Pat Garrett jagt Billy the Kid
Ein wunderbarer, melancholischer
Film, der den Abgesang einer Ära in sehenswerte Bilder gießt, und, in der
englischen OV, mit wunderbarem Lokalkolorit aufwartet. Da jede Ära ihren
Abgesang feiert, also zurzeit die 1990er-Jahre, und in 10, 15 Jahren dann eben
die Globalisierung, mit ihren kulturspezifischen Ausformungen, ist dieser Film
zeitlos aktuell. Die meisten der vielen Männer, die in diesem Film sterben,
sind Männer Mitte 40 bis Mitte 50, in den 1880er-Jahren, in denen der Film
spielt, eben schon "Old Men". Die Cowboys der Wilden 1860er-Jahre
werden älter, und die meisten wollen nach all den Aufregungen nur noch ihr
eigenes Häuschen, um ihre Kartoffeln und Ziegen zu züchten. Aber die wirklich
Mächtigen, damals wie heute eben die BESITZER der Eisenbahnen und Latifundien
und die Politiker- die Obrigkeit eben, die wollen das nicht, zumal Billy immer
noch ein schlimmes Kind ist. Sogar die älter gewordenen Cowboys wissen das.
Aber es hilft alles nichts.
Pat Garrett wechselt die Fronten,
wofür, fragt er sich nicht, der Zuseher aber immer öfter, denn alle alten
Kumpel und Freunde und Nutten und Barkeeper verzeihen ihm den Verrat nicht. Das
ist Pat Garrett egal, und er knallt seine alten Freunde reihenweise ab wie
räudige Hunde, er zeigt dabei sogar sadistische Züge, die der Zuseher James
Coburns "grausamer-Mongolenkrieger"-Zügen durchaus abnimmt. Die
Gangster sehen aus wie verkiffte Hippies in Australien, und sie sind allgemein
cooler als die "Bullen" in ihren steifleinenen, schwarzen
Bratenröcken und gewienerten Stiefeletten. Am Ende aber sind jede Menge Hippies
tot, ihre mexikanischen Gefährtinnen vergewaltigt, verwitwet und vertrieben,
ihre schmucken, vom Munde abgesparten Hobbit-Häuschen stehen still und leer...Pat
Garretts unrühmliches Ende ganz am Anfang des Films, im Gegenschnitt mit
Zielübungen -böse Buben bumsen besser- inklusive Kris
Kristofferson, der den Film über den Cowboy-Jim- Morrison mimt: Strahlend,
sympathisch, bei den Ladies beliebt und pausenlos stoned- wirkt am Ende des
Films schlüssig. Lustige Nebenrolle: Bob Dylan als dünner, belesener
Messer-Werf-Artist mit John Lennon-Brille und babyblauen Unschuldsaugen. Seine
Filmmusik ist klassischer Bob-Dylan-Folk, mit Gitarre, Mundharmonika und dem
Mund voll Sand. Eine dicke Empfehlung von mir für diesen Film.
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