was nichts ist, das kann nichts
werden. Die beiden trampelten durch breite Treppenfluchten des Palastes, dabei
die Stimmen von Kindern nachäffend. Das passte immer. Die Dame wurde schwarz.
Sie orientierte sich an den Farben des Tages.
„Geschickt
gemacht!“, lobte dann der Haushofmeister das umhertollende Paar, wenn sie
erschöpft, im Thronsaal eine kleine Jause einnahmen, ehe sie weiterspielten:
„Ich
mache mir GROSSE Hoffnungen, Majestät!“.
„Ich
auch!“, lachte sie, aber nur einer wusste, was gemeint war.
„Die
Verlängerung der Stunde“, nannte es die Königin. Ihre Worte waren wie Gold-Nuggets,
deren Sinn erst aus dem Sand ihrer Schönheit gesiebt werden muss. Mitten im
Winter klang fernes Vogelgezwitscher, die Luft roch nach Primeln.
„Ist
das die Freiheit, die ich meine?!“, fragte die Monarchin den Schelm-Fahrer.
„Ich
weiß nicht, Majestät, welche ist es denn?!“
Das
Spiel wurde für den Piloten immer gefährlicher, er liebte es.
„Inkohärenz,
Halluzinationen, Neuntes Staunen.“
„Ja?“
„Könnte
das nicht alles ein einziger Fehler sein?“
„Natürlich.“
„Warum?“
Die
Maschine summte auf Hochtouren.
„Weil
Irren menschlich ist.“
„Ihr
vergesst, dass ich Eure Königin bin!“, entgegnete sie eisig.
Er
nahm fast seinen ganzen Mut zusammen, blickte seiner Rivalin um die Gunst des
Volkes fest in die Augen:
„Gewiss,
Majestät. Aber seid Ihr auch ein Unmensch?!“
Ein
Schweißtropfen lief seine Wirbelsäule hinab. Es tat gut, so gut. Es war wie
eine Sucht, aber viel besser.
„Ich
werde darüber nachdenken, Pilot. Trollt Euch solange.“
„Majestät,
ich danke.“
Die
Königin klatschte in die Hände. Schon begannen livrierte Lakaien, die Tafel
abzuräumen.
Der
Pilot machte seinen Kratzfuß, entfernte sich schweigend, stolz auf sich und
seine humanistische Ausbildung. Jetzt, wo das Spiel gewonnen war, hatte er
unkeusche Gedanken, die Königin betreffend. Doch ehe er das Burgtor erreicht
hatte, wurde er von ihren Wachen erschlagen. Erst beobachtete sie sein
Martyrium, dann ging sie weinend in ihr Gemach und ließ sich vom Hofeunuchen
auspeitschen.
„Warum
musste er alles kaputtmachen? Warum musste er mich bestrafen?“
Der
arme Eunuch wusste nicht die Antwort, hätte aber auch gar keine geben können.
Ehe er seinen gefährlichen Dienst bei der jungen Schönheit angetreten hatte,
von der er so einiges gehört hatte, schnitt er sich die Zunge aus dem Mund, um
Wortspielen entgehen zu können. Besser stumm und entmannt als Mann und tot. Achthundertzweiundachtzig
Männer hatte das Reich bereits verloren, die Blüte der Ritterschaft, aber es
war nichts dabei herausgekommen. Die Leichenkomitees freuten sich darüber.
Geschäft ist Geschäft.
Nach
der Kasteiung ließ sich die Königin pflegen, lag auf dem Bauch, in ihrem Bett,
groß genug für vier, mit weichen Damast-Decken und seidenen Laken. Es klopfte.
Ohne aufzusehen, ließ sie bitten.
Es
war der Haushofmeister:
„Ehm,
Majestät, mir scheint, dieser hier hat sich am Längsten gehalten!“
Er
war ein Musterbeispiel für vollendete Diplomatie, sagten die einen. Ein
Kriecher, sagten die andren, der zu gerne selbst ins Bett der Königin gekrochen
wäre.
„In
der Tat, er war der Beste!“, stöhnte die.
Eine
Hofdame fächelte ihrem bandagierten Rücken kühlende Luft zu. Unter den dicken
Wundpackungen waren die Ausläufer von Striemen sehen, die ihre Alabasterhaut
gerötet hatten. Der Haushofmeister LIEBTE diesen Anblick, er bekam davon jedes
Mal eine spontane Emission. Genau aus diesem Grund beendet er dieses kranke
Spektakel nicht, welches das ganze Reich in den Abgrund riss.
„Alles
hat seinen Preis!“, dachte er. Laut aber sagte er:
„Ich
werde mit Eurer Erlaubnis in angemessener Zeit nach einem weiteren Kandidaten
Ausschau halten lassen, Majestät!“
„Tut
dies, Haushofmeister, tut dies. Nun entfernt Euch, ich muss für seine Seele
beten.“
Er
verschwand rückwärts aus dem königlichen Schlafgemach. Sein wollenes Unterzeug
klebte heiß und unangenehm im Schritt, aber seine Lust war nicht gestillt. In
seinem Trakt angelangt ließ er den großen Zuber, auf den er so stolz war, zum heißen
Bade vorbereiten. Seine Lieblingsmagd, sechzehn Jahre alt, eine rothaarige
Hexe, würde zu ihm ins Wasser kommen, unaufgefordert, wortlos. Der Haushofmeister
stopfte seine Opiumpfeife, entkleidete sich, stieg ins Heiße und herrschte
seine Dienerin an:
„Bring
mir den glimmenden Kienspan!“
Er
gönnte sich ja sonst nichts.
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