Der Gemeine Katzenpanda

Samstag

Nummer 377

BLABLABLA




Ehe Philosophen sich über gewichtige Dinge den Kopf zerbrechen, sollten sie eine ganz banale Sache betrachten: Die Mündung des Mastdarms (Rectum). Diese Öffnung wird durch den Afterschließmuskel verschlossen, der aus einem inneren, unwillkürlichen, zur Mastdarm-Ringmuskulatur gehörigen Teil und einem äußeren Teil aus quer gestreifter Muskulatur besteht, die willkürlich erschlafft oder kontrahiert werden kann. Dieser Muskelteil ermöglicht somit, die Darmentleerung unter die Kontrolle des Willens zu bringen. Der Afterbereich ist reich an Schweißdrüsen und an Venengeflechten (Hämorrhoiden). Wie zu sehen ist, beinhaltet die Vorrichtung des Afters als Grundbedingung den freien Willens. Dieser freie Wille ist wiederum unter der Bedingung des „Ich“ vorstellbar.
Nehmen wir also an, einer der grunzenden Cro-Magnon-Menschen muss defäzieren. Er oder sie verspürt ein gewisses Rumpeln im Gedärm, sucht das Weite und hockt sich in seiner steinzeitlichen Landschaft unter einen Busch. Das Pressen und Ziehen wird unerträglich, da, endlich, die große Erleichterung, die Kotsäule flutscht als große braune Wurst aus dem Leibe. Nun wird er oder sie einige Blätter vom Busch reißen und sich mit ihnen reinigen. Welche Gedanken ziehen durch diesen frühmenschlichen Geist? Ein Oooommpphh, oder eher Aaahnnnggn? Wird der Frühmensch getröstet sein oder war es ein eher unangenehmes Erlebnis, weil er oder sie an Hartleibigkeit leidet? Wird das Wörtchen „Ich“ im Kopf golden aufschimmern oder nicht?
Machte das für unsere Ahnen einen Unterschied?
Wann wurde aus dem unappetitlichen Urlaute-Brei ein leckerer Wortstrudel? Was hatte geschehen müssen, ehe sich diese Wesen als Individuen wahrnahmen? Wo und warum? Wie bitte?
Das sind müßige Fragen?
Ich soll lieber in der Nase bohren? Na denn, au gratin, Sie Kretin!

Ein furchtbares Anziehungsfeld saugt sich fest. Konstante Möglichkeit von Anschlägen. Die privaten Schotten sind abgedichtet, die Schlampenmaschine gibt meiner Liebesfähigkeit konsequente Kraft. Schöne reiche Mädchen weisen den Weg. Den Weg der Schmerzen und Tränen. Horrido! Das Feld blickt in dunkle Tiefen. Betrunkene Skoten. Ein Freund von einem Stinktier.
Wir sind nicht viel weiter gekommen. Ranziger Geschmack auf den Lippen. Angewidert wenden wir uns ab. Es dröhnt durch Mark und Stein. Konsequent. Ausgereizt bis zur letzten Sekunde, ehe es richtig weh tut. Das Ich zwirbelt seine Fädchen durch den Laib. Setzt sich selbst voraus. Hat Mr. Cro-Magnon „sich“ gekratzt, wenn die Wanzenbisse juckten, oder war das einfach nur eine juckende Stelle ohne Bewusstsein? Was war das für ein Wesen, das sich in der Nacht fürchtete, ohne Worte dafür zu haben? Sein Leben ist noch einfach genug strukturiert, dass er keine codierten Begriffe zur sicheren Inhaltsvermittlung benötigte. Später passiert es doch. Die Menschen werden immer mehr, ihr Zusammenleben gestaltet sich zunehmend komplizierter, das bisschen Grunzen und die Keule bedrohlich schwingen reichen nicht mehr aus. Das „Ich“ wird entdeckt und die Sprache. Segen oder Fluch. Seitdem hält uns jemand einen Spiegel hin, etwas, das weit älter ist als „wir“. Die wenigen, die diese Mutprobe bestehen, sind danach nicht mehr dieselben. Warum denn nicht?

Frau Tischkoffsky hat Wasser in den Beinen, trägt aber seit Jahren ihre Stützstrümpfe nicht. Zu eng, sagt sie, macht mich ganz verrückt, diese kratzige Enge! Lieber Leiden! Der warme Wahn. Limit erreicht. DAS ERDBEBEN! Es wackelt und wirrt. In Deckung! Aber wo, wie? Seiger oder tonnlägig, das ist hier die Frage! Wasser-Moleküle, unsre besten Freunde.
Vielleicht hatte die psychische Menschwerdung des noch nicht Sprachbegabten intensiv mit dem Wunsch zu tun, den Stuhlgang bewusst kontrollieren zu können. Immer diese peinlichen Szenen in der Gemeinschaftshöhle! Das wollte niemand! Gewisse Dinge haben sich nie geändert. Anderer hingegen kann sich die Rasse noch immer nicht erwehren. Da gibt es zum Beispiel die aufdringlichen Werbeprospekte. Neulich erstand ich bei einem Elektro-Discounter eine neue Mini-Musikanlage für meinen PC. An der Kassa drückte mir eine nette Frau nebst meiner Quittung (Zwei Jahre Garantie) einen Reklamezettel in die Hand. Entgegen meiner Gewohnheit warf ich ihn aber nicht gleich in den Müll, sondern stopfte ihn in die Einkaufstüte.

Daheim baute ich erst einmal die eher kompliziert konzipierte Lautsprecherkombination (find the double stereoscopic line of direction, plug the 3.5 diameter mini stereo plug into the host behind front socket, another plug inserts the socket of the sound source. If connect to PC, then use 2pcs double stereoscopic line of direction, host of front rear channel and PC audio card of iin front rear channel link is good.) zusammen, ärgerte mich über Missverständnisse und erfreute mich letztlich doch am dreidimensionalen Klangerlebnis. Ich briet mir ein leckeres Stück Fleisch, nur mit Chili, Knoblauch und Salz dran, vergaß dabei nicht, meine schöne, neue helle Hose standesgemäß mit Öl zu bekleckern. Ich bereitete mir zwei Steaksemmeln zu, um mit ihnen in der Hinterhand leichter auf Hunger bluffen zu können, aß sie genüsslich und trank dazu zwei kleine Beck’s. Der Werbeprospekt verschwand irgendwo in den Tiefen meines Arbeitstisches, war vorerst vergessen. Vor dem Schlafengehen hängte ich noch den Weihnachtskalender an die Wand. Ich hatte ihn im riesigen Kaufhaus um die Ecke für einen Einkauf im Werte von über fünfzig Euro gratis erhalten.
Ich habe eine Schwäche für Adventskalender. Sie erinnern mich an meine früheste Kindheit, jene huldvolle Zeit, in der vierundzwanzig Tage eine Ewigkeit dauern konnten und ein vom Unheil noch ungetrübtes Dämmern, Reifen in der Liebe meiner Eltern möglich war. Auch Kaleidoskope und Beatlesmusik (mit Ausnahme der besonders schleimigen McCartney-Nummern wie Obladi-Oblada) fallen unter dieselbe Kategorie warmen Glücks; ebenso dicke Wolken, die wie süße, steif geschlagene Schlagsahne aussehen; das leise Klingeln eines Glöckchens, das mir die Ankunft des Christkindes verkündete. Aber bevor mir ernsthafte Tränen der Rührung kamen (schluchz, schluchz!) fiel mir der Werbeprospekt bei der Suche nach der verfickten Telekom-Mahnung (122,21€) wieder in die Hände.

Vorweihnachtszeit, hmm, da kaufen doch alle wie verrückt den größten Schund zusammen, den es nur gibt, wie die Sitte es anordnet. Nicht nur Wanderer, die nach Sparta kommen, werden mir zustimmen. Aber jedes Jahr stehe auch ich vor der Qual der Wahl. Sein oder nicht sein. Nicht, dass ich etwa bei dieser Geldvernichtungsshow mitmachen würde. Nein, ich nicht, was? Zwinker. Ich kaufe keinen Schrott, nur buntes Edelmetall. Dennoch war ich neugierig, was unter der Rubrik „Spannende Geschenke“ zu erwarten war. Da gab es Rasierapparate mit integriertem Radio, der neueste internationale Technik-Schrei, stufenlos regulierbare Thermostate, Bratgeschirr, „antihaftbeschichtet“, für Raclette, Röstgemüse und „schöne Winterabende“. Ich fand außerdem: Preisknüller, Profibahnen, ideale Zweitgeräte, Wetterstationen, Edelbrenner, Outdoor-Sets für alle Fälle, ein tolles Angebot ist etwa auch das H0-Modellbahn-Startpaket (richtig komplett mit Lok, Trafo etc.), tolle Klassiker zum Weihnachtspreis, edle Konzertgitarren (mit honigfarbener Decke und guter Verarbeitung) für schlappe dreißig Euretten, Oldies und Spaß für alle, Wertvolles gegen Frost und für sichere Motorstarts, „schöne Deko“ und sogar Erleuchtung. Wie schön! Illumination für 7,99!


Ich musste mich nach der Lektüre fragen, warum nicht einfach die Weltregierung in die starken Hände dieses einzigartigen Konzerns legen, der doch bestimmt in Nullkommanix die passenden Konzepte gegen Hunger, AIDS, Drogen, Terrorismus, Krieg und Armut finden würde. Nein, nach diesem Erlebnis hatte ich keine Frage mehr. Ich ging erstmal aufs Klo und gab mich den gepflegten Freuden der Steinzeit hin. Das inspirierte mich zu neuen, frischen, unverbrauchten Ideen über die Dunkelheit, dicke Daunendecken und das doofe an Deutschland. Bierschiß! Schon mittags einen Dulliäh. Unter der Woche. Ich brauchte dringend Nachschub.
Ein wenig psychedelische Musik im Kopf, so genannte Ohrwürmer, jahrelang beliebte Schlager, Sound-verzerrende E-Gitarren, exotische Instrumente, ewige Liebesschwüre, Texte, die von Drogen handeln, inklusive. Es war klar, mein Hirn versuchte, mit mir zu kommunizieren. Aber leider war es nicht explizit genug, alles blieb im Vagen. Also musste ich losziehen, mir qualifizierten Rat kaufen. Rolf, der nette Typ im Tabakladen, so hoffte ich, hätte für mich was auf Vorrat. Ich schaffte es, den mit braunen Tretminen übersäten Gehsteig ohne peinlich-olfaktorische Katastrophen zu bewältigen. Unterwegs begegneten mir zwei Typen mit schicken Frisuren, die mich eher an Kopfbedeckungen als an Haare erinnerten. Schön, in einer Stadt zu leben, die alle Stereotype bewahrheitet. Ein Junkie mit eintätowierter Harlekin-Träne, in Hockstellung und einer Dose Bier in der Hand. Die Horde harmlos krakeelender deutsch-türkischer Jugendlicher bei der U-Bahn-Station, die verrückte Säuferin vom Nebenhaus, ein betreten wirkender Arbeiter im Blaumann, ein nach Schnaps Bier stinkender Hilfs-Biker mit speckiger Kutte, der sein Fahrrad schiebt, ein älteres Schwulenpärchen im schwarzen Lederdress, Händchen haltend. Ach ja, im Vorübergehen sah ich in den Läden meiner langen Straße auch die hübsche Bäckergesellin, sie winkte mir zu. Die drei Kartenspieler im Privatclub für makedonische Exil-Fußballer waren in Kartenspiel vertieft, der Möbelverkäufer mit dem üblen Toupet, diverse Sekretärinnen in Fahrschulen, Spezialgeschäften für Zargen und Markisen, Pflegevereinen, Hausverwaltungen und privaten Nachhilfeinstituten. Ein Jeder Mensch mit Schmerzen, Sehnsüchten, realistischen Fehleinschätzungen, mehr oder weniger zuverlässigen Körperfunktionen und erfüllbaren Wünschen. Diese Tatsache bettete uns in den gemeinsamen, ganz normalen Tag im Kiez. Von Weihnachtstimmung keine Spur. Das störte mich nicht. Freaks sind Rebellen. Ich mag Rebellen. Hallöchen, ich bin’s, der Bajazzo mit dem Bajonett. Danke, Ein bisschen cleveres Make-Up würde den verqueren Charme gut hervorbringen. Das betrifft natürlich für die Kleine im Detektivbüro. Nicht mich. Mich mögen die Nachbarn auch so. Oder so. Soso. Oho. Ohio, Tokio, Klein-San Francisco. Neapel in der Mark. Ich kaufte mein Bier beim Türken an der Ecke und verdrückte mich unauffällig wieder nach Hause.

Ein wenig elektrischer Blues gefällig? Der Connaisseur genießt und schweigt. Es liegt etwas in der Luft. Es duftet süß und kalt. Es schmeckt nach LIEBE. Fühlt sich gut an. Was einmal gut war, muss auch heute noch gut genug sein. Es ist der Duft der Teufelstochter Sünde. War das die Antwort, answer, risposta? Liebe Sünde Duft. Gedämpfte Trommeln grummeln. Im Zimmer riecht es nach verbranntem Heu. Manche Menschen sind eben was ganz Besonderes. Das klappt die Übertragung weitgehend fehlerfrei. Funk, funk, piep, piep. Aha! Piep, piep, funk, funk? Piep-funk, funk-piep. OK.

Die über den Himmel kreiselnden Sterne, Urmotiv des Übergangs. Immer wieder grübelte der Cro-Magnon darüber nach. Was wummerte da so in der heißen Blase, die seine Augen umgab? Was das heißen soll? Das heißt, Moment! Wann war das denn, der Übergang vom Grunzen zum Sprechen? Wie ist das passiert? Das Wort war am Anfang. Aber warum haben nur die Menschen es gefunden? Und wie? Mensch=Sprache. Der aufrechte Gang. Die Werdung. Wann, wo und wie ist es passiert, vom warum ganz zu schweigen. Jedes Kind muss das nach seiner Geburt lernen, aber es äfft ja bloß nach, was die Alten vormachen. Wie war das aber am Anfang? War wirklich ma-ma das erste Wort? Oder vielleicht doch eher Gaga? Sprachen Neandertaler miteinander? Ich will eine genaue Auskunft. Denn auf den Hinterbeinen zu balancieren und miteinander sprechen zu können, das ist es, was den Unterschied zwischen Tier und Mensch ausmacht. Wir haben das gelernt. Oder wurde es uns beigebracht? Falls ja, von wem? Braves Hundchen! Nicht wahr, Mister Gott? Bin ich nicht brav gewesen? Und die Verdammten? Jene, denen das Bürgerrecht entzogen wurde? Was ist mit denen? Wo kommen die hin, am Tag des Jüngsten Gerichts? Oder bleiben sie dort, wo sie sind? Und jene, die vor Gericht erscheinen wollen? Wer holt die ab? Wo können die ihre Einsprüche einlegen? Wird die Absicht im Prozeß berücksichtigt? Gibt es im Knast weiches Klopapier? Sind Begnadigungen grundsätzlich möglich? Gibt es eine Schieds-Stelle? Darf die Presse Photos machen? Gibt es eine Live-Übertragung? Ist der Papst dabei? Was ist mit den Nicht-Christen? Dürfen die dann ohne uns weitermachen bis zu deren eigenem Sankt Nimmerleinstag? Und, vor allem das interessiert die Zuhörer auf dem ganzen Planeten:
Wer kriegt ÜBERHAUPT ne’ zweite Chance???
Der Neandertaler, oder wir?

Nummer 376

Tja, anlässlich der lächerlichen Ballveranstaltung der Wiener Schmiss-Pepis, der von den linken Medien als zweite Wannseekonferenz hochgejazzt wurde, und der eitrigen Gegen-Demo, auf der zum Beispiel von Berliner Profi-Kommunisten alberne Transparente gezeigt wurden, auf denen Hitler neben Haider und Strache prangte, zeigte sich wieder einmal, wie Stürme im Wasserglas gut dazu dienen können, die wahren Probleme eines Landes zu verhüllen. Wirtschaftskrise, VDS, Mietexplosion, Bildungsmisere und so weiter. Den reflexartig geifernden Gutmenschen von (leider, so ist es), von Caritas, SOS Mitmensch, ZARA, den Grünen, Linksextremisten, der Lesbenparty ÖH etc. pp, möchte ich ins Stammbuch schreiben:
Wenn Sie sich als Rechtssysmpathisant und Zündler bezeichnet betrachten (von wem übrigens?) fühlen, und meinen, der zweite Holocaust stünde wegen des WKR-Balls an, weswegen sie auf die Barrikaden gehen müssen, ansonsten alles zusammenbräche, so ist das Ihr gutes Recht. Aber ob ein paar Burschenschafter ihren Walzer in irgend einem Saal tanzen oder nicht, kümmert mich demokratiepolitisch ebenso wenig wie das heisere Brüllen Ihrer Fraktion. Gott sei Dank gibt es nämlich sowohl von Ihnen als auch den andren nicht so viele. Unsympathisch sind mir beide Seiten. Was Sie auf der Linken jedenfalls machen, ist zutiefst paranoid und diffamiert pauschal die Ballbesucher Extremisten sind IMMER EINSEITIG. Und daher abzulehnen.
Alles Walzer!

Nummer 375

Lustig: Kokain-Schreckschraube Demi Moore säuft tagelang Red Bull und kollabiert nach Marijuana-Joint.
Traurig: Aus Taiwan wurde ein Schwein auf 1.000 Kilo gemästet und dem Glücksgott geopfert. Arme Sau!
Klassikaner: Laut SPÖ und Arbeiterkammer sind Bauernkinder bei Studienbeihilfe begünstigt. Arbeiter auf Bauern hetzen, das ist halt Sozialdemokratie!

Nummer 374

ALLES LIEBE, MOTOR!  



Warme Bitterkeit. Zylinder am Kopf. Motor. Können, es wird schon werden. Schön. Nicht? Schon Zeit. Er führte zusammen, was sich gehörte. Ungehöriges wurde nicht toleriert. Dann rieb er sich Speck in die Tolle, taute sich etwas Tee auf, aß dazu ein Minze-Brötchen. Er liebte Gugelhupf! Synonym für vertraute Tage, in der guten Stube der Großtante verbracht, während Vater Mutter schlug. Viele wussten, dass der Präsident früher mal auf Kokain gewesen war, scharf wie ein Spitz, aber sonst völlig unzurechnungsfähig und doof. Der Hund bellte auf dem Dachboden wie verrückt, und die alte FRAU drehte dann den Fernseher ganz laut, aber der kleine Junge wusste dennoch ganz genau, was gerade nebenan passierte. Wie konnte er das nur vergessen? Er wusste nicht, wie.
Schnell legte er sich eine Patience auf den ovalen Schreibtisch, wollte von niemandem gestört werden, was auch immer passieren möge. Alle fragten sich, warum er dann jedes Mal völlig verschwitzt aus dem großen Raum kam, der fast völlig leer war. Danach hastete er schnell aufs Klo. Die Geheimdienstler, die immer alles abhörten, wurden Ohrenzeugen der präsidentiellen Darmperistaltik, sowie seiner stetigen Rückfälle in die Sucht. Dazu diese dunklen Sonnenbrillen, im Fernsehen, bei Paraden, auf Staatsempfängen. Die ausländischen Gäste trauten sich nur wegen der Raketen seiner Generäle nicht, über ihn Witze zu machen. Er kratzte sich ständig am Kopf. Das war kein intellektuelles Problem mehr. Der mächtigste Mann der Welt benahm sich wie eine riesige Gottesanbeterin, kleine Kinder hatten Angst vor ihm. Hatten sie ihm am Ende doch zuviel zugemutet? Nein, die Schatten-Regierung beschloss, ihn nicht auszuwechseln. So einen Trottel würden sie nicht so schnell wieder finden. Die Konkurrenz sollte davon nicht so schnell profitieren. Jetzt waren sie an der Reihe. Ein langer, hupender Wagenkorso feierte diesen Brauch mehrmals täglich auf den Strassen der Hauptstadt. Die besten Karten wurden verschachert, keiner hatte Intentionen, irgendwem reinen Wein einzuschenken, sich selbst am allerwenigsten. Sie würden jedes Spiel gewinnen. Eine Tür fiel ins Schloss. Die Jagd hatte begonnen. Oben hatte nicht mehr viel Platz. Die Agenten kochten ihm Schokoladenpudding, mit einem Sahnehäubchen obendrauf, das mit Valium gestreckt war. Er wusste es, mochte ihn aber trotzdem. Sex oder Liebe, das war keine echte Frage für ihn. Die Beißhemmung war längst gefallen, der Präsident ging ab wie Affenscheiße. Ein Dreier-Pärchen war da gar kein Problem. Seine Kurzsichtigkeit war quadratisch. Er musste sich also darauf verlassen, unter dem Tisch von einer blank polierten, schwarzen Schuhspitze sachte angestupst zu werden, wenn er was falsch machte. Danach tranken sie guten Wein miteinander und sangen lustige Lieder. In Vorderafrika hatten sie das so gelernt: Geschickt mit den Ängsten umzugehen. Quellen, Drohungen verstecken, Patronenhülsen mehrfach verwenden. Doch ab und zu hatte er Schiss in der Hose, was allen peinlich war, vor allem peinlich. Wenigstens hatte er damit aufgehört, Leute zu beißen. Angeblich seitdem man ihm Little Toby schenkte, ein kleiner Hühnerhund, der dazu abgerichtet worden war, ihn zu beißen. Little Toby knurrte den Präsidenten immer an, wenn der anfing, Leute komisch anzugucken, und dabei den Kopf schief legte. Als man seinem Vater einst mitteilte, dass der Kleine nun fast stubenrein war, da hatte der, wie immer, wenn er etwas nicht verstanden hatte, gesagt: 
„Na da schau her! Gibt’s das auch in Blau?“
Der Alte war immer schon Legastheniker lieber gewesen als alles andere. Vielleicht lag Schwachsinn in der Familie, aber es fiel nicht weiter auf, fiel nicht auf. Sein Sohn war eben ein Pappkamerad, den die anderen ungestraft herum schieben konnten, am besten immer in die Schusslinie. Soweit war es gekommen, mit der käuflichen Demokratie. Eine billige Schmalzlocke in einem Vorort-Diner hatte mehr Gewicht als das Wort des Staatsoberhauptes.
„Alles hat seinen Preis!“, dachte der. Er fälschte auf Schecks die Unterschrift seines Vaters, wusch sich selten die Haare, war bloß dumm und eingebildet.
„Tolle Sache, was?!“, fragte der Generalstabchef den Direktor der Secret Police.
„EIN GLÜCKSFALL!“, trompetete jener, und reichte seinem Kumpel den Flachmann weiter, der Whiskey mit Weihwasser enthielt.
„Wo sollen wir als nächstes einmarschieren, Jack?“
„Ich weiß nicht, lassen wir den Zufall entscheiden!“
Der Generalissimus lachte: „Wie immer!“
Die beiden Männer verstanden sich prima. Nach dem opulenten Mahl auf Staatskosten waren sie von diskreten Thai-Mädchen sanft entspannt worden. Mächtige Entscheidungsträger wie sie hatten ein RECHT darauf. Jetzt klopften sie sich gegenseitig auf die Schultern, jeder dessen gewahr, weswegen ihn der andere erpresste. Keiner von ihnen ahnte jedoch, dass sie in Wirklichkeit nur die Befehle des Kammerdieners des Präsidenten ausführten. Mark Kyeveli war ein geheimnisvoller Ausländer. Unauffällig wie der Schatten eines Baumes im Wald hatte er ungeheuerlichen Reichtum angehäuft. Der mächtige Levantiner herrschte über ein Mafia-Imperium, das von den Anden zum Ural reichte, vom Nordkap bis Johannesburg. Manche wenige glaubten, in Wirklichkeit sei er Adam Weißhaupt, der die arkanen Wissenschaften gemeistert und mit Hilfe alter Freunde das Geheimnis tausendjährigen Lebens erforscht hatte. Nur die Langeweile könnte für ihn tödlich werden, aber ein Millennium war eine lange Zeit, um sich mit Dingen zu beschäftigen. Zehntausend Jahre Leben, zum Beispiel.
Alles andere waren bloß Spielchen.
Der Präsident, das gestörte Kind einer kranken Familie?
Ja, na und?
Es gab viel schrecklichere Dinge, die er gemeistert hatte. All die Wahnsinnigen auszuschalten, die in den letzten zweihundertfünfzig Jahren versucht hatten, die Welt zu erobern. Der Imbezil auf dem Stuhl war leicht zu kontrollieren, leichter, als alle seine Vorgänger zusammen genommen. Einige hatte er ja beseitigen lassen müssen, leider, leider.
Er lachte leise bei sich: „Oh ja! Es macht ja solchen Spaß!“
Mark stand in der Teeküche des Palastes, er bereitete die fünf Uhr-Dröhnung für seinen Schützling vor.
„Mmmhhm, mmmmhm mhhhmm, ein bisschen hiervon, und ein bisschen davon!“
Auf dem Bord standen mehrere geöffnete, mit Gold eingelegte Porzellan-Döschen, die allesamt verschiedenfarbige, glitzernde Pülverchen enthielten. Flink, mit sichtbar geübten Fingerchen entnahm er zwei oder drei von ihnen eine Prise, die er in den dampfenden Teekessel warf, wo es blubberte und kurz aufzischte, gemischte Gerüche verbreitend.
„Heute war der Kleine wieder GAAANZ lange allein im Zimmerchen! Hat wieder an sich rumgespielt!“
Jede dieser Sessions war natürlich mitgefilmt worden, von einigen seiner treuesten Adepten, die den Geheimdienst der Geheimdienste bildeten. Alle taten es zur höheren Ehre Adams, somit Gottes. Für ihre Familien war über Generationen ausgesorgt, falls ihnen was „passieren“ sollte.
„Na, da bekommt er ein klein wenig Müdigkeit gespritzt, damit er nicht abermals übermütig wird und unbedingt Krieg spielen will! Dazu ein wenig Unwohlsein, gerade soviel, damit er nicht genau weiß, was er tun soll. Morgen ist dann wieder ein strahlender Tag, voller Überraschungen, guter Laune, toller Projekte und Pharma-Wunder, nicht wahr?!“ Der Kammerdiener lachte diabolisch, doch gütig zugleich.
Es war nicht leicht, der BESTE zu sein.

Nummer 325 (Nota bene: nachgereicht)

DEN LETZTEN BEISSEN DIE HUND‘

Innerer Monolog mit allen 41 lexikalisierten Hunde-Phraseologismen.

Für Arthur Schnitzler


Wie lange wird das denn noch dauern? Ich muss auf die Uhr schauen…mein Gott, was bin ich auf den Hund gekommen. Das habe ich mich auch ganz anders vorgestellt, das mit dem „Aussteigen“. Das Paradies unter Palmen, haben sie mir gesagt, Luxus am Sandstrand, haben sie mir gesagt, leicht verdientes Geld, haben sie mir gesagt. Und, was ist gewesen? Nix davon wahr! Der Strand ist voller Sandflöhe, die einen bei lebendigem Leib auffressen. Und das Postkarten-Wasser? Gibt es sicher. Aber am Privat-Beach. Abgeriegelt. Drei Meter Zaun und jede Menge Elektrizität. Bei mir ist es eine braune Suppe. So schaut’s aus, meine Herren, und das ist ein dicker Hund! Ohne Geld bist du hier einen Dreck wert. Ja, daheim auch nicht, aber daheim klatschen sie dir die Verachtung nicht so ins Gesicht, wenn du pleite bist. Und Sozialamt gibt es hier auch keins, da kannst verhungern, unter Palmen. Hätt‘ ich mir das nur gründlich überlegt! Der Bankraub ist ja noch gut gegangen, das stimmt. Der depperte Schalterheini! Blöd hat er geschaut, wie ich ihm die Knarre unter die Nase gehalten hab‘! Aber was machen Sie denn da, Herr Kubitschek? Am End‘ ein Überfall? Machen Sie sich doch nicht unglücklich, hat er gesagt, der feine Herr Bankbeamte. Hab‘ ich ihn halt ein bisserl unters Naserl g’haut, mit dem Lauf. Des bisserl Nasenbluten, ich bitt‘ dich! Da haben die Hunde gebellt, was sie wollten, und die Karawane ist trotzdem weitergezogen! Scheiß-Banker! Von denen nimmt ja ohne Not kein Hund ein Stückerl Brot! Ja, hätt‘ ich vielleicht mit einer Strumpfmaske auftauchen sollen? Oder in eine andre Bank gehen? Blödsinn! Das hätt‘ ich mich ja nicht so gut aus’kannt! Außerdem war mir eh klar, nach einem Bankraub, Gustl, kannst dich schleichen, aus Österreich. Eh klar! Ha, ha! Das soll mir erst einer nachmachen! Gleich nach dem Überfall untergetaucht! Junge Hunde hat’s geregnet, wie ich die Marie im Wienerwald vergraben hab‘! Mir war das alles Wurscht! Dann ein halbes Jahr lang Sandler g’spielt! G’schwitzt hab‘ ich, g’stunken hab‘ ich, bettelt hab‘ ich, alles Leinwand! Keiner hat mich erkannt, unter meiner Pelzgoschen! Und unsere Kieberer musst‘ ja schon wie den Hund zum Jagen tragen, da passiert sonst nix! Na ja, dann hat keiner mehr sich geschert, um mich und meine Beute. War ja auch nicht allzu viel, leider. Dreihunderttausend Mücken. Dabei habe ich gehofft, ich mach‘ mein Milliönchen. Da scheißt der Hund ins Feuerzeug! War eh froh, wie ich weggekommen bin, zuerst nach Kroatien, dann übers Meer, Italien, weiter mit der Fähre nach Barcelona. Die Spanier! Lässige Leut‘! Feiern tun’s gern, lachen auch, nur mit dem Arbeiten, da sind’s ein bisserl zurückhaltend. Recht haben’s! Mit dem kargen Mindestlohn kannst ja wirklich keinen Hund hinterm Ofen hervorlocken. Und die Frauen! Jessasmarandjosef! Ich hätt‘ in Spanien bleiben sollen! Da hätt‘ ich wirklich eine Zeitlang leben können wie Rothschild sein Hund! Aber nein, da hab‘ ich zu viel Muffensausen g’habt, daß mich am End‘ noch wer erkennt. Aber nein, Südamerika hat’s sein müssen! Mir ist ja schon in Portugal alles vergangen. Schirche Menschen, schirche Sprache, schirches Essen, Umständ‘, daß es einen Hund erbarmen muss. Und die armen Viecher, die ich gesehen habe, waren dürr wie Bohnenstangen. Und scheu! Wie scheu! Schad‘, daß hier nicht so scheu sind, die Leut‘, vor allem die Einbrecher. Scheiß‘ der Hund drauf! Bin ich halt reingefallen, auf den Peitscherlbuben! Beweisen kann ich’s ihm halt nicht, aber auch das tät‘ nix nützen. Die wirklich gemeinen Menschen tun ja am allerfreundlichsten, das hast du ja immer wieder gelesen. Na, da schau her, wie viel das Lesen mit dem wirklichen Leben zu tun hat! War mir sympathisch, der Kerl. Hat ja auch Deutsch gesprochen, na, was heißt, er ist ja ein Deutscher. So ein richtiger Piefke, der feine Herr Saupreuss! Da liegt der Knüppel beim Hund! Hab ich mich halt überreden lassen, zum Saufen Koksen Kiffen Huren Zocken und von vorn. Vier Tage lang! Irgendwann ist mir rausgerutscht, was mit mir…aber, das weiß ich nicht mehr so genau…ist eher verschwommen, die Erinnerung. Na ja, war schon blöd, wie ich heimkomm‘, in meinem Zustand, völlig zerfasert, geistig, körperlich, seelisch. Auf dem Hund sein! So ein Witz. War alles weg! Das ganze Geld weg. Kaum was ausgeben, hab ich g’habt! So drauf aufpassen, wollt‘ ich! Sparen, sparen, sparen! Es ist zum Junge-Hunde-kriegen! Ein Cocktail-Hütterl am Strand, das war mein Traum. Selber dein bester Kunde, aber eh Wurscht, Saufen als Fassade…von dem ganzen Geld, ich darf ja gar nicht dran denken, wie lang hätt‘ ich hier leben können, am richtigen Strand, nicht wahr. Wie einen Hund haben’s mich behandelt, wie ich dem Hotelbesitzer gesagt habe, hören Sie, es tut mir leid, mich haben’s ausgeraubt, ich hab‘ kein Geld mehr. Das Gepäck haben’s mir g’stessen, die Schuh‘, Handy, Sonnenbrille, alles weg. Dann haben sie mich hinausgetreten, bei der Tür, die G’frisser! So, als hätten die alle nur auf so einen weißen Trottel wie mich gewartet, damit sie sich können abreagieren! Das ganze Leben daheim vor die Hunde geworfen, und wofür? Zwei Wochen hab‘ ich am Strand zugebracht, am schirchen End‘ von der Insel. Von Kokosnüssen hab‘ ich g’lebt, und geschnorrten Sandwiches, und gefladerten Bieren, das ist nicht sehr romantisch. Wenn ich nur vorher aufgepasst hätte! Wenn, wenn, wenn! Wenn der Hund nicht g‘schissen hätt‘, hätte er den Hasen kriegt, lieber Freund. Mir war dann schon klar, der Saupreuss ist mit allen Hunden gehetzt, wie er auftaucht, am Strand, kurz, bevor ich komplett vor die Hund‘ geh‘, und lädt mich auf ein Essen ein, nicht wahr, wegen der guten alten Zeiten. Abknallen hätt‘ ich ihn können, wie einen tollwütigen Hund! Aber am End‘ hab‘ ich zugestimmt. Im Feriendorf soll ich arbeiten, und als Animateur dem Saupreussen die Kunden vermitteln oder gleich selber bedienen und solche Sachen halt. Heut‘ krieg‘ ich ja die erste Ladung. Na, wohl ist mir nicht, bei der G’schicht‘! Bin ja hier mittlerweile bekannt wie ein bunter Hund. Der Trottel, dem’s das Geld gestohlen haben. Kein gutes Image, aber deshalb genial, als Tarnung. Wer erwartet von einem Trottel wie mir schon kriminelle Intelligenz? Na ja, den Job im Hotel hab‘ ich ja auch schon. Kommt man über den Hund, kommt man auch über den Schwanz. Vielleicht kann ich mir ja was wegsparen. Sicherlich! Ich gebe nicht so schnell auf. Wann kommt er denn jetzt endlich, der Saupreuss? Ist schon spät in der Nacht! Ohne Vollmond würde ich ja die Hand nicht vor Augen sehen können. Wer sich da aller anschleichen könnt, ich will’s mir gar nicht vorstellen! Direkt fürchten könnt‘ ich mich!
„Warten Sie auf jemand bestimmtes?“
Jessasna, der Saupreuss! Was tust mich denn so erschrecken! Müd‘ wie ein Hund bin ich, und du schleichst dich an mich heran wie weiland Winnetou! Schlimmer als die Polizei bist! Sauerei, über einand‘!
„Na, na, na! Jetzt mal halblang, Kumpel. Keine schlafenden Hunde wecken!“
Und, hast du das Zeug dabei?
„Nee, lass man. Kleine Programmänderung. Viel gemütlicher für dich, Kumpel! Und ihr Ösis liebt ja die Gemütlichkeit über alles, nicht?“
Was hat jetzt die Gemütlichkeit damit zu tun?
„Ganz einfach: Dein Kunde sitzt mit Bodyguard bei dir im Hotel. Zimmer 1234.“
Ah, die Suite!
„Genau. Da holste dir die Ware. Den Rest machste wie besprochen.“
Und weg ist er. Ein kummer Hund, der Saupreuss! Aber ich kann nix dagegen unternehmen. Muss ich die Krot‘ halt schlucken. Na ja, wenigstens ein schöner Spaziergang im Mondlicht. Und diese Sternbilder! Direkt exotisch! Und so friedlich! Jetzt kann mir eh nix passieren, ich habe nichts eingesteckt. Wie das Wasser schön rauscht! So warm, und weich! Da könnt‘ ich mir ja direkt die engen Schuh‘ ausziehen, und ein bisserl am Strand entlang marschieren. Nasse Füß‘ kriegen…Genießen…Aufpassen muss ich halt, wo ich draufsteig‘, auf die Stachel-Viecher und die ganzen Scherben. Na, am End‘ lass‘ ich die Schuh‘ lieber an. Ist ja nicht mehr weit. Einen Scherben im Fuß brauch‘ ich wie einen Kropf. Das Krankenhaus? Ich sag‘ dir! Das ist irgendwo dort, wo die Hund‘ mit dem Schwanz bellen. Und die Apparate dort? Vorsintflutlich! Ich sag’s ja immer: Was hat dich da nur für ein Teufel geritten, ausgerechnet hierher zu kommen. Saupreuss, dreckiger! Kalt wie eine Hundeschnauze! So, jetzt sind wir fast da. Sperrzaun, Türlsteher, Herrgott, tut’s doch weiter, Bagage!
Ein bisserl aufgeregt bin ich schon, nicht wahr. Puhh, wenn da nix schiefgeht. Hat eh blöd g’schaut, der blade Herr Nachtportier, wie ich da so frech durchmarschier‘, durch seine feine Lobby! Nix mehr mit Personaleingang! Wurscht! Hauptsach‘, drin! Aufzug, Penthouse. Net schlecht. Penthouse. Das hab‘ ich bisher nur aus der Trafik gekannt. Neunte, zehnte, elfte Etage…wie der zischt, mein Lieber. So. Oben. Wo ist…ja, hier ist der Aufgang. Wie war die depperte Parole? Ah ja. Klingeln nicht vergessen.
„Ich bin gestern im Theater gewesen.“
„Und ich geh‘ morgen ins Kino.“
So, das hat geklappt. Reinkommen soll ich. Aha. Da sitzt der Bodyguard vom Chef. So hab‘ ich mir das vorgestellt. Ein riesiger Glatzkopf mit Muskeln und kein Hirn drin. Wurscht, geht mich nix an. Jaja, lassen Sie uns nur zur Sache kommen, werter Herr. Soso, das ist also ein Kilo Kokain. Sehr interessant, wie das ausschaut. Wie weicher Kandiszucker. Und stinken tut das! Grauslich! Ja, ich nehm‘ das jetzt an mich, und der Rest wie besprochen. Gut, ich geh‘ schon. Nix wie heim. Wundert mich ein bisserl, wie gut das gelaufen ist. Na, warum soll ich nicht auch einmal Glück haben. Ich weiß ja eh schon, wo ich das Packerl verstecken werde. Das geht dann rumpel di pumpel, furt ist der Kumpel, depperter Saupreuss! Wo die uns Animateure einquartiert haben, diese Hund‘! Gleich neben der Kläranlag‘! Na, dafür stinkt’s halt nicht nach dem andren Glumpert. Ob ich das probieren soll? Weil wenn du die Ware nicht kennst, die du vertschepperst, können dir die Kunden am End‘ deppert daherkommen. Qualitätskontrolle, dann weißt du, wo der Hund begraben liegt. So, drin sind wir. Hmmhmhmm, muahahaha. Geht ja. Schnell weg mit dem ganzen Werkel…ja, wer klingelt denn jetzt? Ein depperter Kolleg‘ am End‘? Nein, die traun‘ sich nicht. Ein depperter Tourist sicher! So eine Frechheit, ja wissen die nicht, daß unsereins seinen Schlaf braucht? Na, dem wird‘ ich was erzählen! Die Tür aufgerissen… JA BITTE??? Was ist denn das für ein grauslicher Typ. Lederjacke, Schnurrbart, Vokuhila. Sicher ein Österreicher! Was hält der mir für eine Plakette hin? Mit einem Adler drauf? Ist das ein Nazi? Bei mir??? Was steht da?...I..M…I ..N. AL .PO… Was sagt er?
„Habe d’Ehre, Herr Kubitschek! Sie wissen ja, den Letzten beißen die Hund‘!“

Nummer 373


Die demnächst anstehende Vorratsdatenspeicherung, oder VDS (ein übrigens typisch deutsches Wort: eine morphosemantisch motivierte Wortneubildung durch Aneinanderreihung von Substantivierungen uns Fugen-"s"), zwingt jeden zivilen Staatsbürger ab April a priori in einen permanenten Anfangsverdacht und dadurch in ein permanentes Abwehrverhalten. Wenn es dann passt, sobald etwas gegen jemanden "vorliegt", wird zugegriffen. Auf die daten ante quo. Also werden wir alle in Zukunft unsere Spuren verwischen müssen, was uns zusätzlich verdächtig macht. Eine Spirale in Gang gesetzt, die wer weiß wie enden wird. Ich sehe mich in meinen dsystopischen Wurst-Käse-Szenario-Visionen bestätigt, daß es bald im Internet zusätzlich zu den bösartigen Blockwächtern auch so etwas wie behördliche Link-Fallen geben wird, mit allen Schikanen, im Auftrag von Fernsehen, Krankenkassen, Behörden, aber auch mitfinanziert durch Konzerne, Versicherungen, Banken etc. um behavioristisch Rückschlüsse auf das Innenleben der User zu erhalten, eben den Bürger, ihn als Konsumenten hinterlistig zu verführen, um ihn später als Staatsbürger bzw. Patienten oder Hilfsempfänger zu bestrafen. Natürlich ohne Unschuldsvermutung wie für Prominente, aber dafür mit deren Sanktionspflicht verbrämt, um meinerseits einmal ein Wort der Prolet-Ministerin zu überwachen. Je nach Bildungsgrad wird dann zugeschlagen, von Staats aus, proaktiv sozusagen, gleich das Abführmittel verabreichen und auf dem Scheißhaus anketten. Wir sind ja alles ARSCHLÖCHER.

Nummer 372