http://www.welt.de/kultur/article147412735/Wir-schaffen-das-kostete-den-Kaiser-den-Kopf.html
http://www.faz.net/aktuell/politik/staat-und-recht/untergang-des-roemischen-reichs-das-ende-der-alten-ordnung-14024912.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
sprachlos
Sonntag
Donnerstag
Nummer 460
Hier die zu erwartende Relativierungs-Literatur der "progressiven Liberalen"...
http://derstandard.at/2000028566464/Eine-schreckliche-Geschichte
http://derstandard.at/2000028641188/Koeln-und-die-Fluechtlinge-Ekelhaft-dekonstruktiv
http://kurier.at/meinung/kolumnen/knecht/es-gibt-nicht-einmal-ein-wort-dafuer/173.632.872
letzterer Artikel wird von mir nach §283 StGB Verhetzung Absatz 2 geklagt...
(1) Wer öffentlich auf eine Weise, die geeignet ist, die öffentliche Ordnung zu gefährden, oder wer für eine breite Öffentlichkeit wahrnehmbar zu Gewalt gegen eine Kirche oder Religionsgesellschaft oder eine andere nach den Kriterien der Rasse, der Hautfarbe, der Sprache, der Religion oder Weltanschauung, der Staatsangehörigkeit, der Abstammung oder nationalen oder ethnischen Herkunft, des Geschlechts, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung definierte Gruppe von Personen oder gegen ein Mitglied einer solchen Gruppe ausdrücklich wegen dessen Zugehörigkeit zu dieser Gruppe auffordert oder aufreizt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren zu bestrafen.
http://derstandard.at/2000028566464/Eine-schreckliche-Geschichte
http://derstandard.at/2000028641188/Koeln-und-die-Fluechtlinge-Ekelhaft-dekonstruktiv
http://kurier.at/meinung/kolumnen/knecht/es-gibt-nicht-einmal-ein-wort-dafuer/173.632.872
letzterer Artikel wird von mir nach §283 StGB Verhetzung Absatz 2 geklagt...
(1) Wer öffentlich auf eine Weise, die geeignet ist, die öffentliche Ordnung zu gefährden, oder wer für eine breite Öffentlichkeit wahrnehmbar zu Gewalt gegen eine Kirche oder Religionsgesellschaft oder eine andere nach den Kriterien der Rasse, der Hautfarbe, der Sprache, der Religion oder Weltanschauung, der Staatsangehörigkeit, der Abstammung oder nationalen oder ethnischen Herkunft, des Geschlechts, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung definierte Gruppe von Personen oder gegen ein Mitglied einer solchen Gruppe ausdrücklich wegen dessen Zugehörigkeit zu dieser Gruppe auffordert oder aufreizt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren zu bestrafen.
(2)
Ebenso ist zu bestrafen, wer für eine breite Öffentlichkeit
wahrnehmbar gegen eine in Abs. 1 bezeichnete Gruppe hetzt oder sie in
einer die Menschenwürde verletzenden Weise beschimpft und dadurch
verächtlich zu machen sucht.
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Schranzen-Sprech
Mittwoch
Nummer 459
Diese Frau hat fürchterliche Angst, und das sieht man. Die Kölner OBin empfiehlt deutschen Frauen, sich vor muslimischen Männern zu verstecken, um sie nicht zur Vergewaltigung zu animieren. Weiterhin sollen aber Millionen dieser Menschen nach Europa kommen, egal, was komme, das habe nichts mit den Flüchtlingen zu tun. Ich glaube, die Frau sollte sofort zurücktreten. Das schaffen wir.
Die Fratze der Kapitulation
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Supravision
Dienstag
Nummer 458
Ein entsetzlicher Jahresanfang für alle, die sich ein friedliches Feiern erhofft hatten. Meiner ANsicht nach war das in Köln ein Terror-Angriff. Und am Schlimmsten die Relativierungen durch die üblichen Verdächtigen, die ja alles Besser wissen, als wir Normalsterblichen. Abgesehen davon ist das ein Medienskandal ohnegleichen, wie lange es gedauert hat, um überhaupt in die Medien zu kommen. War es das mit der Willkommenskultur? Stellen sich bald wieder LEute an den Westbahninger, und halten ihre Taferln in die Höhe?
http://derstandard.at/2000028523248/Immer-mehr-Anzeigen-wegen-Uebergriffen-in-Koeln-deutscher-Justizminister-spricht
http://www.aliceschwarzer.de/artikel/das-sind-die-folgen-der-falschen-toleranz-331143
http://derstandard.at/2000028502118/Entsetzen-nach-Uebergriffen-auf-Frauen-Krisentreffen-in-Koeln?ref=rec
Bin überzeugt, die Grünen werden in D und A an dieser Frage endgültig zerbrechen. Entweder Feminismus, oder Migration, Menschenrechte oder Steinzeit. Beides gleichzeitig, eins für die einen, eins für die andren, wie auch immer trennbar, aus welchen Motiven auch immer, was sich die Ideologen des Massengangbangs ohne Zustimmung auch aus den wunden Fingern saugen mögen, das geht nicht zusammen. Das ist unmenschlich und verlogen. Dagegen werden wir uns zu wehren wissen. An den Wahlurnen nämlich. Und nur dort. Und das ist auch gut so.
Allen Opfern mein tiefstes Mitempfinden... :(
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Schweinehunde
Montag
Nummer 457
Herrlich! Das Jahr beginnt, wie es geendet hat: Mit politischen Katastrophen, hinter denen fast ausschließlich die USA stehen, bzw. ihre Abstiegspolitik auf Kosten der anderen. Wie immer muss die EU dafür bezahlen, der US-Pudel zu sein. Sanktionen gegen Russland, Sanktionen gegen den Iran, dubiose auserlegte "Spenden" der EU für die lupenreine Demokratie Ukraine, Mastdarmakrobatik gegenüber dem Herrn Erdogan, der Hitler öffentlich lobt, und die verruchten Saudis, die mit ihrem Ölpreisdumping und Kopfabhacken ebenfalls eine lupenreine, nachhaltig wirtschaftende Dem.. äh Diktatur nach dem US-Geschmack darstellen und unliebsame religiöse Minderheiten wie die Houthis im Jemen nach US-Vorbild einfach mit Waffengewalt (notabene: die Waffen kommen von "uns", dem Westen) ausrotten. 2016 wird für die Europäer ein Epochenjahr wie 1945. Und ich vermute, es wird mit ähnlichen Verheerungen einhergehen wie damals. Die Demokratie im Sinne des Wortes geht dabei flöten, sie wird durch eine Neo-Feudalisierung ersetzt, in der wir nur noch als Konsumenten einen Wert haben, sonst nichts. Man muss nur schauen, wie viele Sprösslinge von "Stars" angebetet werden wie ihre Eltern und in lichtetste Höhen versetzt werden, meist ohne einen Funken Talent oder Charisma. Das Proletariat macht da munter mit, weil es von Haus aus geistig eher minderbemittelt oder ohne Interesse ist, und überall mitmacht, wo billigste Unterhaltung und Kornspenden geboten werden, während das gebildete Bürgertum ebenso ausgerottet wird wie im Russland der 20er Jahre, bloß ohne Genickschuss. Die NWO setzt sich bereits durch, und wir haben verloren. Ich denke, es werden Pflöcke eingeschlagen, die gute 200 Jahre halten werden. Revolutionen wird es nicht geben. Und ich halte es für möglich, daß der nächste US-Präsident einen Atomschlag anordnen wird, um zu beweisen, wie "tough" er/sie doch sein kann.
Samstag
Nummer 456
DIE ALTE FRAU UND DIE BOMBE
Ein Ammenmärchen, völlig aus der
Luft gegriffen
Sie legte die
öffentlichen Geschmacksnerven mit einem Skalpell frei. Dann half sie dem Herrn
Professor, sich die Oberschenkelarterien frei zu präparieren. Als sich der alte
kranke Arzt dann beide Blutbahnen durchtrennte, war sie bald unendlich
geschockt, vom Gesichtsausdruck des Medikus, als der beobachtete, wie das Leben
ihm da aus dem Körper spritzte. Nach ein paar Minuten begann er, so komisch und laut zu sagen:
„Ich muss jetzt
sterben. Ich kann es nicht mehr hinausschieben. Aber ich habe solch
schreckliche Angst, dass es drüben immer
so weitergeht!“
JAERERSCHRIEESSCHONFASTRAUSSOLAUTWARERUNDVOLLERTODESPANIK,da musste sie ihm einfach eine dicke
Morphium-Dosis verpassen: Die dafür sorgte, dass der Prof. es sich nicht noch anders überlegen konnte. Aber die ganze
Sache landete ohnehin bei den völlig klaren Fällen, da musste sich die Frau gar
nicht darum kümmern, ob irgendjemand bei der Polizei oder den Versicherungen weiter
grub oder nicht. Der Professor war tot und aus. Er hatte es selbst so gewollt.
Sie hatte es ihm ja so gegönnt,
endlich zu sterben, dem charismatischen Herrn, mit seinen starken Händen, den graumelierten
Schläfen und stahlblauen Augen, ein Mann, von dem alle sagten, er sehe ja eigentlich
viel jünger aus als seine vertrocknete Sekretärin, tja, jede andere Überlegung
war danach überflüssig geworden. Als sie aber dann sah, wie entsetzlich sein
Inneres war, wie lächerlich er aussah, halbnackt, mit heruntergelassenen Hosen,
aber dennoch korrekt im schneeweißen Labor-Mantel. Krawatte um, ein schönes,
gestärktes Hemd, maßgeschneidert, natürlich, aber diese aufgeklappten
Hautfalten, mit den entsprechenden Gewebsschichten, Fett, Flachsen, das war,
wie sollte sie sagen, doch ein wenig zu
penetrant, in seiner ganzen pubertären Pracht. Könnte er sich nicht einen
halben Liter länger bei ihr aufhalten, das ging ja so schnell, mit dem
Auslaufen. Na, das muss ja eine Kurzschlusshandlung gewesen, Herr Professor!
Allein, was die Operationen am Oberschenkel gedauert haben! Denn das ging ja
bei ihm Null-Komma-Nichts, da bekamen die Kollegen Ohrensausen. Sie wusste das
alles ganz genau, war dreißig Jahre lang
seine Privatsekretärin gewesen. Dreißig Jahre lang hatte es keinerlei
Intimitäten unstatthafter Art von Seiten des Professors gegeben. Ebenso lang
sorgte sie dafür, dass auch Prof. Wildmann alleine blieb, der Name ist
natürlich geändert, klar, wegen der Wirkung auf ein breiteres Publikum, dem durch
eine kurze Zeitungsnotiz das Grauen auf den Tisch gekommen war, zwischen Erdebeermarmelade
und Edelsalami, aber erst Montag in
der Früh.
Der Herr Professor
war ja schließlich nur mit seiner ARBEIT verheiratet
gewesen, das wusste jeder. Da dem Gentleman, der zu vornehm gewesen war, diesen
Vampir zur Hölle zu schicken, etc. etc. Da war keine Zeit für irgendein
Privatleben geblieben, nicht einmal die Zeit, um aber alle bewunderten die
aufopferungswillige Frau, die in unverbrüchlicher Treue mit ihrem Fixstern
gemeinsam alterte. Wenn er doch
wenigstens nicht so unglücklich gewesen wäre, dabei! Immer arbeiten, immer
allein. Sogar im AUSLAND hatte er sie gebraucht, ohne je zu fragen, welches
Recht er da eigentlich verlangte. Haha! Das war die öffentliche Meinung
gewesen, alle mussten die geschockte Lady unterstützen und im Fonds kam da ganz
schön was zusammen. Selbstverständlich waren sie gerne dazu bereit gewesen, dass
die Sekretärin die Unterlagen mitnehmen durfte, um sie der Nachwelt zu
erhalten. (Es war dann eine chinesische Militärfirma, die sich bereit dazu
erklärte, in Peking die Internationale Gunnar Wildmann-Stiftung einzurichten,
die lediglich Chinesen zugänglich war. Was zuviel ist, ist zuviel.)
Die Beine des
Professors hatten am Schluss ausgesehen wie Selleriestangen, aus denen nasse
rote Spaghetti raushingen. Das Blut war von einer kirschartigen Farbintensität,
ja, passte geschmacklich ganz wundervoll zum Neonlicht und den Labor-Kacheln, so
blendend weiß und glänzend schwarz. Ja, es war doch ein schönes Bild geworden,
das sie mit ihrer Kamera eingefangen hatte, und viele weitere gute Bilder waren
gefolgt, aber diese Schätze teilte sie mit niemandem, solange sie noch leben
würde.
Die alte Frau kam
ganz gut zurecht, nachdem sie das alles verdaut hatte. Sie lebte nicht schlecht
von den Wissens-Erträgen vier langer Jahrzehnte selbstloser Arbeit. Niemals
hatte sie sich selbst geschont, niemals darauf bestanden, auch einmal früher
heim zu gehen, oder mal ins Kino, oder auch mal allein ausgehen, nein, der blöde
Arzt musste ja forschen, forschen, forschen.
MÄNNER! seufzte sie
da, drückte den Henkel des kleinen schwarzen Koffers fester. Keine fünf Minuten
noch war es her, da hatte sie noch ein letztes Mal vor dem Spiegel gestanden, sich
die Haare zurecht gemacht, dezente Schminke angelegt, schwarze Schuhe, ein
netter Tailleur, der ihrem rüstigen Alter durchaus entsprach, ein kleines
deutsches Hütchen auf den Haaren, streng aber hart, mit dünnen, schwarzen
Handschuhen aus Schweinsleder.
„Diese Idioten! Ich
sehe doch viel schöner als er!“.
Nun würde sie es
ihnen allen zeigen! Jetzt war Schluss, mit lustig!
Die Journalisten
die Pressefritzen die Schmierfinken hatten noch viel blödere Fragen gestellt,
als die Bullen, was ja ein echtes Armutszeugnis war. Na, jedenfalls hatte sie
dann von den Chinesen tatsächlich ihr Geld kassiert, wenn auch die fünf
Anwälte, die sie zwischen sich und ihre Geschäftspartner geschoben hatte, um
sich durch die Abgabe von Teilinformationen abzusichern, fast die Dreiviertel
der Summe schluckten. Aber, sie war frei in der Lage, ihren alten PLAN nun zu
verwirklichen. Damals, nach dem Krieg, da hatte sie sich durch
Schwarzmarktgeschäfte mit Margarine und Kohlenstaub vor dem Verhungern retten
können. Sie war... (lächelte die alte Dame da etwa? Ein Vorbeifahrender oder
Vorübergehender hätte es nicht sagen können, war das ein Schmunzeln, oder sich
ekeln?) so entschlossen gewesen.
Das Taxi kam endlich
um die Ecke gebogen, und rollte langsam auf Esther Glibierner zu. Als der Fahrer ausstieg, um die
Heckklappe zum Kofferraum zu öffnen, herrschte sie ihn an:
“Den Koffer gebe ich nicht aus der Hand!“
“Den Koffer gebe ich nicht aus der Hand!“
Der Taxler, er kam
aus dem Iran, ein freundlich wirkender Kerl, gut rasiert, nettes Jeans-Outfit,
Technik-Student vermutlich, der sich neben den Seminaren noch ein Taschengeld
dazuverdienen will, zuckte mit den Schultern. Offensichtlich war er alte
Piefke-Weiber gewöhnt, die bei seinem Anblick dachten, er könne sie mitten auf
der Zubringerstrasse aus dem Wagen stoßen, um mit ihrem kostbaren Gepäck
abzuhauen:
“Wie Sie wünschen!“.
Er stieg in den
Wagen.
„Wollen Sie zum
Flughafen?“
„Ja! Zur dritten Schalterhalle!“
Sie hatte es ja immerhin
zugelassen, dass ein Ausländer (merkwürdig,
der stank ja gar nicht, wie sie immer gedacht hatte) sie chauffierte.
Oder waren die Anderen
etwa bloß ganz andere Ausländer
gewesen? Egal. Der Professor war ja auch Österreicher, eigentlich! Vorsichtshalber
schnauzte sie den Taxifahrer an:
„Und halten Sie
sich bitte an die Verkehrsregeln! Ich will keine Schwierigkeiten! Ich muss
pünktlich meinen Flug erreichen!“
Was sollte das
schon wieder heißen? War die auf Tabletten, oder was, wunderte sich der
charmante Chauffeur. Und diesmal gab der junge Mann keine Antwort mehr nach
hinten. Er fuhr die Trennscheibe hoch und ließ den Motor an. Esther fühlte sich
ganz wohl, da hinten, abgetrennt von der Welt, hinter violett getönten
Scheiben, der weiße Stoffbezug der Sitzpolster war sogar noch wirklich weiß. Ein schöner, glänzender Quader war
das, schallsicher, die Strecke verging draußen, hier drin war sie sicher, und
warm, fast hätte sie sich gewünscht, die Fahrt möge doch ewig so weitergehen,
diese summende Stille, dieses Streifen an spürbarer Geschwindigkeit, die beinahe
durch das Metall drang, die Absolute Nähe zu schnell drehenden Reifen. Das wäre
ganz sicher, hatte ihr die Angestellte der Taxi-Gesellschaft am Telefon versprochen,
da könne nichts passieren, während sie mit ihrem Kugelschreiber lauter kleine
blaue Blitze und Pfeile auf ein Blatt Papier kritzelte, das mit winzigen Hieroglyphen
bereits großflächig bedeckt war. Glibirner am anderen Ende der Strippe,
jeglicher Empathie fremd, konnte nicht wissen, dass dem Mädchen nur deswegen so
langweilig war, weil es keinen Liebeskummer
hatte, ließ aber an ihrem Ton eisiger Pflichterinnerung erkennen, wer welchen Platz
im Universum einnahm.
„Ich will das schriftlich.“
Sie waren oft genug
dienstlich zum Flughafen chauffiert worden, von der Taxigesellschaft, da konnte
sie ein wenig Respekt, wenn nicht gar VIP-
Service verlangen. Schließlich hatte das ja immer alles der liebe Herr PROFESSOR
gezahlt! Esther verfolgte die Sache nicht länger im Geiste. Sie waren langsamer
geworden, jetzt bremste der Wagen, sachtem kamen sie zum Stillstand. Der Fahrer
stieg aus, kam ums Auto herum, öffnete der Dame die Türe, Manieren hatte er ja,
der dunkle Kerl, fand sie. Eigentlich fand sie ihn ja ganz niedlich, mit seiner
dicken, schwarzen, altmodischen Brille. Da sie den Fahrpreis auswendig kannte,
wartete sie erst gar nicht ab, ob er was sagte. Sie streckte ihm ein paar
Geldscheine hin:
„Stimmt so!“
„Vielen Dank“,
antwortete der Fahrer. „Und guten Flug!“
Diese dicken
schwarzen Haare erst! Esther lächelte, aber es blieb beim kläglichen Versuch:
“Ich fliege nämlich nach Amerika!“
“Ich fliege nämlich nach Amerika!“
Sie drehte sich um,
ging durch die automatische Schiebetür, die lautlos vor ihr auseinander glitt
wie ein Rotes Meer aus Plexiglas. Ihre Schritte führten sie quer über die
imposante Eingangshalle zu einer Damentoilette, in der Nähe des Express-Schalters
ihrer Airline. Wenn sie wollte, konnte sie ja wie eine resche Version von Miss
Marple durchgehen. Am Körper war noch nie kontrolliert worden, stets war sie
mit dem Professor und unter dem Schutz seines Quasi-Diplomaten-Status auf
Wegen, die nicht jedem zugänglich waren, direkt zum Flugzeug gebracht worden.
Ja, der Name des Professors wog noch Einiges, in dieser Welt. Schwerer
jedenfalls, als die achtundzwanzig flachen, rechteckigen Päckchen, die in
Schlaufen steckten und die zusätzlich alle fein säuberlich in Plastikfolie
eingewickelt waren. Sie stellte den Koffer auf das blinkende Chromgestell, das
wie eine Wartebank für Pygmäen in halber Höhe des Oberschenkels unter den
Waschbecken hindurch lief und eigentlich genau dafür gedacht war. Sie zog sich
sachte die Handschuhe aus. Ihre gepflegten Hände zitterten nicht ein bisschen,
als sie unter den Wasserhahn gehalten wurden. Der Strahl war perfekt
temperiert, von Photozellen klinisch unpersönlich ausgelöst worden, und für
eine bestimmte Zeit bemessen. Mit einem Klack hörte das Rauschen auf,
vergurgelte im Abflussrohr. Es war fast schon wie im Flugzeug. Esther blickte
in den Spiegel, nickte sich zu. Sogar die Heißluftdüse im Händetrockner wurde durch
Lichtreflexe ausgelöst. Das Wasser verdunstete schnell auf ihrer Haut. Sie zog
sich die Handschuhe wieder an. Sie nahm den Koffer, ging in die nächste Kabine
und schloss hinter sich ab. Der Klodeckel war schon zu, glücklicherweise musste
sie ihn nicht anfassen. Rasch öffnete sie ihren Mantel, schlüpfte heraus, hing
ihn an den Kleiderhaken, dessen drei Stummel von der Toilettentür in die Kabine
hineinragten. Es folgten die Jacke, ihr luftig geschnittenes, hellblaues Hemd
und ein Ruderleibchen. Sie schloss sie die beiden Miniaturschlösser auf, die
ihrerseits ein Kettchen sicherten und machte endlich den Koffer auf. Unter
einer harmlosen Schicht Damenwäsche lagen die Päckchen. Esther griff noch
einmal in den Koffer, und holte eine Art Leibriemen oder Anschnallweste heraus,
die sie selbst umgenäht hatte. Auf der Innenseite waren achtundzwanzig relativgroße
Schlaufen befestigt. Sie schob je ein Päckchen in die Schlaufen, stellte
sicher, dass alles richtig saß, und schnallte sich das ganze Ding um und
schnürte es sich so eng als möglich an den Körper. Anschließend zog sie das Hemd
drüber, welches nun nicht mehr ganz so lose vom Leibe abflatterte, faltete
dafür ihr elegantes Jackett zusammen, stopfte es in die Reisetasche. Als diese
Vorbereitungen klaglos abgelaufen waren, zog Esther unter der übrigen Wäsche
eine schreckliche, extrem geschmacklose und unförmig geschnittene Damenjacke
hervor, absurd geblümt und extra bauschig. Sie zog es an und schauderte.
„So ein arme- alte-
Leute- Zeug!“
Immerhin verdeckte
es ihre Volumenzunahme. Sie machte den Koffer zu, legte Kettchen und Schlösser in
eine Muschel aus rosa Klopapier, machte ein kleines Paket draus, ließ es in die
Muschel fallen und spülte nach. Sie vergewisserte sich, dass es zu keiner
Verstopfung der Toilette kam und trat aus der Toilette. An der Tür hing ein
Putzplan, auf dem durch unleserliche Paraphen vermerkt war, welche der vielen
abwechselnden Reinigungskräfte, die zu jeder vollen Stunde mit Fleiß, großem
Ehrgeiz und voller Freude für die sehr geschätzten Kunden die Räumlichkeit
betreuten, grade Dienst geschoben hatte. Glibirner konnte es nicht unterlassen,
nach den letzten Eintrag zu sehen, und ihn auf ihre Uhr zu sehen.
„Das ist aber
jemand spät dran! Tja!“
Sie verließ die
Toilette und bewegte sich zum Schalter, wo sie den Koffer mit einem resoluten
Geräusch auf der Gepäckablage der Ersten Klasse ab. Sie sagte in herrischem
Ton:
„Ich bin die
Privatsekretärin von Professor Wildmann und werde morgen in Orlando auf einer
Ehrenveranstaltung eine Laudatio auf ihn halten. Die Tickets sind auf den Namen
Glibirner reserviert.“
Das Fräulein in
Uniform blickte ehrfurchtsvoll zur alten Frau hoch.
Die
Privat-Sekretärin vom berühmten Professor!
Wenn sie das erst
ihren Kolleginnen erzählte! In der Tat erzählte dann am nächsten Abend ein Mann
seiner Frau, wie die Freundin eines Arbeitskollegen der Sekretärin eines
prominenten Selbstmörders Tickets ausgehändigt hatte, ein letzter, ersterbender
Rest an Einfluss hatte seine Schuldigkeit getan. Zaghaft streckte sich ein
schmales Gutscheinheft der Alten entgegen:
„Es tut mir ja so Leid um den Professor!“
„Eine Tragödie,
mein Kind, eine Tragödie!“
Das
Luftfahrtsmädchen kuckte Esther mit großen Augen an, nahm den Hörer des
Tischtelefons ab, der vor ihr stand, tippte ein paar schnelle Zahlen. Esther
konnte es schnurren hören. Beim vierten oder fünften Signal hob am anderen Ende
jemand ab. Die Hostess sprach ganz
mitfühlend ihren Namen und die Nummer ihres Schalters in die Muschel, wartete
die einsilbige Antwort ab, gab ihren dienstlichen Meldungs-Code durch und legte
auf.
“Sie werden in einer Minute abgeholt, Frau Glibirner. Es ist uns immer eine Freude, Ihnen behilflich zu sein. Angenehme Reise.“
“Sie werden in einer Minute abgeholt, Frau Glibirner. Es ist uns immer eine Freude, Ihnen behilflich zu sein. Angenehme Reise.“
Esther schnarrte
ein halbherziges „Danke.
Sie drehte sich
abrupt um. Bald darauf tauchte eine Art Golfwägelchen mit vier überdachten Plätzen
auf, das von einem sehr dicken Mann chauffiert wurde. Er hatte eine
zerknitterte graue Uniform an, sein nachlässig gebundener Schlips stand in
einem eigenartigen Winkel von der dritten Fettfalte seines enormen Bauches ab,
und seiner linken Hüfte versuchte ein fransig wirkender Schlüsselbund Autorität
zu vermitteln.
Der Angestellte
wuchtete sich aus dem Kart hoch.
„Ich sollse durch
de Kontrolln lotsen. Steigense hinten ein.“
Angeekelt nahm
Esther Platz, sehnte das Ende dieser ganzen Qual ärgerlich herbei.
Sie tuckerten
davon.
Am Kontrollpunkt
angelangt öffnete ein Uniformierter extra die Doppeltüre, um sie durchzulassen.
Der Dicke nahm den Koffer an sich,
stapfte zu den Zöllnern und sagte:
„ Iss’n Vip.
Handgepäck, sonst nix. Tickets sin okay.“
Der Zöllner nahm
den Koffer wortlos an sich, ließ ihn durch den Röntgen-Apparat laufen. Sein
Kollege blickte flüchtig auf den Schirm, sah die Unrisse von allen möglichen
Sachen, Reißverschlüsse, Kugelschreiber, eine Zahnbürste, Kosmetikartikel, ein
paar Klamotten. Nichts Besonderes. Er nickte. Sein Kollege nahm Esthers Koffer
an sich, drückte ihn zurück in die Patschhände des Dicken und sagte:
„Frau Glibirner ist uns bestens bekannt, Sie
können zum Abflugschalter fahren.“
Der Dicke murmelte
ein Dankeswort, schlurfte zum Wägelchen zurück und ließ es an. Der erste
Zöllner winkte sie mit der Grandezza eines römischen Parkplatzwächters
hindurch. Er salutierte sogar, als Esther in Augenhöhe an ihm vorüberrollte.
Die Flügel der Türe wurden hinter ihnen geräuschvoll verriegelt.
Es hatte geklappt.
In der Lounge
setzte sie sich an die Bar und bestellte einen Amaretto auf Eis. Unter dem
schreiend geschmacklosen Sakko konnte sie den Gurt fühlen. Das beruhigte, gab
ihr Sicherheit, ein starkes Gefühl. Jetzt konnte sie es sich leisten,
freundlich zu sein. Das Getränk ziemte ihr und schmeckte vorzüglich. Sie ließ
bald den nächsten kommen.
Eine halbe Stunde
später betrat sie leicht beschickert die Erste Klasse des Jumbojets. Sie fand
ihren Platz, verstaute den Handkoffer in der Gepäckablage und setzte sich. Nun
wirkte sie doch ein wenig nervös, aber sie beherrschte sich und lauschte dem
Stück von Franz Liszt, das über die Bordlautsprecher kam, blätterte ziellos
durch das Magazin, das ohne Knicke auf ihrem Sitz gelegen hatte. Die hinteren
Klassen des Flugzeugs füllten sich langsam, doch Esther achtete nicht weiter
auf die übrigen Fluggäste. Sie ließ sich von der Stewardess ein Glas Wasser
bringen, nahm unbemerkt eine halbe Schlaftablette zu sich, machte es sich
gemütlich und nickte kurz darauf ein.
Als sie wieder aufwachte,
war es finster und das Flugzeug mitten über dem Atlantik. Eine Blutwelle schoss
zu Esthers Herz, als sie realisierte, wo sie sich befand. Reflexartig tastete sie
ihre Leibesmitte ab, voller Vorangst … und da, ja! Immer noch waren die
Päckchen an ihren Leib geschmiegt. Nun konnte niemand sie mehr aufhalten! Sie
schüttelte den chemisch induzierten Schlaf langsam ab. Im Grunde war sie unter
der Schlappheit voller Vorfreude. Schließlich riss sie sich zusammen und
stakste auf die Toilette. Sie zerrte sich das hässliche Sakko vom Leibe,
knöpfte das Hemd auf und löste den Schlaufengurt. Mit zittrigen Fingern zuppelte
sie eines der kleinen Pakete aus der Schlinge, fetzte die dünne Kunststoffhülle
ab. Dann endlich sah sie das, wofür ihr Herz geschlagen hatte:
„GELD! GANZ VIEL GELD!“
Wahrlich, sie hatte
eine Million Euro in ihren Händen, war unterwegs nach Florida, ins deutsche
Rentnerparadies, wo sie unauffällig unter all den anderen blau und lila getönten
begüterten Witwen leben würde, reich bis an ihr, hoffentlich fernes, Ende.
Sie hüpfte ein
wenig in der beengten Kabine auf und ab, ganz das kleine Mädchen, das in der
Weimarer Zeit mit Hunger und Unsicherheit als Geschwisterchen aufwuchs.
„Ich habe mir das
alles verdient, nicht wahr, Mama?!“
Ihre Mutter konnte
keine Antwort geben, hätte aber die Skrupellosigkeit ihres alten Töchterchens
gutgeheißen. Hatte sie selbst nicht den alten Herrn Rosenthau an die Gestapo verraten,
um die herrliche Vierzimmerwohnung zu kriegen?
Alles war da,
niemand hatte sie bestohlen. Beglückt stopfte sich Esther knisternden Banknoten
in die Hosentaschen, schlang den Gürtel um ihre Hüften und zurrte ihn fest.
Diesmal aber ließ sie ihr Hemd bloß darüber hängen, stopfte das verhasste
Jackett in den Mülleimer. Hier im Halbdunkel des Jets würde ohnehin keiner auf
sie achten.
Sie verließ das Klo
und stolzierte zu ihrem weich gepolsterten Sitz zurück. Esther kostete ihren
Triumph aus. Sie bestellte sich Champagner und Lachsbrötchen, aß, trank nach
Herzenslust, wurde sogar gegen ihr Naturell jovial mit den Stewardessen, wie ein
reicher Genesender mit der Krankenschwester scherzt, die seine Bettpfanne
leert. Der Rest würde ohnehin bald verblassen.
Mutig geworden,
prostete sie sogar einem fremdländisch aussehenden Herrn zu, der zwei
Sitzreihen rechts von ihr saß. Ein fescher Mann. So elegant, und so jung! Auch
er hielt einen kleinen schwarzen Koffer in den Händen. Auch er wirkte völlig
gelöst und heiter, als habe er eine ähnlich glänzende Zukunft vor sich wie
Esther Glibirner. Da, er lächelte zurück, winkte sogar Esther zu. Wollte der
gar am Ende...? Kühn kippte sie den letzten Schluck Schampus aus. Schüttelte
ihr Haar, lächelte und trippelte zu ihm hin. Der Mann tätschelte in einer
einladenden Manier den Sitz neben sich. Esther nahm neben ihm Platz.
„Lieben Sie Amerika
auch so wie ich?“ fragte sie schelmisch.
„OH JA!“, sagte der Mann in einem gutturalen
Deutsch. „UND WIE!“.
Er legte den Koffer
auf seine Knie.
„Kucken Sie doch
mal!“
Die kleinen
Messingschlösser an Koffer schnappten auf, und er klappte den Deckel hoch.
Neugierig beugte sich Esther darüber.
Sie sah nichts als einen
Knopf, zwei Wecker, Drähte, Kupferspulen, Batterien und einen sehr großen Klumpen
Plastilin. Eine eigenartige Information wollte in ihr Hirn dringen, die
Konsequenz verirrte sich aber irgendwo im Niemandsland des Aufwachens.
„Ist das etwa…“
Der fesche junge
Mann nickte enthusiastisch und sagte:
„JA! Eine Bombe!“
Und er drückte auf den
Knopf.
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Sprachbetrachtung
Nummer 455
KEINE TIERE AUF DER STRASSE
Alles
verschwindet. Edel-Salbei. Zu große Abstände. Ja darf der denn das? Opium geben,
den Söhnen von Vereinsbrüdern? Das Brot
lag ihm schwer im Magen. Netter Tee, warmer Tee, mit Milch, Halbfett, BIO.
Mjam, mjam. Der Jongleur. Er hob den Stock im Takt. Dann war alle Vorsicht
dahin. Er nahm das faulige Gemüse und bewarf damit sein träges Publikum. Kein
Krieg im Pfirsichstaat? Da lachen ja die Hühner! Drei Kerne im Gewande. Eine
Sau, so eine richtige Sau. Es füllt den Darm mit Gas. Die Meute stopfte sich
nun hastig voll. Sie würden immer alles kaufen. Sogar letztklassige Ware. Je
nachdem. Hellblonde. Sie. Sondern. Nach dem. Aber. Sehr charmant. Was genau,
konnte ich nicht sagen, allen beweisen wollen. Er seine beschissenen TOUREN der
vergangenen Nächte bitter bereute. Die. Geld geben. Immer.
Bezahlen
dafür, anderen zusehen zu dürfen, wie sie an sich glauben, das ist einer der
besten Sätze, die ich je gelesen habe. Danke, Kim!
Der
Rest der Garden hat sich schon längst ergeben.
Wussten nichts mehr.
Das
Herz schlug umsonst.
Die
müde Schießbude füllte sich mit Leben.
Tod
im Atombunker.
Gnome
rollten kleine Bälle durch Wagenwände, in Münder und Nasenlöcher.
Staun-Ende.
Sonst sonntags. Jade Rapunzel. Amber rumpelt, ins Tal der Wale. In der Höhle
der Dichters roch es, die Luft war dicht. Größeres Glück konnte der Narr nicht
geben, kannte er doch keines. Gestohlener Satz. Gras brennt in den armen Augen.
Siebenhundertzweiundfünfzig
Stolpersteine auf dem Weg ins Etappenziel. Rallye mit Nachwehen, amputierten
Illusionen, doch siehe! Plötzlich wuchsen neue, kräftige Triebe aus den
Stümpfen, wurden Hoffnungen geboren, wo Hoffnungen Wunden geschlagen hatten.
Eine tolle Sache, was? Der Fahrer konzentrierte sich, drängte die Musik auf die
Seite, den Lärm in die Stille, lauschte auf das sachte Klopfen im Zylinderkopf.
Er hatte noch nie verstanden, wie Menschen in Wartesituationen einfach
stundenlang ins Leere starren konnten. Warum nicht lesen, den Schein von
Interesse wahren, wenn sie am Leben waren? Selbst der galligste Automatenkaffee
hatte mehr Esprit als diese toten Fliegen auf den Fluren. War alles bloß ein
Geheimnis, eine Portion Traubenzucker in einer Welt voll Langeweile und toter
Träume? Zum Glück war er nicht allein. Im Keller der Fremden stapelte sich der
Mist, gleich daneben der Mut, klein und still wie eine Maus. War es Mitleid
gewesen, als er den greisen Griechen-König erschlagen hatte? War es Egoismus?
Er schüttelte den Kopf.
„Nein,
keines von beiden, außerdem sind sie dasselbe.“
Er
stand fest zu seinen Entschlüssen. Keine Aussagen mehr, die nur fast waren. Er
johlte an der Bushaltestelle los, ein durch geknallter Barbar. Ein seltsamer
Souverän, das mussten sie ihm lassen. Er jonglierte mit Silben, Salbei und
silbernen Salben. Zinkender Zocker. Die Königin kam vorbei, begutachtete das
Fingerspiel des Eulenspiegels, lud ihn zu sich nach Hause ein, wo sie ihm aus
alten Büchern vorlas. Sie bemühte sich sehr, kreativ zu sein. Wenn sie diese
Schlacht gewann, könnte er sogar hingerichtet werden. Er nahm das alles tief in
sich auf, machte keinen Hehl daraus, es später zu verwenden. Nicht gegen die
Königin. Mit ihr. Chiliastische Ekstase: Was nichts ist, das kann nichts
werden. Die beiden trampelten durch breite Treppenfluchten des Palastes, dabei
die Stimmen von Kindern nachäffend. Das passte immer. Die Dame wurde schwarz.
Sie orientierte sich an den Farben des Tages.
„Geschickt
gemacht!“, lobte dann der Haushofmeister das umhertollende Paar, wenn sie
erschöpft, im Thronsaal eine kleine Jause einnahmen, ehe sie weiterspielten:
„Ich
mache mir GROSSE Hoffnungen, Majestät!“.
„Ich
auch!“, lachte sie, aber nur einer wusste, was gemeint war.
„Die
Verlängerung der Stunde“, nannte es die Königin. Ihre Worte waren wie Gold-Nuggets,
deren Sinn erst aus dem Sand ihrer Schönheit gesiebt werden muss. Mitten im
Winter klang fernes Vogelgezwitscher, die Luft roch nach Primeln.
„Ist
das die Freiheit, die ich meine?!“, fragte die Monarchin den Schelm-Fahrer.
„Ich
weiß nicht, Majestät, welche ist es denn?!“
Das
Spiel wurde für den Piloten immer gefährlicher, er liebte es.
„Inkohärenz,
Halluzinationen, Neuntes Staunen.“
„Ja?“
„Könnte
das nicht alles ein einziger Fehler sein?“
„Natürlich.“
„Warum?“
Die
Maschine summte auf Hochtouren.
„Weil
Irren menschlich ist.“
„Ihr
vergesst, dass ich Eure Königin bin!“, entgegnete sie eisig.
Er
nahm fast seinen ganzen Mut zusammen, blickte seiner Rivalin um die Gunst des
Volkes fest in die Augen:
„Gewiss,
Majestät. Aber seid Ihr auch ein Unmensch?!“
Ein
Schweißtropfen lief seine Wirbelsäule hinab. Es tat gut, so gut. Es war wie
eine Sucht, aber viel besser.
„Ich
werde darüber nachdenken, Pilot. Trollt Euch solange.“
„Majestät,
ich danke.“
Die
Königin klatschte in die Hände. Schon begannen livrierte Lakaien, die Tafel
abzuräumen.
Der
Pilot machte seinen Kratzfuß, entfernte sich schweigend, stolz auf sich und
seine humanistische Ausbildung. Jetzt, wo das Spiel gewonnen war, hatte er
unkeusche Gedanken, die Königin betreffend. Doch ehe er das Burgtor erreicht
hatte, wurde er von ihren Wachen erschlagen. Erst beobachtete sie sein
Martyrium, dann ging sie weinend in ihr Gemach und ließ sich vom Hofeunuchen
auspeitschen.
„Warum
musste er alles kaputtmachen? Warum musste er mich bestrafen?“
Der
arme Eunuch wusste nicht die Antwort, hätte aber auch gar keine geben können.
Ehe er seinen gefährlichen Dienst bei der jungen Schönheit angetreten hatte,
von der er so einiges gehört hatte, schnitt er sich die Zunge aus dem Mund, um
Wortspielen entgehen zu können. Besser stumm und entmannt als Mann und tot. Achthundertzweiundachtzig
Männer hatte das Reich bereits verloren, die Blüte der Ritterschaft, aber es
war nichts dabei herausgekommen. Die Leichenkomitees freuten sich darüber.
Geschäft ist Geschäft.
Nach
der Kasteiung ließ sich die Königin pflegen, lag auf dem Bauch, in ihrem Bett,
groß genug für vier, mit weichen Damast-Decken und seidenen Laken. Es klopfte.
Ohne aufzusehen, ließ sie bitten.
Es
war der Haushofmeister:
„Ehm,
Majestät, mir scheint, dieser hier hat sich am Längsten gehalten!“
Er
war ein Musterbeispiel für vollendete Diplomatie, sagten die einen. Ein
Kriecher, sagten die andren, der zu gerne selbst ins Bett der Königin gekrochen
wäre.
„In
der Tat, er war der Beste!“, stöhnte die.
Eine
Hofdame fächelte ihrem bandagierten Rücken kühlende Luft zu. Unter den dicken
Wundpackungen waren die Ausläufer von Striemen sehen, die ihre Alabasterhaut
gerötet hatten. Der Haushofmeister LIEBTE diesen Anblick, er bekam davon jedes
Mal eine spontane Emission. Genau aus diesem Grund beendet er dieses kranke
Spektakel nicht, welches das ganze Reich in den Abgrund riss.
„Alles
hat seinen Preis!“, dachte er. Laut aber sagte er:
„Ich
werde mit Eurer Erlaubnis in angemessener Zeit nach einem weiteren Kandidaten
Ausschau halten lassen, Majestät!“
„Tut
dies, Haushofmeister, tut dies. Nun entfernt Euch, ich muss für seine Seele
beten.“
Er
verschwand rückwärts aus dem königlichen Schlafgemach. Sein wollenes Unterzeug
klebte heiß und unangenehm im Schritt, aber seine Lust war nicht gestillt. In
seinem Trakt angelangt ließ er den großen Zuber, auf den er so stolz war, zum heißen
Bade vorbereiten. Seine Lieblingsmagd, sechzehn Jahre alt, eine rothaarige
Hexe, würde zu ihm ins Wasser kommen, unaufgefordert, wortlos. Der Haushofmeister
stopfte seine Opiumpfeife, entkleidete sich, stieg ins Heiße und herrschte
seine Dienerin an:
„Bring
mir den glimmenden Kienspan!“
Er
gönnte sich ja sonst nichts.
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Sprachbetrachtung
Nummer 454
PASSACAGLIA
Teil Eins
WHITE WHORES
Das Jahr war so zu Ende gegangen, wie ich es größtenteils
verbracht hatte: Unspektakulär, zuhause und allein. Ähnlich unspektakulär waren
meine Vorsätze: Ein bisschen mehr Vitamine, ein bisschen weniger Fett, wieder an Literatur-Wettbewerben
teilnehmen und das Jahr so zu organisieren,
dass ich möglichst wenige Enttäuschungen
selbst erleben und anderen bereiten müsste. Nein, mein Leben gab schon seit längerem
kein Romanstoff mehr her. Wenn ich morgens
in den Spiegel blickte, so sah ich
einen Fremden, den ich zwar als meine stoffliche Hülle akzeptiert hatte, mit
dem ich mich aber nicht so recht identifizieren wollte. Ich hatte von mir
selbst ganz andere Bilder im Kopf. Bald
wäre ich 35 und hatte kaum eines der Ziele erreicht, die ich mir gestellt hatte. Klar, ich lebte in der Stadt, in der
ich leben wollte, hatte den Job, den ich wollte und studierte, was ich wollte,
aber, wollte ich das wirklich? Sogar meine Gefühle waren mir sonderbar fern: Ich
hatte keine Freundin und mir einige
Male eingebildet, in die eine oder andere
Studienkollegin verliebt zu sein,
aber ich wusste im Grunde, auch das war nicht das, was ich wollte. War das die
Midlife-Crisis? Warum war mir alles so egal?
Warum war es so schwer, einen Funken Begeisterung zu zünden? Ich wusste es nicht.
Es war gegen halb Elf, als es klingelte.
Erstmal guckte ich beim Fenster
raus, um zu sehen, wer da geläutet
hatte. Aha, die Post. Paketdienst. Ich ging zur Gegensprechanlage, drückte den Knopf und sagte
guten Tag.
Dann schlüpfte ich in meine Badelatschen und den neuen, schwarzen Bademantel,
hastete mit dem Schlüssel in der Hand die drei Stockwerke runter, in der
Erwartung, den Briefträger mit einem an mich adressierten Päckchen und
einem strahlenden Lächeln im Gesicht anzutreffen. Aber im Parterre angekommen war
niemand außer einer Benachrichtigung,
die mir sagte, nicht angetroffen worden zu sein, weswegen ich die Paketsendung
erst ab morgen im Postamt XY abholen
könne. Fuchsteufelswild trat ich auf die Straße und sah den gelben Laster gerade
noch um die Ecke biegen. Dieses
Arschloch. Wie immer.
Mit Ausnahme einer neuen Zeitungsabo-Mahnung und der Bücherrückgabe an die Universitätsbibliothek
forderte der Briefkasten lediglich den üblichen Reklameramsch zutage. Ungelesen
in den Eimer, schade ums Papier. Verärgert
stapfte ich die 178 Treppenstufen wieder hoch. Ich schlug
die Tür hinter mir. Verärgert ging
in die Küche. Während ich ein paar Orangen
auf einer improvisierten Presse zu süßem Blut verarbeitete, gluckerte in der
Kasse der Espresso hoch. Mein Groll verflog.
Denn der Postler hatte mir gezeigt: ich war nicht der einzige
Mensch, dem ein wenig guter Wille fehlte. Ich trank den Saft aus, goss Milch in den heißen Kaffee, schlurfte ins
Schlafzimmer, wo ich auch arbeitete und schlief. Ich schaltete den Rechner ein,
und riss die Fenster auf.
Es war der zweite Januar, sonnig und saukalt.
Soweit mein Auge reichte, waren die Strassen mit Sylvester-Müll, zerbrochenen
Flaschen, Papierfetzen, den ersten Christbaum-Leichen und wie üblich mit Hundescheiße
übersät. In meiner Stadt ist das nichts Neues. Wir leben darin. Nach einer
Weile machte ich das Fenster wieder zu und setzte mich an den Tisch.
Glotzte auf den Bildschirm.
Nichts passierte.
Eigentlich hätte ich mich mit dem
Mediävistik–Referat beschäftigen sollen, das am kommenden Montag auf dem
Programm stand. Aber anstatt herum zu tüfteln, wo denn bei der Übersetzung
zweier ganz bestimmter Textstellen im Eneasroman
eines gewissen Herrn Veldeke die Tücken liegen, fing ich an, eine schlechte Kurzgeschichte
zu schreiben.
So war es schon seit ewigen Zeiten:
Wenn ich schreiben hätte sollen, machte ich
etwas anderes, und wenn ich Pflichten zu erfüllen hatte, schrieb ich lieber. Ich
seufzte. Dann spürte ich, wie die Orangensaft-Milchkaffee-Kombination ihre peristaltische
Arbeit verrichtete, zuckte mit den Achseln, ging ins Bad, zog einen herrlichen,
geformten Schiss ab, wischte mir den Arsch, ließ runter und stellte mich unter
die Dusche. Mit geschlossenen Augen legte
ich den Kopf in den Nacken, ließ mir das heiße Wasser übers Gesicht rinnen.
Pflichten.
Das alte Thema.
Das alte Problem.
Wie so viele andere Idioten auch schob ich
die Dinge gerne auf die lange Bank. Ich wartete bin ultimo, um sie zu
erledigen. Am Besten kann ich unter Druck arbeiten. Am Ende gelang mir das meist zufrieden stellend, aber das
nagende Gefühl, mich wieder einmal nur durchgemogelt zu haben, das blieb,
ebenso wie das Wissen, viel mehr leisten zu können, wenn ich es bloß wollte.
Nein, Ehrgeiz war keine Krankheit, mit der ich geschlagen war. Aber wussten das
auch die anderen? So führte ich eine Scheinexistenz, stets bereit, mich in die
Schatten zurückzuziehen, falls es mal brenzlig wurde.
Das konnte mich nicht wirklich befriedigen. Ich wusste das. Wovor hatte ich denn solche Angst? Mich hinzustellen und zu sagen: Leute, ich glaube,
ich bin ein Versager?! Oder davor,
mich zu überwinden, und endlich Vollgas
zu geben? Eine Mischung aus beiden. Noch stellte ich an mich im Geheimen
die Forderung, eines Tages groß
raus zu kommen, eine tolle Frau zu kriegen
und Geld im Überfluss zu verdienen, aber es bröckelte mir dieses Ziel langsam unter dem eigenen
Blick weg. Bald, so fühlte ich, wäre
mir auch das egal, und ich bereit,
mich mit einem Rest-Leben in mickriger
Durchschnittlichkeit zufrieden zu geben.
Es war eine schreckliche Vorstellung,
wie das Wissen um den Tod und vielleicht genauso
unausweichlich. Aber ich bäumte mich auf, wollte noch nicht aufgeben, ich durfte es auch gar
nicht, schon aus Rücksicht auf die Menschen, die mich liebten. Aber es war ein
qualvoller, tagtäglicher Kampf mit mir selber. Warum sollte es mir
anders ergehen als allen anderen?
Die Antwort war ganz einfach:
Solange
ich noch ein wenig Mumm und Geilheit
in den Knochen verspürte, wollte ich mich gegen die große
Gleichmacherei stemmen und versuchen, mein Leben gemäß
meiner Natur zu gestalten.
Wirklich paradox war nur eines: Dass mich der Erfolg
meiner paar echten Freunde entmutigte,
anstatt anzustacheln. Früher war immer ich es gewesen,
der die Standards gesetzt hatte,
heute hinkte ich ihnen nur noch hinten nach. Wie war das passiert? Wann und
warum? Bis Dreißig ein Superstar, jetzt
nur noch eine harmlose Pfeife, die sich an die Bruchstücke der glorreichen Vergangenheit klammerte, um nicht abzusaufen. Es wäre
besser, wenn ich die morschen Planken der Neunziger
losließe, um aus eigener Kraft ans
Land des neuen Jahrtausends zu schwimmen oder, noch besser, zu waten. Indes würde ich gute Miene zum bösen Spiel machen. Warum sollte ich
jemanden mit meinen lächerlichen, privaten Nöten belasten? Es war doch geistlos, was für ein Theater ich um mich selbst
machte. Halt das Maul und tu was! So ging es ständig
hin und her, up and down, links und rechts, dazwischen kam die eine oder andere
Geschichte, der eine oder andere Fick. Und, trotz allem wünschte ich mir nicht,
jemand anders zu sein, no, Sir, ganz
im Gegenteil. Wenn ich an all die
traurigen Würste dachte, die auf den
Straßen herumschlichen, größere
Idioten als ich waren, mit noch weniger
Erwartungen und noch weniger Phantasie, beschlich mich das Gefühl, noch ganz gut
weggekommen
zu sein, in der großen
Geburts-Lotterie.
Darauf onanierte ich und ejakulierte in die
Duschtasse. Ich drehte das Wasser ab und schlüpfte zum zweiten Mal in meinen
dicken Frottee-Bademantel. Zeit für ein Bier, schätzte ich, latschte in die
Küche, guckte in den Kühlschrank, entdeckte zwei über gebliebene Flaschen, nahm
eine raus und öffnete sie, gleich in meinen kaputten Sandalen und im Bademantel.
Gluck, gluck. Lecker Bierchen.
Die Kälte flutete durch meinen Magen in den Darm, der kulanterweise gleich damit loslegte,
zu kontrahieren. Die Peristaltik! Noch mal aufs Klo! Ächzend ließ ich es in die
Muschel plumpsen. Mief stieg mir in
die Nase. Ich konnte auf Anhieb das erkennen, was ich zwei Tage zuvor gegessen hatte: Scharfe Kartoffelsuppe mit derben Knoblauchwürstchen.
Deckel drauf, Spülung ziehen, Hände
waschen. Der zeitverzögerte
Luftabsaugventilator sprang an. Das Geräusch nervte. Köstlich wäre es hingegen,
alle Zeit der Welt zu haben, um sogar
meine uninteressantesten Beobachtungen
und Erlebnisse für die Nachwelt festzuhalten, aus dem Leben ein
selbstreflexives Sein zu machen, das sich selbst beschreibt, ich bloß der Federhalter,
unter völliger Ausschaltung meiner Persönlichkeit. Das hat zwar schon vor mir
eine Legion von Schreibern so gemacht, würde aber auch mich einiger Probleme entheben: Ich könnte jegliche Aktivität einstellen um passiv zu verharren,
erfüllt von der hochmütigen
Bescheidenheit, auch in den abgeschmacktesten
Vorgängen
den Willen des Herrn zu erfüllen oder gar
zu ergänzen, wenn nicht zu verbessern,
indem ich diesen Vorgängen Namen gäbe,
eigene Worte dazu verwendete, den
Gott eines stierenden Bauern zu ersetzen durch den einer hoch gebildeten, völlig
dekadenten hochartifiziellen Sprache.
Des Weiteren müsste ich nicht mehr daran
zweifeln, ob das, was ich schreibe, gut
ist oder nicht, ob das, was ich tue anspruchsvoll ist, oder niveaulos, ob meine
Form der Wahrnehmung geschärft ist oder schlicht verrückt. Ich könnte in
einem abgedunkelten Elfenbeinturm
sitzen und nach Innen gucken, den
lieben langen Tag. Oder den Pflanzen beim Wachsen zusehen, jede
Blütenrippe einzeln abzählen, jeder feinsten Nuance im Äderwerk der Blätter mit
einer Lust nachspüren, deren Qualität körperlich wird: Dünne gräuliche Luftwurzeln, die aus dem Herzen des
Anthuriums wachsen, mit den Rüsseln magischer
Elefanten vergleichen, die gerade Erde tranken. Jeden Gedanken, ganz egal
wie klein, würde ich aufknäueln bis zum Ursprung
seiner Dinge, um am Ende hunderte,
wenn nicht tausende Seiten Papier voll gefüllt
zu haben mit dem Mosaik meiner Innenperspektive. Ich trocknete meine Hände.
Nein, das könnte unmöglich
funktionieren, oder? Die Uhr würde ihre Zeit ohnehin verticken, ob sie nun mit
Sinn angefüllt wäre, oder nicht.
Eine Uhr mit vier Zeigern.
Tick-tack, tick-tack. Ich ging in die Küche zurück und machte mir ein
Gabelfrühstück...
Damit sei
die Untersuchung über das Wesen von
Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit,
desgleichen über das Gerechte und
das Ungerechte im Allgemeinen, abgeschlossen.
Nun ist es aber möglich, ein
bestimmtes Unrecht zu tun, ohne deshalb schon ungerecht
(schlechthin) zu sein…
Du kannst sagen,
was du willst, Bruder, aber diese verrückten alten Griechen waren verfluchte
Genies. Haben nachgedacht, sich Jahrhunderte
lang die Köpfe zerbrochen, über die
abstraktesten und abstrusesten Dinge,
ihre Gedanken unter dem gleißenden
Lichte der Ägäis formuliert, durch
dieses Licht erst dazu stimuliert und der Nebendepression entzogen, sie in Worte gegossen, die in ebenso wunderbaren Übersetzungen auf uns gekommen.
Teleologe, eine SUPER Beruf im
Fernsehzeitalter. Tatadadaratatatam, dara-tata, darada-tata, tam, tadaratatam,
sie ziehen ein, die Phäaken, die Sybariten, freuen sich auf Fleisch und Wein
und Weiber. Sag, wer will es ihnen
verübeln? Manche einer trägt
Schönheitsflecken im Gesicht, sie haben Kränze im Haar und Schärpen um den
Bauch, Gaukler und Diebe, Gauner und Huren. Alles, woran der Mensch glaubt, hat seine eigene
Kraft, birgt seine eigene Realität. Daher kommt er auf den Gedanken einer
Ethik, wendet er Zeit auf für Philosophie und Kunst, wobei die zwei nicht
voneinander trennbar sind und aus einem gemeinsamen,
tieferen Urgrund stammen: Der als
Wissenschaft getarnten Ehrfurcht vor
der Natur, dem Leben selbst. Daher gehen
Menschen in Philo-Seminare, tun sich Studenten immer wieder die Mühe an, diese
Texte zu beackern. Nicht jeder ist dafür von Natur aus beschaffen, kann es aber
lernen, wenn er das Glück hat, auf gute
Pädagogen
zu stoßen: Mit den Erziehern, die unsere Vorbilder sein sollten, fängt alles an. Zuerst sind es die Eltern, dann die
Lehrer auf den Schulen.
Indem wir
uns daran gewöhnen, Gefahren zu
verachten und sie zu meistern, werden wir tapfer, und sobald wir es sind,
können wir ihrer am sichersten Herr werden.
Die Graupensuppe war endlich fertig. Als Kind
versetzte mich dieses Wort in nacktes Grauen: Ich stellte mir eine Suppe aus
grauen Raupen vor. Die armen Raupen! Als Kind liebte ich Raupen. Vor denen mit den langen Haaren hatte ich
Respekt, die kitzelte ich aus Vorsicht nur aus der Distanz, mit einem Grashalm.
Aber die nackten, die sich so lustig krümmten, mit ihren kleinen
Stummelfüßchen! Ich nahm sie ohne Angst zu haben mit den Fingern von den
Blättern und Stielen und setzte sie mir auf die Handfläche. Das Kribbeln der
kleinen Beinchen war zauberhaft. Besonders putzig fand ich es, wenn sich die
Raupen zu Loopings zusammenkrümmten, um anschließend umzufallen, und wie kleine
Omegas liegen blieben.
Die Raupen, die ich in den verschiedenen
Wiesen so anfand, waren grün, haarig, mit Pünktchen und ohne, gemusterte
und einfärbige, es gab braune, schwarze mit gelben
Streifen, und die berühmten grauen.
Aber die allergeilsten Raupen waren
die Grauweißen. Die waren meine Lieblinge.
Und dann kamen als nächste bereits die Grün-Grünen. Die waren sehr lustig, wenngleich
sie ein wenig schneller waren, als
ihre grau-weißen Cousinen. Schlanker,
und obwohl sie giftig wirkten wegen
ihrer Signalfarbe, so stellte ich
doch fest, dass auch ihre Haut weich war, und prall. Kleine, lebende ausgestopfte Würstchen. Wenn nun jemand diese armen
Raupen in eine Suppe geschmissen
hätte! Die armen! Lebendig gekocht! Wer konnte so gemein
sein, und das auch noch im Supermarkt verkaufen? Es hat sehr lange gedauert,
ehe ich den Unterschied kapiert habe, schließlich war ich ein Ausländerkind.
Ich rührte ein wenig
Ölivönöl in die Suppe und geriebenen
Parmesan, fügte klein gehackte Chilischoten dazu, vermengte die ganze
Sache zu einer duftenden Körnerpampe und machte den Deckel drauf. Ich nahm den
Topf von der heißen Herdplatte und stellte ihn auf ihrer freundlich erkalteten,
linken Nachbarin zum Nachziehen ab. Lecker. Was würde ich an diesem freien Tag unternehmen? Die Zeitung
hatte ich schon vor dem Kaffee heraufgeholt.
Ein dienstbarer Geist steckte sie jeden Morgen
in Allerherrgottsfrühe in meinen
Postkasten im Parterre. Ein guter
Kaffee zur Morgenzeitung, so viel Zeit muss sein. Ein paar kleine Einkäufe,
der eine Gang zu erledigen, und noch ein zweiter, nichts wirklich Unaufschiebbares,
aber doch, später Lektüre, ein wenig
Klavierspielen, das Pferd wollte geritten,
der Hund bewegt, die Frau befriedigt werden und die Vernunft auch nicht zu kurz
kommen. Die lästigen Pflichten eben des
Herrschers eines kleinen Königreiches,
mehr mit Landwirtschaft beschäftigt,
denn mit Landnahme. Ich war ja ein Idealbild! Die alten Griechen krümmten sich
vor lachen. Ich könnte die Gelegenheit
nützen, und die Pflanzen umtopfen. Den Wedel zu schwingen,
die Verhältnisse reorganisieren,
solange es noch ging all
die kleinen lästigen Dinge erledigen
die in Wirklichkeit gar nicht lästig sind sondern Freude machen können.
Ich setzte mich an den Rechner, fuhr ihn
hoch, holte die Unterlagen aus dem
Regal und machte mich missmutig an die Arbeit. Ich hatte keine Wahl. Ja, gewiss, wäre ich in einem andren Jahrhundert geboren, und so weiter, oder bloß fünfzig Jahre früher, so wäre mir gemäß
meiner sozialen Stellung ein glattes, angenehmes
Durchrutschen im Leben bestimmt gewesen.
Als Viertgeborener einer adligen Familie kommt vor allem die Diplomatie in Frage. Ich muss nicht erben, nicht Soldat oder Priester
werden, sondern darf das bunte Nesthäkchen bleiben. Eine musische Erziehung, Verwandtenbesuche im Ausland, eine Apanage, Studium, Eintritt in den Staatsdienst, und vor
allem das tun, was ich am Besten kann: Parlieren, repräsentieren, charmant galante Beziehungen
mit höheren Töchtern pflegen.
Heutzutage konnte ich mir die
automatische Zugehörigkeit zur Elite aus einem Geburtsrecht quasi in die
Haare schmieren. Wäre auch fatal, wenn die Gesellschaft auf Typen wie mich angewiesen
wäre.
Nachdem ich nicht Diplomat werden konnte,
mein Berufsabschluss mich im arbeitsmarktlichen Nichts enden lassen würde und
die Schreiberei nicht mehr schien als ein besseres Hobby, war guter Rat teuer. Meine Schwächen kannte ich, meine
Stärken auch, es waren ja nicht viele. Ich beherrsche vier Sprachen perfekt,
eine fünfte gut und eine sechste so
lala, konnte erstklassige Manieren
an den Tag legen,
hatte in meinem bisherigen Leben neunzehn
verschiedene Länder bereist, ungefähr
viertausend Bücher gelesen (Klasse
und Schund inklusive) sowie eine Kohorte an Frauen gefickt.
Ich interessierte mich für Kunst, Politik, Literatur, Geschichte und Musik. Wem
zum Teufel könnte ich dieses Paket gewinnbringend verkaufen? Dem Pornobusiness? Dem Fernsehen,
Radio, Theater? Internet? Für wen könnte ich mein Wissen und meine Erfahrung einsetzen?
Vielleicht für eine Enzyklopädie, ein
Auktionshaus, eine Schule oder andere Besserungsanstalt?
Wer wäre bereit mir dafür ein angemessen
erkleckliches Salär zu überweisen, Monat für Monat? Schwierig, schwierig,
popierig.
Zitat Ende.
Erst einmal mit Uronkel Heini fertig werden.
Das musste ja zu schaffen sein! Ich sprang auf und latschte hektisch durch die Bude. Ich kann
dann besser denken, und spreche dabei mit mir. Wie pathetisch! Wie
peripatetisch! Der olle Typ! Aber illoyal war der nie! No, Sir! Eher schon ein
Phänotyp seiner selbst. Ein Muster an dem andere gemessen
werden. Zweifelsohne ein Wanderer zwischen zwei Welten. Ein kühner Kerl. Handbücher wurden zu seinen
Ehren verfasst, und schon hat sich eine glitzernde
Panade des Ruhmes am Namen festgebacken.
Nieder mit den verrückten Pennern! Oder so. Aber Prinzipien haben auch eine gute, konstruktive Seite. Sie zwingen zu Konsequenz. Ich hasste und bekämpfte meinen
inneren Schweinehund mit brutalem Hass. Marihuanazigaretten.
Bremer Bier. Bluesgitarren.
Elektromagnetische
Frequenzresonanzen. Flammeri am frühen Nachmittag.
Die unsympathische Yugo-Verrückte
mit den kleinen Dreckstölen, die seit Monaten immer in derselben Kombination
aus beige Jacke und schwarzen Jogginghosen das Haus verlässt, ja, die ist es, die mit
den knallenden Fenstern und Türen. Bei allem Verständnis dafür, dass es
Menschen gibt, denen die Sicherungen durchgeknallt
sind, ist es dennoch unverantwortlich und rücksichtslos Verhaltensgestörte auf Normalsterbliche loszulassen, die in
der täglichen Verhaltenspsychologie davon ausgehen,
dass ihre Mitmenschen intentionale Systeme sind, die ihre durch den Zeitpfeil
unabdingbar teleologisch ausgerichtete
Existenz vernunftgemäß einrichten.
Wie soll ich einer Verrückten erklären, dass ihr Verhalten bei den Nachbarn
Irritationen auslöst? Mit Worten? Wurstsalat? Einem saftigen
Handkantenschlag auf die Nase?
Bliebe nur noch Verständnis, und seufzend begebe
auch ich mich jedes Mal wieder unter dieses Joch der Nächstenliebe. Als
Gesinnungschrist muss ich
Selbstdisziplin üben.
Jetzt wumsten auch noch die Türen im
Hinterhof. Die versoffenen Sozialhilfe-Penner von nebenan!
….Jumping
Jack Flash, it’s a gas, gas, gas!
Ich wollte lieber Votze lecken. Mit V wie „Vagina“. Ich hatte noch
nie Angst vor einem bissigen Exemplar. Die dentata, Deo gratias in
Denver, war vorerst an mir vorübergegangen. Schlussendlich
musste ich Büßer bald baden gehen.
Dringende Düfte dräuten. Lässige Lesben leckten. Ächzend kehrte ich an den Ort
meiner Marter zurück.
Wild, wild horses couldn’t drag
me away…. .
Teil Zwei
PRAWN SIGAR
Ein Jahr später.
Bravourös war das mittelalterliche
Abschneiden nicht gewesen, aber
vermutlich fair. Ich hatte eine weitere Klippe umschifft, steuerte munter auf
die nächst folgenden zu. Meine Bude
stank nach Abdecker und kalten Bauern. Die Eisheiligen
ließen sich nicht bitten, endlich abzuhauen. Ich konnte nur hoffen, dass meine
Dosen an psychedelischer Musik auch der verhaltensgestörten
Flüchtlingstante aus dem ehemaligen Jugoslawien
ein wenig Linderung verschafften. Für mich war laute Musik an Tagen, wo es ziemlich schlimm war mit ihr der einzige Weg,
inkohärente Schreie und periodisch wiederkehrendes, zwanghaftes
Aufreißen und Zuschlagen der Fenster
und Türen phonetisch zu überlagern.
Andernfalls wäre mir nur der Weg der
Selbstjustiz geblieben, und jeder
weiß, ich bin seit meinem Eintritt ins Mannesalter kein Freund mehr von roher
Gewalt. Eine meiner Lieblingsbands
aus den Sechzigern sind The
Tea-Tales. Die verursachen bei mir weitgehend
gute Gedanken, selbst, als die Jungs zur Imagekorrektur
nur noch gegen
den Wind pissen konnten, um überhaupt anders wahrgenommen
zu werden, also warum nicht bei einer psychisch Kranken? Immerhin war sie nicht
bösartig, was bei einer potentiell missliebigen
FRAU einen großen Schutz vor Verfolgung,
Denunziation und heimtückischen Messerstichen ins Abdomen bot. Aber drifte
nicht ab, Bruder Seemann, drifte nicht ab!
Fünfundneunzig
Wegstunden müssen wir noch zurücklegen, ehe wir das Ziel des Tages
fehlerfrei überqueren können! Das ist unsere Pflicht! Patronin der reuigen Dirnen und der blinden Kinder, gegen
Halsschmerzen und Infektionen. Die katholische Kirche als Quelle der
anthropomorphen Naturheilkunde? Zu drollig!
Ich setzte die Gitarre an, spielte ein paar Akkorde, ließ es bleiben und
stellte die alten Langlaufskier
zurück in den Kadaverkasten. Aber aus einer anderen Quelle sprudelten Energien. Sie bahnten sich voller Wärme einen Weg durch neblige
Novemberfahnen, ritten auf den Schultern von eisigen
Tigern, teigigen Heiligen,
feucht glänzenden weiblichen
Geschlechtsöffnungen.
And it really doesn’t matter if I’m wrong
or right.
Und wie war das mit den Dingen, die gestern
noch so bedeutungslos schienen? Messerscharfe
Analysen der Zukunft? Ein Arpeggio zu Ehren ehrlich angetretener
Ruhestände? Fröhliche Abschiedsbriefe inmitten frühsommerlicher Ruhestörungen? Die Babyboomer werden alt. Das kennen die
nicht, trotz Holzstäbe und alter Berge.
Sex und Drogen nehmen in einem
modernen Leben eben einen festen Teil ein. Drauf die Pauke! Wir verwirklichen
eure Versäumnisse! Wir lassen andere dafür arbeiten! Mister H! Zwei Jahre
später jagte der Prophet kalten
Truthähnen nach.
Äggädy!
Äggädy!
Äggädy!
Der Gebieter hat gesprochen.
Ließ es rumpeln, entzog Schmieden und Stieren
kurz die übliche wohlwollende Unterstützung. Da krachte es! Es flogen die Balken in Splittern umher!
Unbeabsichtigt Ziel gerichtete Argumente verstiegen sich zu radikalen
Amputationen! Wie gehabt! Im Krisenfall! Lauter AUSRUFEZEICHEN VERDERBEN DEN
SCHREI!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Banzai.
Das können wir nicht schreiben.
Banzai.
Noch können wir nicht alle Kobolde
austricksen.
Einige
sind und werden vifer bleiben.
Was für ein Wunsch:
„Zehntausend Jahre sollst du leben!“
Ein empirisch tangibler Dank für den Eintritt
in die wunschlose Ewigkeit.
Manche andere fügten
sich bereits vor der biologischen
Zeitenwende ins Joch und sahen daher auch vor ihrer Zeit danach aus. Der
Kranich schlägt die Schwingen. Er wirbelt einiges
auf. Süße Düfte und grimmige Jauchen. Flugs
pingt der Schmied auf dem Amboss
eine flotte Melodei, da gehen auch
schon alle Bombenschäden vorbei! Hosianna in der Höh’! Rumpta-bumpta, die Angelsachsen rollen zur Feier vorsichtshalber
Bierfässer und Ballen unvorteilhaft
kleidsamer Uniformen auf die Bühne. Das wunderbare daran ist, diese Klamotten
sind so unschick und daneben, wie es nur Engländer
können, mit diesem anglo-römischen
Witz, der Pathos nicht zulässt und Fetische in den ihnen angestammten Bereich der Perversionen verweist.
Guter Witz kann mit Selbstbesudelung einhergehen,
bedingt sie allerdings nicht. Feldwebel Pfeffers Orchester der Vereinigung
Einsamer Herzen. Deswegen erkannte
sie auch keiner als Solche. Die Dramaturgie
griff in die Vollen. Bedrohliche
Gebirge türmten sich vor dem geistigen
Auge auf, ehe sie durch das Läuten
eines Weckers verscheucht wurden. Aber der Schutz ist nur vorübergehend, das Drama greift
um sich, spitzt sich zu einer lokalen Götterdämmerung
zu, ehe die Gemeinschaft der Übrigen
zur Tagesordnung übergehen
darf. Das Zuschlagen von Türen, ein
Zeichen der Rebellion. Und einer hartnäckigen
Verkühlung. Fleisch lebe wohl! Für
vierzig Tage!
Andere Leute sahen so was ein ganzes
Leben lang nicht. Das war sozusagen außerirdisch. Das Leib-Seele-Problem! Wiener
Würstchen? Karotten im Arschloch? Alles kein Problem! Der schärfste Senf, der
teuerste Essig der Welt. Fett
täuscht. Gärung fault. Gangrän tut weh, OK? Selbst Gebirge
zerbröseln unter dem nagenden Zahn
der Zeit. Warum nicht auch Liebe oder Anstand? Andererseits, wenn das Wetter
besser wäre, fiele meine Beurteilung
der momentanen Gesamtsituation vermutlich ein wenig
milder aus.
Ein völlig
verregneter, kalter Mai. Schicke
Schnupftücher, kalte Füße und heißer Kamillentee, trübe Stimmung, rauer Hals und endemische Auswanderungswünsche allenthalben, das ist meine Stadt im
Wonnemonat 2005. Inselkoller? Ja, bitte! Ab auf die Insel! Kollernde Auerhähne
kullern Abhänge kühn abwärts. Eine
kleine Darmspülung verschafft
ebenfalls Erleichterung. Aber ob das
Heil siegen wird, bleibt mehr als
unklar. Egal. Hauptsache, immer
feste druff! Gluck, gluck! Und noch
mal GLUCK! Dagobert Duck und Dussel
und Donald und Gustav Gans und Daisy und Oma,
oh Dannyboy, this is a show-down, und die ganze
restliche Pappnasen-Bande aus Entenhausen, Qui, Quo, Qua, Tick, Trick und
Track, und so weiter, eine gelbschnäblige Querulantentruppe die nur unsinnige Abenteuer erlebt mit an den Haaren herbeigezogenen
Gags, zumindest seit Ende der 70er
Jahre des 20. Jahrhunderts. Schwachsinn de luxe.
Mehr war von mir nicht zu erwarten, an so
einem Tagebuchtag, an dem sporadische Lichtfünkchen auftreten, jeder
kleine Splitter eine Erinnerung, ein
Partikel mehr, das mich mit mir selbst verband, nichts vergessen, alles archiviert, auf Abruf bereit. Aber im
Großen und Ganzen stimmt die Stimmung
mit der Grundmelodie meines Lebens überein, gewisse
Anlagen und Vorlieben lassen sich
wie ein roter Faden zurückverfolgen.
Dreihundertsiebzig Worte mit einer
halben Flasche Bier. Geht sich das aus? Es muss. Eine ewige,
eine eilige und eine heilige Stadt. Drei Stationen, dazwischen purzeln den
Blick verstellende Ersthände vor die Linse, drängen
sich plusternd auf, tun so, als wären sie die einzigen
oder wichtigsten, dabei markieren
sie nur die bislang am häufigsten genützten
Schneisen in den dunkeln Wald. Rauschstrafe. Knisterpelle. Platzkapseln.
Lässig
schnippen würzig duftende
Piniennadeln und Pignole quer durch
einen weichen, warmen, Sommernachmittag,
ehe es zur Siesta ging, eine unwillkommene Unterbrechung meiner Spiele, aber immerhin fühlten sich die
kühlen Laken im verschatteten Schlafzimmer hypnotisch an, sie erzeugten in mir den fast Speichel treibenden Wunsch nach
Schlummer, eine nicht lüsterne Lust nach dem zärtlichen Reiben der Wangen am flaumigen
Polster. Die Zikaden zirpten ohne Unterlass. Sehr selten nur braute sich ein
Unwetter schon um jene Tages- oder gar Jahreszeit zusammen, das blieb den Tagen vorbehalten, an denen wir am Abend bereits die
ersten, dünnen Strickjäckchen oder gehäkelten
Pullover angezogen bekamen, meine kleinen Vettern, Basen und ich.
Am Ende eines jeden Meeressommers musste ich
voller Schmerz das Land der mütterlichen Ahnen verlassen und in meine ungeliebte transalpine Diaspora zurückkehren, in der
sich alles gegen
mich zu wenden schien, sobald wir, meist im Auto, oder im Zug die Grenze zum nördlichen Nachbarland passierten. Meine
Mutter hatte mir zwar Jahre zuvor erklärt, warum es notwendig war, die geliebte
Heimat zu verlassen und meinem Vater zu folgen,
aber ich hatte es nicht verstanden. Und doch bildete auch dieser Eingriff mit allen seinen Nebeneffekten den schier
uneinschätzbarsten Hintergrund
meiner geistigen
Entwicklung, ich bin im Rückblick sogar davon überzeugt,
diese Übersiedlung war der springende Punkt. Wären wir im Süden geblieben, ich wäre das Wonne strahlende Kind geblieben, dessen Ernüchterung
schleichend, also unbemerkt vonstatten gegangen
wäre, und auf diese Weise der Kindheit samt ihrer Unschuld für immer verlustig geworden.
So aber kam die Ernüchterung schlagartig,
aus dem erstgeborenen Prinz wurde der
Prügelknabe, das unwillkommene
Mitbringsel aus erster Ehe. Alleluja.
Und Good-bye. Struktur, Struktur, Struktur.
Das Außergewöhnliche
war die Gestaltung, amorph nennbar,
im Vergleich zu dem, was ich später
kennen lernte, wunderbar in der Freiheit, die es meiner Phantasie gönnte, frei von Furcht und Zweifel. Die Unfähigkeit zu verstehen, was passiert war, paarte sich
mit der Weigerung, diese grobe
Wendung zum Schlechteren hin einfach
so hinzunehmen. Je mehr Druck und Willkür ich zu spüren bekam, umso schneller
lernte ich, mich zu wehren. Menschen in Bedrängnis
entwickeln eine große Phantasie. Die
Strategie besteht darin, dem Gegner immer eine Nasenlänge
voraus oder zumindest gewappnet zu
sein gegen
das unvorsehbare Diktum schlechter stiefväterlicher Laune. Die war nämlich ärger als der Ekel vor Spinnen oder die Angst vor den Monstern im Kohlenkeller. Heute ist damit
vorbei. Und so weiter. Auch das gehörte
dazu, zum Erinnerungspotpourri mit
Poularde und Pottasche. Wenigstens gab es damals keine Kochbücher für Die neue Armut.
Hinter jedem freundlichen Riss im Himmel, der
blausonnig klaffte dräute schon ein
dunkler, buckliger Wolkenhorst. Beim
besten Willen konnte ich mich nicht daran erinnern, dass es im Jahr davor auch so gewesen
wäre. Es hätte auch keinen Unterschied gemacht.
Heuer standen ohnehin mit Aristoteles und Derrida schwere Zeitfresser auf dem
Programm. Ein typischer Fall von
Selbstüberwindung. Derrida. So ein
Dekonstruktivist! Böser Junge! Hat
der Welt Flöhe ins Ohr gesetzt, die
sie nimmer loskriegt. Ich ging in
die Küche und schälte zwei dicke Karotten. Ich liebe sie. Vitamine und Naschen.
Der alte Tuberer klebte also auch noch immer an seiner erstickenden Existenz,
dabei hatte ich ihn schon im vergangenen Herbst abgeschrieben.
Die arme Schwalbe die ich bereits vor Tagen
das erste Mal gehört hatte war wohl
wieder weggeflogen. Richtung
Sonne und Blumen und leckere Samenkörner. Weiße Mythologie
eben. Aber ich muss zugeben, dass
dieser Ausdruck nicht von mir stammt. Ist nur geborgt. Ich bin ja kein oller Schwindler.
Anders der gute,
alte Nikomachos, der knallt einfach seinen Namen auf die nachgelassenen Werke vom Herrn Papa und zack! Kommt
damit groß raus. Und einer meiner
Professoren, der sich aus dem Fundus eines berühmten Berufsrevoluzzers
bediente. Oder der amerikanische Schriftsteller, der sich die Erfolgsromane von der Ehefrau schreiben ließ die er zum
Dank dafür regelmäßig verprügelte.
Und der dumme Habakuk, der fremde Pfauenclown. Schwatzgräber
in gefüllten Westen. Landpomeranzen
mit großem Ehrgeiz
und kleinem Talent. Strichjungen aus
Faulheit. Mittelmäßigkeit in
schicken Klamotten und modischen Posen. Wetterfeste Arschlöcher, die für den
Durchbruch alles geben,
rücksichtslose Karrieristen mit dümmlichen Visagen.
Es ist eine ganze Menge, was der heutige
Philosoph besoffen wie nüchtern ertragen
können muss. Das trifft vor allem Leute wie mich, die nicht im Geringsten auch nur in die Nähe des Begriffs geraten.
Trotzdem machen wir uns alle vor, auf der Welt unersetzlich zu sein. Aber einfach
nur spitzfindig Dagegenreden
ist nicht genug.
Unreife offenbart sich selbst ebenso wie Hast und Prahlerei. Dabei Angst vor Blamage.
Ich gehöre dazu. Nur ganz wenige
Kommilitonen sind souverän. Ja, wie machen die des denn? Ehre, wem Ehre gebührt. Denn damit verhält es sich anders, als mit
Telefonanschlüssen.
Nussig
schmeckender naturbelassener Langkorn-Spitzenreis,
mit dem blumigen Bouquet echter
Alpenbutter plus Safran und geriebener
Parmesan, ein Gedicht von einem Gericht am Deich gequalmt.
Kater Krater hinterlassende Spelzenbeuge
Rolle rückwärts! Läuse in Haupt- und Nebenhaar! Es stank nach ungewaschenen Körpern und Abfall und Armut. Zehn Zoll
lange Penisse stecken in klaffenden
Körperlöchern. Magnesiumbrausepulver
ist gut für Nerven, Herz und
Muskeln. Runter damit! Eine unbändige
Lust sich mit abstrakten Inhalten zu beschäftigen
löst das bei mir dennoch nicht aus. Ablenkungsprogramm. Müdigkeit
überkam mich. Gähnende Langeweile
und Leistungsverweigerung.
Bis ins kleinste Fitzelchen meiner Abgründe
hinab zwang mich die Fluchtanalyse
zu dringen, schonungslos Fackeln in die von Salpeterwasser triefenden
Höhlen zu halten, um herauszufinden, was schief lief. Aber außer Müll und
Gerümpel fand ich nichts außer dem hastig
verwischten Spuren vergangener Exzesse. Ich würde auch weiter darauf warten,
dass die Erleuchtung von oben auf
mich herab käme wie Manna. Müssen. Mögen.
Mösen.
Von der aristotelischen Gerechtigkeit nichts zu sehen. Von Dekonstruktion à la
Derrida dito nichts zu sehen. Item fühlte ich mich von allen guten Geistern verlassen. Räudiger Katarr-Geschmack nistete zwischen meinen Zähnen.
Ich war krank, krank, so krank, oh, oh, ohh ja. SOO krank. Was für ein geiles Wort, krank. Klingt
nach Krake und dem Geräusch zersplitternder Schienbeinknochen, nach Eiter, Karbol
und tief verschleimten Schleimhäuten, nach käsigen
Nekrosen, ungesunden Sexualpraktiken
und unmöglich verkrümmten Gelenken.
Allein, das würde mich nicht davor schützen können, endlich dieses verdammte
Metapherntheorie-Referat auf die Reihe zu kriegen.
Insgeheim
näherte ich mich ja diesem Thema, kreiste es vorsichtig
tastend ein, umrundete es mit den Fingerspitzen
wie einen unreifen aber dennoch schmerzenden Pickel an Hals oder Stirne, war bereit,
die Festung zu stürmen, wenn auch
erst im letzten Moment. Unzufriedenheit ist ein Pamphlet wider die Harmonie.
Sie legt sich gerne
mit Neid und Faulheit und Disziplinlosigkeit
ins Bett. Sie ist der schlimmste Feind des Menschen und manchmal der einzige Weg
aus misslichen Situationen, aber nur, wenn es gelingt, sie aufzuzäumen und den Karren vorwärts ziehen
zu lassen wie eine Naturkraft. Aber sie ist auch ein schlechter Berater in der
Not aus Gründen der anvisierten schnellen Unlustvermeidung
durch Flucht. Waren das noch Zeiten, als Frauen in Samthosen verrückt durch die
Luft flogen und so was Tanztheater nannten! Abgesehen davon fand ich die lautstarke Schreibweise
von Monsieur Derrida schlichtweg
übertrieben. Ich hatte üble Blähungen,
die schmerzten. Es lag wieder einmal
an mir, aus einem schier unüberblickbaren Wust von Informationen die paar
Goldkörnchen herauszusieben, ohne deren Hilfe ein Verständnis unmöglich war.
Ich hasse alle Autoren, die sich nicht
unumständlich auszudrücken vermögen.
Ja, gewiss, viele Fachausdrücke
bilden einen Jargon, aber
kompliziert zu schreiben ist kein Zeichen wahrer Geistesgröße.
Das kann jeder eitle Depp. Wenn dich niemand versteht kannst du dich zwar als
brillant durchmogeln, aber nur solange es niemanden gibt,
der das überprüfen kann. Das will ich Frère Jacques nicht unterstellen, aber
ein wenig Rücksichtnahme auf den
implizierten Leser muss auch der durchgeistigtste Intellektuelle aufbringen
können. Sonst ist er ein eitler Stutzer. Und verglichen
damit war große Aristoteles, der unbesiegte Welt-Meister des syllogistischen
Voranschreitens, obwohl kognitiv
nicht weniger fordernd, ein wahres
Labsal: Klar, konzis, kompetent. Aber auch das war egal,
es würde niemand mir zuliebe die Uhr zurückdrehen und dem in Algerien geborenen
Philosophen bei der Niederschrift der „Randgänge“ in den Arm fallen und ihm sagen: „Halt! Du
schreibst zu kompliziert! Lerne, dich verständlicher auszudrücken!“
Schließlich ist die Uni eine freiwillige Veranstaltung,
gefordert zu werden gehört dazu. Und ein bisschen Förderung. Aber das war eine ganz
andere Geschichte. Erschöpft vom Abwehrkampf gegen die Weiße
Mythologie resignierte ich, holte die Unterlagen
hervor, spitzte Stifte, legte bunte
Filzschreiber bereit, furzte, ging noch mal aufs Klo und begann
endlich mit meiner Arbeit. So schlimm war es gar
nicht. Es gab Dümmere, die das auch
schafften. Alles, was ich alter Faulpelz brauchte, war ein wenig clevere Motivation.
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Sprachbetrachtung
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