Der Gemeine Katzenpanda

Samstag

Nummer 367

Gestern vor nunmehr 70 Jahren fand in einer repräsentativen Villa am Berliner Wannsee die berüchtigte Wannsee-Konferenz statt. Unter der Regie von Reinhard Heydrich wurde im Kreise oberster Spitzen von Staat, Partei und SS die Endlösung der Judenfrage erörtert und beschlossen. 15 Männer entschieden das Schicksal von 15 Millionen Menschen. Innert 85 Minuten. 
Eine erschütternde Verfilmung dieses für Europa und die Welt traumatischen Ereignisses wurde 1984 in Berlin unter deutscher Regie (Heinz Schirk) und nach deutschem Drehbuch (Paul Mommertz) gedreht. Sehr unglamourös und dennoch zielgenau. Was mir besonders gefallen hat: Keiner dieser Männer wird als besonderes Monster oder Ekel dargestellt. Das besorgt schon allein ihre Sprache. Diese Herren wirken eher wie die typischen biederen Piefke, mit dem einen oder andren könnte ich, rein äußerlich betrachtet, sogar auf ein Bier gehen, solange keine politischen Themen besprochen werden. Und genau das ist so verstörend an diesem Fernsehfilm: Ginge es nicht um die akribisch geplante Ermordung von Millionen Menschen, könnten wir auch, sagen wir, einer Sparvereinssitzung beiwohnen. 

Ganz anders geartet ist die angelsächsische Produktion "Conspiracy" von 2001. 
Hier ist der Titel Programm, und das Star-Aufgebot (unter andrem mit Stanley Tucci, Kenneth Branagh, Ian McNeice, David Threlfall und Colin Firth) bemüht sich nach Kräften, die Konzeption "Good cop/ bad cop" mit Plausibilität zu füllen. Das bedeutet, gegen jede historische Gewissheit sind die Uniform-Jungs von SS, SA, SD und Partei die Schergen, die Bitterbösen; hingegen sind die Herren in Nadelstreif aus der Spitzen-Ministerialbürokratie richtige deutsche Gentlemen, die gegen ihren Willen von den Schulhofschlägern in Uniform zum Mitmachen gezwungen werden. Nun, die Engländer können mit dieser Thematik, eben mit dieser Thematik, gelassener umgehen als das Tätervolk, und dürfen die Sympathiepunkte rein nach der Physiognomie ihrer Darsteller vergeben. 
Es bleibt dem Zuschauer überlassen, was ihm besser gefällt:
Karges Kammerspiel oder üppiges Genre-Stück. 

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