Der Gemeine Katzenpanda

Dienstag

Nummer 380

Lustig: In den öffentlichen Wiener Mülleimern landen pro Jahr 17 Millionen verpackte Hundehaufen. Wauwau!
Traurig: H.C. Strache vergleicht die Aufregung um den WKR-Ball der Schmisspepis in der Hofburg samt der hysterischen Linken-Demo mit den Juden-Progromen in der Reichskristallnacht 1938. Oberpeinlich!
Klassikaner: Sibirische Kaltluft bringt bissigen Winter zurück. Herrlich! Endlich dicke Mützen auf!

Nummer 379

Krasse Frau

Montag

Nummer 378

ZEUGE DER ANLAGE




Um 15:51 stand ich endgültig auf, brühte mir einen frischen Tee und machte mich wieder an die Arbeit für mein Hans Arp-Referat. Eines war mir bei der Beschäftigung mit diesem alten Herrn aus Strasbourg aufgefallen: Auch wenn der Begriff Rock-Röhre auf ihn leidlich falsch gemünzt wäre, kann Hans Arp immer noch als Star bezeichnet werden. Ein stiller Stern, der Zeit seines Lebens eine ganz eigene Bahn konsequent und mit wachsender Virtuosität gezogen hat. Drei Generationen einer Familie spielten einträchtig und vital zusammen eine Partie Boccia. Der Opa konnte das trotz seines immens schweren Tinnitus-Leidens, weil er einen Geräusch-Masker trug, das patentierte Produkt einer angesehenen Firma. Alle waren ja so froh, dass Opa endlich das lästige Fiepen im Ohr los war, mit dem er sich immer vorgekommen war wie ein wandelnder Telegraphen-Mast. Aber als sein Sohn schließlich feststellen musste, dass die Deutsche Post den Telegrammverkehr eingestellt hatte, ließ Opa sich dazu überreden, ebenfalls mit der Zeit zu gehen und sich einem Gehör-Spezialisten anzuvertrauen. Zum Glück hatte ja der liebe Opa eine gute, private Zusatzversicherung zur Krankenkassa. Die regelte das eins, fix, drei. Auch der Sohn war gut versichert, sparte Geld in krisensicheren Fonds an und hatte nur noch siebenundvierzig Raten vor sich, ehe das Reihenhäuschen im Grünen abgezahlt wäre. Und der ganz Kleine hatte ganz besonderes Glück, dass seine Eltern und der Opa auf seinem Namen bereits langfristige Bausparverträge für Ausbildung, Aussteuer und die Feuerbestattung abgeschlossen hatten. Es war gut zu wissen für seine Angehörigen, dass sie am besten wüssten, was für den Junior das Beste wäre. Der kleine Max konnte sich entspannt zurücklehnen und warten, bis das ganze Leben wohl behütet an ihm vorbeizog, um ja nicht das schon vorfinanzierte Funeral zu verpassen. Schließlich hatte er ja schon jetzt eine wichtige Aufgabe innerhalb der Familie: Er musste die versprengten Boccia-Kugeln einsammeln, die seine Angehörigen im wilden Eifer des Gefechts quer durch den familieneigenen Pistazien-Hain gepfeffert hatten. Ab und an durfte er sogar werfen. Dann lagen Opa, Papi, Mami und der Rest der Truppe schon besoffen unter dem Tisch. Nur Max und seine Cousins und Cousinen waren noch wach, tobten herum, klauten ihren Alten Geldscheine aus den Portemonnaies, pinkelten auf den Grill und in die Schüsseln mit Salat und Bowle, dann zogen sie schreiend und lärmend ab, verballerten im Dorf die geklaute Kohle in Flipperautomaten, für Mickey Mouse-Hefterl, Pizzaecken, Eiscreme und Schokolade, ehe sie im Dorfkino einen Zombiefilm guckten. Aber es war alles in Ordnung, denn das Kino wurde von der katholischen Jugend betrieben. Für sie galten solche Filme als positivistische Erweckungs-Dramen. Die Nacht der lebenden Toten, The Dead, ghoulische Supermarkt-Schocker und ähnliche phantastische Post Mortem-Kannibalen-Filme, die das Herz Hans Arps erwärmt haben dürften, zumindest die in Schwarzweiß, verstießen nicht wirklich gegen die kirchliche Moral. Nein, das waren Episteln über die Vergänglichkeit des Fleisches, das Versprechen der Wiederauferstehung, das Scheitern der Widergänger, alles drastisch angereichert mit wahren Lebenssaft, dem spritzendem Blute unseres Herrn. Lauter biblische Vergleiche. Eine tief eingeborene Innenschau. Aber Max' Familie, lauter gestandene deutsche Mittelständler, waren verklemmte Kalvinisten und schätzten derart mediterrane Fleischeslust nicht sonderlich. Verdammte Italiener! Zu faul zum Arbeiten! Immer nur vino, amore, bambini! Haben uns im Krieg verraten! Und jetzt diese Schweinerei! Das durfte sich niemand gefallen lassen! Vor allem Opa nicht, und der verklagt den verantwortlichen Monsignore:
„Ich war ja schließlich im Krieg!“
Das war ein Schauspiel gewesen, als plötzlich, mitten in der Vorstellung, die völlig verkaterten, abgekarteten, bleichen und verschwitzten deutschen Angehörigen laut nach ihren Kindern brüllend durch die Eingänge in den Saal hinein strömten. Die Kinder verstanden nicht ganz, was jetzt abging, da im Film Zombies gerade ein Kino überfielen. Die Folgen waren unerquicklich: Sämtlichen Kindern, das Älteste war Max, damals gerade sieben Jahre alt, waren sämtliche Körperflüssigkeiten zugleich in die Hosen und auf die Hemden gefahren. Einige der Eltern und Tanten waren in der Gülle ausgerutscht, gestürzt, sich dabei böse die Köpfe, Ellenbogen und Knie aufschlagend. Opa war sogar über die am Boden liegende Tante Trude gestolpert. Als er mit der Fresse auf eine der harthölzernen Lehnen knallte, war nicht nur seine kostbare Goldbrille im Eimer, sondern auch noch sein sündteures Hörgerät, das in eine Lache undefinierbaren Schleims platschte, ganz zu schweigen vom schönen dritten Gebiss, das am Boden zerschellte. Weiße Porzellan-Stege, im Dreck leuchtend. Wer soll das bezahlen? Nicht unser Opa! Nein. Er zerrte den Priester vor den Kadi. Ein Jahr später war die Hauptverhandlung. Aber als Opa mit dem neuen Opel nach Neapel fuhr, wo er als Belastungszeuge aussagen sollte, wurde er nach einem Tankstopp bei Caorle auf der Autobahn von einer Bombe in dreier Stücke gerissen. Armer Opa! Alle Versicherungen mussten löhnen. Wenn das der Opa wüsste! Der tät sich schön freuen! Max hingegen wurde nach Opas Tod dessen Haupterbe. Sie steckten ihn in ein Schweizer Internat. Liebe? Soft Skills? Menschlichkeit? I wo! Nichts wert! Max durchlief sämtliche vorgeschriebenen Karriere-Stadien und wurde am Ende doch ein Bomben legender Terrorist.
„Und was hat das mit Hans Arp zu tun?“
Meine Studienkollegin, die ein wenig verwirrt wirkte, sah mich forschend an.
„Uhm. Die serielle Abfolge von sinnlosen Zufällen. Das Hineinplätschern von Pneuma in den Hirsebrei des Lebens.”
“Bloß das Arp allem Anschein nach aus dem Zufall ein gesetzmäßiges Prinzip formte.”
“Und an einer karrierefördernden Legende bastelte, wie denn seine Texte entstünden.”
“JA, das hat er sehr viel später in seinen Memoiren grade gerückt”
“Aber auch nicht ganz.”
„Richtig!“
„Mein Gott, es ist ja schon finster.“
Ich blickte nach dem Himmel.
„Und erst fünf Uhr.“
„Machst du uns noch Tee?“
“Gerne.”
Ich ging raus in die Küche. Sie stellte sich ans Fenster. Während ich mit dem Wasserkessel und den anderen Utensilien klappernd hantierte hörte ich ihre Stimme aus dem Nebenzimmer:
„Ist schon eigenartig, wie die Menschen miteinander umgehen.”

Samstag

Nummer 377

BLABLABLA




Ehe Philosophen sich über gewichtige Dinge den Kopf zerbrechen, sollten sie eine ganz banale Sache betrachten: Die Mündung des Mastdarms (Rectum). Diese Öffnung wird durch den Afterschließmuskel verschlossen, der aus einem inneren, unwillkürlichen, zur Mastdarm-Ringmuskulatur gehörigen Teil und einem äußeren Teil aus quer gestreifter Muskulatur besteht, die willkürlich erschlafft oder kontrahiert werden kann. Dieser Muskelteil ermöglicht somit, die Darmentleerung unter die Kontrolle des Willens zu bringen. Der Afterbereich ist reich an Schweißdrüsen und an Venengeflechten (Hämorrhoiden). Wie zu sehen ist, beinhaltet die Vorrichtung des Afters als Grundbedingung den freien Willens. Dieser freie Wille ist wiederum unter der Bedingung des „Ich“ vorstellbar.
Nehmen wir also an, einer der grunzenden Cro-Magnon-Menschen muss defäzieren. Er oder sie verspürt ein gewisses Rumpeln im Gedärm, sucht das Weite und hockt sich in seiner steinzeitlichen Landschaft unter einen Busch. Das Pressen und Ziehen wird unerträglich, da, endlich, die große Erleichterung, die Kotsäule flutscht als große braune Wurst aus dem Leibe. Nun wird er oder sie einige Blätter vom Busch reißen und sich mit ihnen reinigen. Welche Gedanken ziehen durch diesen frühmenschlichen Geist? Ein Oooommpphh, oder eher Aaahnnnggn? Wird der Frühmensch getröstet sein oder war es ein eher unangenehmes Erlebnis, weil er oder sie an Hartleibigkeit leidet? Wird das Wörtchen „Ich“ im Kopf golden aufschimmern oder nicht?
Machte das für unsere Ahnen einen Unterschied?
Wann wurde aus dem unappetitlichen Urlaute-Brei ein leckerer Wortstrudel? Was hatte geschehen müssen, ehe sich diese Wesen als Individuen wahrnahmen? Wo und warum? Wie bitte?
Das sind müßige Fragen?
Ich soll lieber in der Nase bohren? Na denn, au gratin, Sie Kretin!

Ein furchtbares Anziehungsfeld saugt sich fest. Konstante Möglichkeit von Anschlägen. Die privaten Schotten sind abgedichtet, die Schlampenmaschine gibt meiner Liebesfähigkeit konsequente Kraft. Schöne reiche Mädchen weisen den Weg. Den Weg der Schmerzen und Tränen. Horrido! Das Feld blickt in dunkle Tiefen. Betrunkene Skoten. Ein Freund von einem Stinktier.
Wir sind nicht viel weiter gekommen. Ranziger Geschmack auf den Lippen. Angewidert wenden wir uns ab. Es dröhnt durch Mark und Stein. Konsequent. Ausgereizt bis zur letzten Sekunde, ehe es richtig weh tut. Das Ich zwirbelt seine Fädchen durch den Laib. Setzt sich selbst voraus. Hat Mr. Cro-Magnon „sich“ gekratzt, wenn die Wanzenbisse juckten, oder war das einfach nur eine juckende Stelle ohne Bewusstsein? Was war das für ein Wesen, das sich in der Nacht fürchtete, ohne Worte dafür zu haben? Sein Leben ist noch einfach genug strukturiert, dass er keine codierten Begriffe zur sicheren Inhaltsvermittlung benötigte. Später passiert es doch. Die Menschen werden immer mehr, ihr Zusammenleben gestaltet sich zunehmend komplizierter, das bisschen Grunzen und die Keule bedrohlich schwingen reichen nicht mehr aus. Das „Ich“ wird entdeckt und die Sprache. Segen oder Fluch. Seitdem hält uns jemand einen Spiegel hin, etwas, das weit älter ist als „wir“. Die wenigen, die diese Mutprobe bestehen, sind danach nicht mehr dieselben. Warum denn nicht?

Frau Tischkoffsky hat Wasser in den Beinen, trägt aber seit Jahren ihre Stützstrümpfe nicht. Zu eng, sagt sie, macht mich ganz verrückt, diese kratzige Enge! Lieber Leiden! Der warme Wahn. Limit erreicht. DAS ERDBEBEN! Es wackelt und wirrt. In Deckung! Aber wo, wie? Seiger oder tonnlägig, das ist hier die Frage! Wasser-Moleküle, unsre besten Freunde.
Vielleicht hatte die psychische Menschwerdung des noch nicht Sprachbegabten intensiv mit dem Wunsch zu tun, den Stuhlgang bewusst kontrollieren zu können. Immer diese peinlichen Szenen in der Gemeinschaftshöhle! Das wollte niemand! Gewisse Dinge haben sich nie geändert. Anderer hingegen kann sich die Rasse noch immer nicht erwehren. Da gibt es zum Beispiel die aufdringlichen Werbeprospekte. Neulich erstand ich bei einem Elektro-Discounter eine neue Mini-Musikanlage für meinen PC. An der Kassa drückte mir eine nette Frau nebst meiner Quittung (Zwei Jahre Garantie) einen Reklamezettel in die Hand. Entgegen meiner Gewohnheit warf ich ihn aber nicht gleich in den Müll, sondern stopfte ihn in die Einkaufstüte.

Daheim baute ich erst einmal die eher kompliziert konzipierte Lautsprecherkombination (find the double stereoscopic line of direction, plug the 3.5 diameter mini stereo plug into the host behind front socket, another plug inserts the socket of the sound source. If connect to PC, then use 2pcs double stereoscopic line of direction, host of front rear channel and PC audio card of iin front rear channel link is good.) zusammen, ärgerte mich über Missverständnisse und erfreute mich letztlich doch am dreidimensionalen Klangerlebnis. Ich briet mir ein leckeres Stück Fleisch, nur mit Chili, Knoblauch und Salz dran, vergaß dabei nicht, meine schöne, neue helle Hose standesgemäß mit Öl zu bekleckern. Ich bereitete mir zwei Steaksemmeln zu, um mit ihnen in der Hinterhand leichter auf Hunger bluffen zu können, aß sie genüsslich und trank dazu zwei kleine Beck’s. Der Werbeprospekt verschwand irgendwo in den Tiefen meines Arbeitstisches, war vorerst vergessen. Vor dem Schlafengehen hängte ich noch den Weihnachtskalender an die Wand. Ich hatte ihn im riesigen Kaufhaus um die Ecke für einen Einkauf im Werte von über fünfzig Euro gratis erhalten.
Ich habe eine Schwäche für Adventskalender. Sie erinnern mich an meine früheste Kindheit, jene huldvolle Zeit, in der vierundzwanzig Tage eine Ewigkeit dauern konnten und ein vom Unheil noch ungetrübtes Dämmern, Reifen in der Liebe meiner Eltern möglich war. Auch Kaleidoskope und Beatlesmusik (mit Ausnahme der besonders schleimigen McCartney-Nummern wie Obladi-Oblada) fallen unter dieselbe Kategorie warmen Glücks; ebenso dicke Wolken, die wie süße, steif geschlagene Schlagsahne aussehen; das leise Klingeln eines Glöckchens, das mir die Ankunft des Christkindes verkündete. Aber bevor mir ernsthafte Tränen der Rührung kamen (schluchz, schluchz!) fiel mir der Werbeprospekt bei der Suche nach der verfickten Telekom-Mahnung (122,21€) wieder in die Hände.

Vorweihnachtszeit, hmm, da kaufen doch alle wie verrückt den größten Schund zusammen, den es nur gibt, wie die Sitte es anordnet. Nicht nur Wanderer, die nach Sparta kommen, werden mir zustimmen. Aber jedes Jahr stehe auch ich vor der Qual der Wahl. Sein oder nicht sein. Nicht, dass ich etwa bei dieser Geldvernichtungsshow mitmachen würde. Nein, ich nicht, was? Zwinker. Ich kaufe keinen Schrott, nur buntes Edelmetall. Dennoch war ich neugierig, was unter der Rubrik „Spannende Geschenke“ zu erwarten war. Da gab es Rasierapparate mit integriertem Radio, der neueste internationale Technik-Schrei, stufenlos regulierbare Thermostate, Bratgeschirr, „antihaftbeschichtet“, für Raclette, Röstgemüse und „schöne Winterabende“. Ich fand außerdem: Preisknüller, Profibahnen, ideale Zweitgeräte, Wetterstationen, Edelbrenner, Outdoor-Sets für alle Fälle, ein tolles Angebot ist etwa auch das H0-Modellbahn-Startpaket (richtig komplett mit Lok, Trafo etc.), tolle Klassiker zum Weihnachtspreis, edle Konzertgitarren (mit honigfarbener Decke und guter Verarbeitung) für schlappe dreißig Euretten, Oldies und Spaß für alle, Wertvolles gegen Frost und für sichere Motorstarts, „schöne Deko“ und sogar Erleuchtung. Wie schön! Illumination für 7,99!


Ich musste mich nach der Lektüre fragen, warum nicht einfach die Weltregierung in die starken Hände dieses einzigartigen Konzerns legen, der doch bestimmt in Nullkommanix die passenden Konzepte gegen Hunger, AIDS, Drogen, Terrorismus, Krieg und Armut finden würde. Nein, nach diesem Erlebnis hatte ich keine Frage mehr. Ich ging erstmal aufs Klo und gab mich den gepflegten Freuden der Steinzeit hin. Das inspirierte mich zu neuen, frischen, unverbrauchten Ideen über die Dunkelheit, dicke Daunendecken und das doofe an Deutschland. Bierschiß! Schon mittags einen Dulliäh. Unter der Woche. Ich brauchte dringend Nachschub.
Ein wenig psychedelische Musik im Kopf, so genannte Ohrwürmer, jahrelang beliebte Schlager, Sound-verzerrende E-Gitarren, exotische Instrumente, ewige Liebesschwüre, Texte, die von Drogen handeln, inklusive. Es war klar, mein Hirn versuchte, mit mir zu kommunizieren. Aber leider war es nicht explizit genug, alles blieb im Vagen. Also musste ich losziehen, mir qualifizierten Rat kaufen. Rolf, der nette Typ im Tabakladen, so hoffte ich, hätte für mich was auf Vorrat. Ich schaffte es, den mit braunen Tretminen übersäten Gehsteig ohne peinlich-olfaktorische Katastrophen zu bewältigen. Unterwegs begegneten mir zwei Typen mit schicken Frisuren, die mich eher an Kopfbedeckungen als an Haare erinnerten. Schön, in einer Stadt zu leben, die alle Stereotype bewahrheitet. Ein Junkie mit eintätowierter Harlekin-Träne, in Hockstellung und einer Dose Bier in der Hand. Die Horde harmlos krakeelender deutsch-türkischer Jugendlicher bei der U-Bahn-Station, die verrückte Säuferin vom Nebenhaus, ein betreten wirkender Arbeiter im Blaumann, ein nach Schnaps Bier stinkender Hilfs-Biker mit speckiger Kutte, der sein Fahrrad schiebt, ein älteres Schwulenpärchen im schwarzen Lederdress, Händchen haltend. Ach ja, im Vorübergehen sah ich in den Läden meiner langen Straße auch die hübsche Bäckergesellin, sie winkte mir zu. Die drei Kartenspieler im Privatclub für makedonische Exil-Fußballer waren in Kartenspiel vertieft, der Möbelverkäufer mit dem üblen Toupet, diverse Sekretärinnen in Fahrschulen, Spezialgeschäften für Zargen und Markisen, Pflegevereinen, Hausverwaltungen und privaten Nachhilfeinstituten. Ein Jeder Mensch mit Schmerzen, Sehnsüchten, realistischen Fehleinschätzungen, mehr oder weniger zuverlässigen Körperfunktionen und erfüllbaren Wünschen. Diese Tatsache bettete uns in den gemeinsamen, ganz normalen Tag im Kiez. Von Weihnachtstimmung keine Spur. Das störte mich nicht. Freaks sind Rebellen. Ich mag Rebellen. Hallöchen, ich bin’s, der Bajazzo mit dem Bajonett. Danke, Ein bisschen cleveres Make-Up würde den verqueren Charme gut hervorbringen. Das betrifft natürlich für die Kleine im Detektivbüro. Nicht mich. Mich mögen die Nachbarn auch so. Oder so. Soso. Oho. Ohio, Tokio, Klein-San Francisco. Neapel in der Mark. Ich kaufte mein Bier beim Türken an der Ecke und verdrückte mich unauffällig wieder nach Hause.

Ein wenig elektrischer Blues gefällig? Der Connaisseur genießt und schweigt. Es liegt etwas in der Luft. Es duftet süß und kalt. Es schmeckt nach LIEBE. Fühlt sich gut an. Was einmal gut war, muss auch heute noch gut genug sein. Es ist der Duft der Teufelstochter Sünde. War das die Antwort, answer, risposta? Liebe Sünde Duft. Gedämpfte Trommeln grummeln. Im Zimmer riecht es nach verbranntem Heu. Manche Menschen sind eben was ganz Besonderes. Das klappt die Übertragung weitgehend fehlerfrei. Funk, funk, piep, piep. Aha! Piep, piep, funk, funk? Piep-funk, funk-piep. OK.

Die über den Himmel kreiselnden Sterne, Urmotiv des Übergangs. Immer wieder grübelte der Cro-Magnon darüber nach. Was wummerte da so in der heißen Blase, die seine Augen umgab? Was das heißen soll? Das heißt, Moment! Wann war das denn, der Übergang vom Grunzen zum Sprechen? Wie ist das passiert? Das Wort war am Anfang. Aber warum haben nur die Menschen es gefunden? Und wie? Mensch=Sprache. Der aufrechte Gang. Die Werdung. Wann, wo und wie ist es passiert, vom warum ganz zu schweigen. Jedes Kind muss das nach seiner Geburt lernen, aber es äfft ja bloß nach, was die Alten vormachen. Wie war das aber am Anfang? War wirklich ma-ma das erste Wort? Oder vielleicht doch eher Gaga? Sprachen Neandertaler miteinander? Ich will eine genaue Auskunft. Denn auf den Hinterbeinen zu balancieren und miteinander sprechen zu können, das ist es, was den Unterschied zwischen Tier und Mensch ausmacht. Wir haben das gelernt. Oder wurde es uns beigebracht? Falls ja, von wem? Braves Hundchen! Nicht wahr, Mister Gott? Bin ich nicht brav gewesen? Und die Verdammten? Jene, denen das Bürgerrecht entzogen wurde? Was ist mit denen? Wo kommen die hin, am Tag des Jüngsten Gerichts? Oder bleiben sie dort, wo sie sind? Und jene, die vor Gericht erscheinen wollen? Wer holt die ab? Wo können die ihre Einsprüche einlegen? Wird die Absicht im Prozeß berücksichtigt? Gibt es im Knast weiches Klopapier? Sind Begnadigungen grundsätzlich möglich? Gibt es eine Schieds-Stelle? Darf die Presse Photos machen? Gibt es eine Live-Übertragung? Ist der Papst dabei? Was ist mit den Nicht-Christen? Dürfen die dann ohne uns weitermachen bis zu deren eigenem Sankt Nimmerleinstag? Und, vor allem das interessiert die Zuhörer auf dem ganzen Planeten:
Wer kriegt ÜBERHAUPT ne’ zweite Chance???
Der Neandertaler, oder wir?

Nummer 376

Tja, anlässlich der lächerlichen Ballveranstaltung der Wiener Schmiss-Pepis, der von den linken Medien als zweite Wannseekonferenz hochgejazzt wurde, und der eitrigen Gegen-Demo, auf der zum Beispiel von Berliner Profi-Kommunisten alberne Transparente gezeigt wurden, auf denen Hitler neben Haider und Strache prangte, zeigte sich wieder einmal, wie Stürme im Wasserglas gut dazu dienen können, die wahren Probleme eines Landes zu verhüllen. Wirtschaftskrise, VDS, Mietexplosion, Bildungsmisere und so weiter. Den reflexartig geifernden Gutmenschen von (leider, so ist es), von Caritas, SOS Mitmensch, ZARA, den Grünen, Linksextremisten, der Lesbenparty ÖH etc. pp, möchte ich ins Stammbuch schreiben:
Wenn Sie sich als Rechtssysmpathisant und Zündler bezeichnet betrachten (von wem übrigens?) fühlen, und meinen, der zweite Holocaust stünde wegen des WKR-Balls an, weswegen sie auf die Barrikaden gehen müssen, ansonsten alles zusammenbräche, so ist das Ihr gutes Recht. Aber ob ein paar Burschenschafter ihren Walzer in irgend einem Saal tanzen oder nicht, kümmert mich demokratiepolitisch ebenso wenig wie das heisere Brüllen Ihrer Fraktion. Gott sei Dank gibt es nämlich sowohl von Ihnen als auch den andren nicht so viele. Unsympathisch sind mir beide Seiten. Was Sie auf der Linken jedenfalls machen, ist zutiefst paranoid und diffamiert pauschal die Ballbesucher Extremisten sind IMMER EINSEITIG. Und daher abzulehnen.
Alles Walzer!

Nummer 375

Lustig: Kokain-Schreckschraube Demi Moore säuft tagelang Red Bull und kollabiert nach Marijuana-Joint.
Traurig: Aus Taiwan wurde ein Schwein auf 1.000 Kilo gemästet und dem Glücksgott geopfert. Arme Sau!
Klassikaner: Laut SPÖ und Arbeiterkammer sind Bauernkinder bei Studienbeihilfe begünstigt. Arbeiter auf Bauern hetzen, das ist halt Sozialdemokratie!

Nummer 374

ALLES LIEBE, MOTOR!  



Warme Bitterkeit. Zylinder am Kopf. Motor. Können, es wird schon werden. Schön. Nicht? Schon Zeit. Er führte zusammen, was sich gehörte. Ungehöriges wurde nicht toleriert. Dann rieb er sich Speck in die Tolle, taute sich etwas Tee auf, aß dazu ein Minze-Brötchen. Er liebte Gugelhupf! Synonym für vertraute Tage, in der guten Stube der Großtante verbracht, während Vater Mutter schlug. Viele wussten, dass der Präsident früher mal auf Kokain gewesen war, scharf wie ein Spitz, aber sonst völlig unzurechnungsfähig und doof. Der Hund bellte auf dem Dachboden wie verrückt, und die alte FRAU drehte dann den Fernseher ganz laut, aber der kleine Junge wusste dennoch ganz genau, was gerade nebenan passierte. Wie konnte er das nur vergessen? Er wusste nicht, wie.
Schnell legte er sich eine Patience auf den ovalen Schreibtisch, wollte von niemandem gestört werden, was auch immer passieren möge. Alle fragten sich, warum er dann jedes Mal völlig verschwitzt aus dem großen Raum kam, der fast völlig leer war. Danach hastete er schnell aufs Klo. Die Geheimdienstler, die immer alles abhörten, wurden Ohrenzeugen der präsidentiellen Darmperistaltik, sowie seiner stetigen Rückfälle in die Sucht. Dazu diese dunklen Sonnenbrillen, im Fernsehen, bei Paraden, auf Staatsempfängen. Die ausländischen Gäste trauten sich nur wegen der Raketen seiner Generäle nicht, über ihn Witze zu machen. Er kratzte sich ständig am Kopf. Das war kein intellektuelles Problem mehr. Der mächtigste Mann der Welt benahm sich wie eine riesige Gottesanbeterin, kleine Kinder hatten Angst vor ihm. Hatten sie ihm am Ende doch zuviel zugemutet? Nein, die Schatten-Regierung beschloss, ihn nicht auszuwechseln. So einen Trottel würden sie nicht so schnell wieder finden. Die Konkurrenz sollte davon nicht so schnell profitieren. Jetzt waren sie an der Reihe. Ein langer, hupender Wagenkorso feierte diesen Brauch mehrmals täglich auf den Strassen der Hauptstadt. Die besten Karten wurden verschachert, keiner hatte Intentionen, irgendwem reinen Wein einzuschenken, sich selbst am allerwenigsten. Sie würden jedes Spiel gewinnen. Eine Tür fiel ins Schloss. Die Jagd hatte begonnen. Oben hatte nicht mehr viel Platz. Die Agenten kochten ihm Schokoladenpudding, mit einem Sahnehäubchen obendrauf, das mit Valium gestreckt war. Er wusste es, mochte ihn aber trotzdem. Sex oder Liebe, das war keine echte Frage für ihn. Die Beißhemmung war längst gefallen, der Präsident ging ab wie Affenscheiße. Ein Dreier-Pärchen war da gar kein Problem. Seine Kurzsichtigkeit war quadratisch. Er musste sich also darauf verlassen, unter dem Tisch von einer blank polierten, schwarzen Schuhspitze sachte angestupst zu werden, wenn er was falsch machte. Danach tranken sie guten Wein miteinander und sangen lustige Lieder. In Vorderafrika hatten sie das so gelernt: Geschickt mit den Ängsten umzugehen. Quellen, Drohungen verstecken, Patronenhülsen mehrfach verwenden. Doch ab und zu hatte er Schiss in der Hose, was allen peinlich war, vor allem peinlich. Wenigstens hatte er damit aufgehört, Leute zu beißen. Angeblich seitdem man ihm Little Toby schenkte, ein kleiner Hühnerhund, der dazu abgerichtet worden war, ihn zu beißen. Little Toby knurrte den Präsidenten immer an, wenn der anfing, Leute komisch anzugucken, und dabei den Kopf schief legte. Als man seinem Vater einst mitteilte, dass der Kleine nun fast stubenrein war, da hatte der, wie immer, wenn er etwas nicht verstanden hatte, gesagt: 
„Na da schau her! Gibt’s das auch in Blau?“
Der Alte war immer schon Legastheniker lieber gewesen als alles andere. Vielleicht lag Schwachsinn in der Familie, aber es fiel nicht weiter auf, fiel nicht auf. Sein Sohn war eben ein Pappkamerad, den die anderen ungestraft herum schieben konnten, am besten immer in die Schusslinie. Soweit war es gekommen, mit der käuflichen Demokratie. Eine billige Schmalzlocke in einem Vorort-Diner hatte mehr Gewicht als das Wort des Staatsoberhauptes.
„Alles hat seinen Preis!“, dachte der. Er fälschte auf Schecks die Unterschrift seines Vaters, wusch sich selten die Haare, war bloß dumm und eingebildet.
„Tolle Sache, was?!“, fragte der Generalstabchef den Direktor der Secret Police.
„EIN GLÜCKSFALL!“, trompetete jener, und reichte seinem Kumpel den Flachmann weiter, der Whiskey mit Weihwasser enthielt.
„Wo sollen wir als nächstes einmarschieren, Jack?“
„Ich weiß nicht, lassen wir den Zufall entscheiden!“
Der Generalissimus lachte: „Wie immer!“
Die beiden Männer verstanden sich prima. Nach dem opulenten Mahl auf Staatskosten waren sie von diskreten Thai-Mädchen sanft entspannt worden. Mächtige Entscheidungsträger wie sie hatten ein RECHT darauf. Jetzt klopften sie sich gegenseitig auf die Schultern, jeder dessen gewahr, weswegen ihn der andere erpresste. Keiner von ihnen ahnte jedoch, dass sie in Wirklichkeit nur die Befehle des Kammerdieners des Präsidenten ausführten. Mark Kyeveli war ein geheimnisvoller Ausländer. Unauffällig wie der Schatten eines Baumes im Wald hatte er ungeheuerlichen Reichtum angehäuft. Der mächtige Levantiner herrschte über ein Mafia-Imperium, das von den Anden zum Ural reichte, vom Nordkap bis Johannesburg. Manche wenige glaubten, in Wirklichkeit sei er Adam Weißhaupt, der die arkanen Wissenschaften gemeistert und mit Hilfe alter Freunde das Geheimnis tausendjährigen Lebens erforscht hatte. Nur die Langeweile könnte für ihn tödlich werden, aber ein Millennium war eine lange Zeit, um sich mit Dingen zu beschäftigen. Zehntausend Jahre Leben, zum Beispiel.
Alles andere waren bloß Spielchen.
Der Präsident, das gestörte Kind einer kranken Familie?
Ja, na und?
Es gab viel schrecklichere Dinge, die er gemeistert hatte. All die Wahnsinnigen auszuschalten, die in den letzten zweihundertfünfzig Jahren versucht hatten, die Welt zu erobern. Der Imbezil auf dem Stuhl war leicht zu kontrollieren, leichter, als alle seine Vorgänger zusammen genommen. Einige hatte er ja beseitigen lassen müssen, leider, leider.
Er lachte leise bei sich: „Oh ja! Es macht ja solchen Spaß!“
Mark stand in der Teeküche des Palastes, er bereitete die fünf Uhr-Dröhnung für seinen Schützling vor.
„Mmmhhm, mmmmhm mhhhmm, ein bisschen hiervon, und ein bisschen davon!“
Auf dem Bord standen mehrere geöffnete, mit Gold eingelegte Porzellan-Döschen, die allesamt verschiedenfarbige, glitzernde Pülverchen enthielten. Flink, mit sichtbar geübten Fingerchen entnahm er zwei oder drei von ihnen eine Prise, die er in den dampfenden Teekessel warf, wo es blubberte und kurz aufzischte, gemischte Gerüche verbreitend.
„Heute war der Kleine wieder GAAANZ lange allein im Zimmerchen! Hat wieder an sich rumgespielt!“
Jede dieser Sessions war natürlich mitgefilmt worden, von einigen seiner treuesten Adepten, die den Geheimdienst der Geheimdienste bildeten. Alle taten es zur höheren Ehre Adams, somit Gottes. Für ihre Familien war über Generationen ausgesorgt, falls ihnen was „passieren“ sollte.
„Na, da bekommt er ein klein wenig Müdigkeit gespritzt, damit er nicht abermals übermütig wird und unbedingt Krieg spielen will! Dazu ein wenig Unwohlsein, gerade soviel, damit er nicht genau weiß, was er tun soll. Morgen ist dann wieder ein strahlender Tag, voller Überraschungen, guter Laune, toller Projekte und Pharma-Wunder, nicht wahr?!“ Der Kammerdiener lachte diabolisch, doch gütig zugleich.
Es war nicht leicht, der BESTE zu sein.

Nummer 325 (Nota bene: nachgereicht)

DEN LETZTEN BEISSEN DIE HUND‘

Innerer Monolog mit allen 41 lexikalisierten Hunde-Phraseologismen.

Für Arthur Schnitzler


Wie lange wird das denn noch dauern? Ich muss auf die Uhr schauen…mein Gott, was bin ich auf den Hund gekommen. Das habe ich mich auch ganz anders vorgestellt, das mit dem „Aussteigen“. Das Paradies unter Palmen, haben sie mir gesagt, Luxus am Sandstrand, haben sie mir gesagt, leicht verdientes Geld, haben sie mir gesagt. Und, was ist gewesen? Nix davon wahr! Der Strand ist voller Sandflöhe, die einen bei lebendigem Leib auffressen. Und das Postkarten-Wasser? Gibt es sicher. Aber am Privat-Beach. Abgeriegelt. Drei Meter Zaun und jede Menge Elektrizität. Bei mir ist es eine braune Suppe. So schaut’s aus, meine Herren, und das ist ein dicker Hund! Ohne Geld bist du hier einen Dreck wert. Ja, daheim auch nicht, aber daheim klatschen sie dir die Verachtung nicht so ins Gesicht, wenn du pleite bist. Und Sozialamt gibt es hier auch keins, da kannst verhungern, unter Palmen. Hätt‘ ich mir das nur gründlich überlegt! Der Bankraub ist ja noch gut gegangen, das stimmt. Der depperte Schalterheini! Blöd hat er geschaut, wie ich ihm die Knarre unter die Nase gehalten hab‘! Aber was machen Sie denn da, Herr Kubitschek? Am End‘ ein Überfall? Machen Sie sich doch nicht unglücklich, hat er gesagt, der feine Herr Bankbeamte. Hab‘ ich ihn halt ein bisserl unters Naserl g’haut, mit dem Lauf. Des bisserl Nasenbluten, ich bitt‘ dich! Da haben die Hunde gebellt, was sie wollten, und die Karawane ist trotzdem weitergezogen! Scheiß-Banker! Von denen nimmt ja ohne Not kein Hund ein Stückerl Brot! Ja, hätt‘ ich vielleicht mit einer Strumpfmaske auftauchen sollen? Oder in eine andre Bank gehen? Blödsinn! Das hätt‘ ich mich ja nicht so gut aus’kannt! Außerdem war mir eh klar, nach einem Bankraub, Gustl, kannst dich schleichen, aus Österreich. Eh klar! Ha, ha! Das soll mir erst einer nachmachen! Gleich nach dem Überfall untergetaucht! Junge Hunde hat’s geregnet, wie ich die Marie im Wienerwald vergraben hab‘! Mir war das alles Wurscht! Dann ein halbes Jahr lang Sandler g’spielt! G’schwitzt hab‘ ich, g’stunken hab‘ ich, bettelt hab‘ ich, alles Leinwand! Keiner hat mich erkannt, unter meiner Pelzgoschen! Und unsere Kieberer musst‘ ja schon wie den Hund zum Jagen tragen, da passiert sonst nix! Na ja, dann hat keiner mehr sich geschert, um mich und meine Beute. War ja auch nicht allzu viel, leider. Dreihunderttausend Mücken. Dabei habe ich gehofft, ich mach‘ mein Milliönchen. Da scheißt der Hund ins Feuerzeug! War eh froh, wie ich weggekommen bin, zuerst nach Kroatien, dann übers Meer, Italien, weiter mit der Fähre nach Barcelona. Die Spanier! Lässige Leut‘! Feiern tun’s gern, lachen auch, nur mit dem Arbeiten, da sind’s ein bisserl zurückhaltend. Recht haben’s! Mit dem kargen Mindestlohn kannst ja wirklich keinen Hund hinterm Ofen hervorlocken. Und die Frauen! Jessasmarandjosef! Ich hätt‘ in Spanien bleiben sollen! Da hätt‘ ich wirklich eine Zeitlang leben können wie Rothschild sein Hund! Aber nein, da hab‘ ich zu viel Muffensausen g’habt, daß mich am End‘ noch wer erkennt. Aber nein, Südamerika hat’s sein müssen! Mir ist ja schon in Portugal alles vergangen. Schirche Menschen, schirche Sprache, schirches Essen, Umständ‘, daß es einen Hund erbarmen muss. Und die armen Viecher, die ich gesehen habe, waren dürr wie Bohnenstangen. Und scheu! Wie scheu! Schad‘, daß hier nicht so scheu sind, die Leut‘, vor allem die Einbrecher. Scheiß‘ der Hund drauf! Bin ich halt reingefallen, auf den Peitscherlbuben! Beweisen kann ich’s ihm halt nicht, aber auch das tät‘ nix nützen. Die wirklich gemeinen Menschen tun ja am allerfreundlichsten, das hast du ja immer wieder gelesen. Na, da schau her, wie viel das Lesen mit dem wirklichen Leben zu tun hat! War mir sympathisch, der Kerl. Hat ja auch Deutsch gesprochen, na, was heißt, er ist ja ein Deutscher. So ein richtiger Piefke, der feine Herr Saupreuss! Da liegt der Knüppel beim Hund! Hab ich mich halt überreden lassen, zum Saufen Koksen Kiffen Huren Zocken und von vorn. Vier Tage lang! Irgendwann ist mir rausgerutscht, was mit mir…aber, das weiß ich nicht mehr so genau…ist eher verschwommen, die Erinnerung. Na ja, war schon blöd, wie ich heimkomm‘, in meinem Zustand, völlig zerfasert, geistig, körperlich, seelisch. Auf dem Hund sein! So ein Witz. War alles weg! Das ganze Geld weg. Kaum was ausgeben, hab ich g’habt! So drauf aufpassen, wollt‘ ich! Sparen, sparen, sparen! Es ist zum Junge-Hunde-kriegen! Ein Cocktail-Hütterl am Strand, das war mein Traum. Selber dein bester Kunde, aber eh Wurscht, Saufen als Fassade…von dem ganzen Geld, ich darf ja gar nicht dran denken, wie lang hätt‘ ich hier leben können, am richtigen Strand, nicht wahr. Wie einen Hund haben’s mich behandelt, wie ich dem Hotelbesitzer gesagt habe, hören Sie, es tut mir leid, mich haben’s ausgeraubt, ich hab‘ kein Geld mehr. Das Gepäck haben’s mir g’stessen, die Schuh‘, Handy, Sonnenbrille, alles weg. Dann haben sie mich hinausgetreten, bei der Tür, die G’frisser! So, als hätten die alle nur auf so einen weißen Trottel wie mich gewartet, damit sie sich können abreagieren! Das ganze Leben daheim vor die Hunde geworfen, und wofür? Zwei Wochen hab‘ ich am Strand zugebracht, am schirchen End‘ von der Insel. Von Kokosnüssen hab‘ ich g’lebt, und geschnorrten Sandwiches, und gefladerten Bieren, das ist nicht sehr romantisch. Wenn ich nur vorher aufgepasst hätte! Wenn, wenn, wenn! Wenn der Hund nicht g‘schissen hätt‘, hätte er den Hasen kriegt, lieber Freund. Mir war dann schon klar, der Saupreuss ist mit allen Hunden gehetzt, wie er auftaucht, am Strand, kurz, bevor ich komplett vor die Hund‘ geh‘, und lädt mich auf ein Essen ein, nicht wahr, wegen der guten alten Zeiten. Abknallen hätt‘ ich ihn können, wie einen tollwütigen Hund! Aber am End‘ hab‘ ich zugestimmt. Im Feriendorf soll ich arbeiten, und als Animateur dem Saupreussen die Kunden vermitteln oder gleich selber bedienen und solche Sachen halt. Heut‘ krieg‘ ich ja die erste Ladung. Na, wohl ist mir nicht, bei der G’schicht‘! Bin ja hier mittlerweile bekannt wie ein bunter Hund. Der Trottel, dem’s das Geld gestohlen haben. Kein gutes Image, aber deshalb genial, als Tarnung. Wer erwartet von einem Trottel wie mir schon kriminelle Intelligenz? Na ja, den Job im Hotel hab‘ ich ja auch schon. Kommt man über den Hund, kommt man auch über den Schwanz. Vielleicht kann ich mir ja was wegsparen. Sicherlich! Ich gebe nicht so schnell auf. Wann kommt er denn jetzt endlich, der Saupreuss? Ist schon spät in der Nacht! Ohne Vollmond würde ich ja die Hand nicht vor Augen sehen können. Wer sich da aller anschleichen könnt, ich will’s mir gar nicht vorstellen! Direkt fürchten könnt‘ ich mich!
„Warten Sie auf jemand bestimmtes?“
Jessasna, der Saupreuss! Was tust mich denn so erschrecken! Müd‘ wie ein Hund bin ich, und du schleichst dich an mich heran wie weiland Winnetou! Schlimmer als die Polizei bist! Sauerei, über einand‘!
„Na, na, na! Jetzt mal halblang, Kumpel. Keine schlafenden Hunde wecken!“
Und, hast du das Zeug dabei?
„Nee, lass man. Kleine Programmänderung. Viel gemütlicher für dich, Kumpel! Und ihr Ösis liebt ja die Gemütlichkeit über alles, nicht?“
Was hat jetzt die Gemütlichkeit damit zu tun?
„Ganz einfach: Dein Kunde sitzt mit Bodyguard bei dir im Hotel. Zimmer 1234.“
Ah, die Suite!
„Genau. Da holste dir die Ware. Den Rest machste wie besprochen.“
Und weg ist er. Ein kummer Hund, der Saupreuss! Aber ich kann nix dagegen unternehmen. Muss ich die Krot‘ halt schlucken. Na ja, wenigstens ein schöner Spaziergang im Mondlicht. Und diese Sternbilder! Direkt exotisch! Und so friedlich! Jetzt kann mir eh nix passieren, ich habe nichts eingesteckt. Wie das Wasser schön rauscht! So warm, und weich! Da könnt‘ ich mir ja direkt die engen Schuh‘ ausziehen, und ein bisserl am Strand entlang marschieren. Nasse Füß‘ kriegen…Genießen…Aufpassen muss ich halt, wo ich draufsteig‘, auf die Stachel-Viecher und die ganzen Scherben. Na, am End‘ lass‘ ich die Schuh‘ lieber an. Ist ja nicht mehr weit. Einen Scherben im Fuß brauch‘ ich wie einen Kropf. Das Krankenhaus? Ich sag‘ dir! Das ist irgendwo dort, wo die Hund‘ mit dem Schwanz bellen. Und die Apparate dort? Vorsintflutlich! Ich sag’s ja immer: Was hat dich da nur für ein Teufel geritten, ausgerechnet hierher zu kommen. Saupreuss, dreckiger! Kalt wie eine Hundeschnauze! So, jetzt sind wir fast da. Sperrzaun, Türlsteher, Herrgott, tut’s doch weiter, Bagage!
Ein bisserl aufgeregt bin ich schon, nicht wahr. Puhh, wenn da nix schiefgeht. Hat eh blöd g’schaut, der blade Herr Nachtportier, wie ich da so frech durchmarschier‘, durch seine feine Lobby! Nix mehr mit Personaleingang! Wurscht! Hauptsach‘, drin! Aufzug, Penthouse. Net schlecht. Penthouse. Das hab‘ ich bisher nur aus der Trafik gekannt. Neunte, zehnte, elfte Etage…wie der zischt, mein Lieber. So. Oben. Wo ist…ja, hier ist der Aufgang. Wie war die depperte Parole? Ah ja. Klingeln nicht vergessen.
„Ich bin gestern im Theater gewesen.“
„Und ich geh‘ morgen ins Kino.“
So, das hat geklappt. Reinkommen soll ich. Aha. Da sitzt der Bodyguard vom Chef. So hab‘ ich mir das vorgestellt. Ein riesiger Glatzkopf mit Muskeln und kein Hirn drin. Wurscht, geht mich nix an. Jaja, lassen Sie uns nur zur Sache kommen, werter Herr. Soso, das ist also ein Kilo Kokain. Sehr interessant, wie das ausschaut. Wie weicher Kandiszucker. Und stinken tut das! Grauslich! Ja, ich nehm‘ das jetzt an mich, und der Rest wie besprochen. Gut, ich geh‘ schon. Nix wie heim. Wundert mich ein bisserl, wie gut das gelaufen ist. Na, warum soll ich nicht auch einmal Glück haben. Ich weiß ja eh schon, wo ich das Packerl verstecken werde. Das geht dann rumpel di pumpel, furt ist der Kumpel, depperter Saupreuss! Wo die uns Animateure einquartiert haben, diese Hund‘! Gleich neben der Kläranlag‘! Na, dafür stinkt’s halt nicht nach dem andren Glumpert. Ob ich das probieren soll? Weil wenn du die Ware nicht kennst, die du vertschepperst, können dir die Kunden am End‘ deppert daherkommen. Qualitätskontrolle, dann weißt du, wo der Hund begraben liegt. So, drin sind wir. Hmmhmhmm, muahahaha. Geht ja. Schnell weg mit dem ganzen Werkel…ja, wer klingelt denn jetzt? Ein depperter Kolleg‘ am End‘? Nein, die traun‘ sich nicht. Ein depperter Tourist sicher! So eine Frechheit, ja wissen die nicht, daß unsereins seinen Schlaf braucht? Na, dem wird‘ ich was erzählen! Die Tür aufgerissen… JA BITTE??? Was ist denn das für ein grauslicher Typ. Lederjacke, Schnurrbart, Vokuhila. Sicher ein Österreicher! Was hält der mir für eine Plakette hin? Mit einem Adler drauf? Ist das ein Nazi? Bei mir??? Was steht da?...I..M…I ..N. AL .PO… Was sagt er?
„Habe d’Ehre, Herr Kubitschek! Sie wissen ja, den Letzten beißen die Hund‘!“

Nummer 373


Die demnächst anstehende Vorratsdatenspeicherung, oder VDS (ein übrigens typisch deutsches Wort: eine morphosemantisch motivierte Wortneubildung durch Aneinanderreihung von Substantivierungen uns Fugen-"s"), zwingt jeden zivilen Staatsbürger ab April a priori in einen permanenten Anfangsverdacht und dadurch in ein permanentes Abwehrverhalten. Wenn es dann passt, sobald etwas gegen jemanden "vorliegt", wird zugegriffen. Auf die daten ante quo. Also werden wir alle in Zukunft unsere Spuren verwischen müssen, was uns zusätzlich verdächtig macht. Eine Spirale in Gang gesetzt, die wer weiß wie enden wird. Ich sehe mich in meinen dsystopischen Wurst-Käse-Szenario-Visionen bestätigt, daß es bald im Internet zusätzlich zu den bösartigen Blockwächtern auch so etwas wie behördliche Link-Fallen geben wird, mit allen Schikanen, im Auftrag von Fernsehen, Krankenkassen, Behörden, aber auch mitfinanziert durch Konzerne, Versicherungen, Banken etc. um behavioristisch Rückschlüsse auf das Innenleben der User zu erhalten, eben den Bürger, ihn als Konsumenten hinterlistig zu verführen, um ihn später als Staatsbürger bzw. Patienten oder Hilfsempfänger zu bestrafen. Natürlich ohne Unschuldsvermutung wie für Prominente, aber dafür mit deren Sanktionspflicht verbrämt, um meinerseits einmal ein Wort der Prolet-Ministerin zu überwachen. Je nach Bildungsgrad wird dann zugeschlagen, von Staats aus, proaktiv sozusagen, gleich das Abführmittel verabreichen und auf dem Scheißhaus anketten. Wir sind ja alles ARSCHLÖCHER.

Nummer 372

Donnerstag

Nummer 371

Ein weiterer der empfehlenswerten Filme ist  "The King's Speech" von 2011.

Das nächste angelsächsische Dokudrama, wieder mit Colin Firth. Hintergrund der Geschichte ist der Kampf gegen das Stottern des Königs (wirklich sehr gut: Colin Firth), bzw. früheren Herzogs, ein schüchterner, stotternder Marineoffizier, dem unvermittelt die Königswürde zufällt, weil sein flittchenhaft blonder Bruder (herrlich unsympathisch: Guy Pierce), der in schweren Zeiten lieber in der Gegend herumschnackselt, als seine Pflichten wahr zu nehmen, und aus Trotz abdankt. Dann, wie Helge Schneider (lustig: Helge Schneider) sagen würde, kommt der Krieg. Und der König muss nun über das Radio zu seinen vielen Völkern reden. Der Rest ist Geschichte. Na, klingelt's? Diese unverbesserlichen Angelsachsen, mit ihrer Geschichtsversessenheit! Was für eine Labsal! Sie pflegen eine Tradition, nämlich eine Tradition zu pflegen, ohne sich dafür zu schämen. Na, in Deutschland gibt es bis auf den Hitler zum Glück nichts, wofür man sich zur Epoche zu schämen hätte. Stellen wir uns vor, 1000 Jahre "deutsche" Geschichte, zumindest als sprachlich-sozialgeographischer Raum, und immer nur NAZIS! NAZIS! NAAAZIS!!! NARZISS?
Wer könnte so ein krankes Gehirn haben, sich so was vorzustellen, geschweige denn, zu unterstellen
Ganz GROSSE Rolle für Geoffrey Rush, australischer Charakterdarsteller, der den australischen Logopäden mimt. Freunden des Genre-Kinos seit Shakespeare in Love bekannt und mir als Peter Sellers besonders ans Herz gewachsen, ist er der ganzen Welt als Captain Barbossa  in der Schwachkopf-Serie Pirates of the Caribbean bekannt - ja, der mit dem langen bösen Bart - ich gönne ihm vom Herzen die MILLIONEN!!!!

Nummer 370

Lustig: Anders Breivik soll ins Irrenhaus kommen. Dort kann er, so das Kalkül, reden was er will. Aber nur dort. Außer ein paar Verrückten wird ihm niemand zuhören. Zustände wie in der Sowjetunion.
Traurig: 8000 Gaddafi-Anhänger werden von libyschen "Milizionären" Bani Walid illegal gefangen gehalten und gefoltert. CIA: Mission accomplished. 
Klassikaner: Investor George Soros prophezeit badligen Währungskollaps, Straßenschlachten und als Reaktion drauf flächendeckenden Polizeistaat, vergleicht aktuelle Situation mit Untergang der Sowjetunion. 

Sonntag

Nummer 369

Das Wort der Anderen:



TÜRKISCHE KÜCHE


Salat des Schäfers



Vorbereitung : Schnitt-Zwiebeln kreuzweise dünn und Sprühregen mit etwas Salz. Verwenden von Händen drückt Zwiebeln, bis sie verwelkt werden, dann waschen sich und Abfluß. Platz-Zwiebeln im Salat bowlen und Hieb-Tomaten, Pfeffer und die Gurke. Fügen Sie gehackte Petersilie hinzu. Stellen Sie Öl, Salz und Essig in einer kleinen Schüssel und Wischen mit einer Gabel und breiten Sie sich über den Salat gleichmäßig und Werfen aus. Verzierung mit reifen Oliven.
Guter Apetite.

http://www.turkiyeninrehberi.com/de/t_mutfagi/coban_salata.asp

Nummer 368

Gestern war in den Öffentlichen wieder einmal Film-Star-Double-Day. Ich glaube außerdem, die meisten dieser unfreiwilligen Doubles wissen gar nicht, wem sie ähnlich sehen. Nun, heute habe ich Viggo Mortensen (Aragorn), Robin Williams, Jodie Foster und Peter Dinklage (Tyrion Lannister in "Game of Thrones") bei sehr alltäglichen Tätigkeiten wie Nasenbohren, Coffee-to-Go-Schlürfen, Leberkässemmelmampfen und Glotzen in die U-Bahn-Gratiszeitung beobachtet. Ja, ist auch Wurst, ich weiß schon. Aber bitte mit Sahne!

Samstag

Nummer 367

Gestern vor nunmehr 70 Jahren fand in einer repräsentativen Villa am Berliner Wannsee die berüchtigte Wannsee-Konferenz statt. Unter der Regie von Reinhard Heydrich wurde im Kreise oberster Spitzen von Staat, Partei und SS die Endlösung der Judenfrage erörtert und beschlossen. 15 Männer entschieden das Schicksal von 15 Millionen Menschen. Innert 85 Minuten. 
Eine erschütternde Verfilmung dieses für Europa und die Welt traumatischen Ereignisses wurde 1984 in Berlin unter deutscher Regie (Heinz Schirk) und nach deutschem Drehbuch (Paul Mommertz) gedreht. Sehr unglamourös und dennoch zielgenau. Was mir besonders gefallen hat: Keiner dieser Männer wird als besonderes Monster oder Ekel dargestellt. Das besorgt schon allein ihre Sprache. Diese Herren wirken eher wie die typischen biederen Piefke, mit dem einen oder andren könnte ich, rein äußerlich betrachtet, sogar auf ein Bier gehen, solange keine politischen Themen besprochen werden. Und genau das ist so verstörend an diesem Fernsehfilm: Ginge es nicht um die akribisch geplante Ermordung von Millionen Menschen, könnten wir auch, sagen wir, einer Sparvereinssitzung beiwohnen. 

Ganz anders geartet ist die angelsächsische Produktion "Conspiracy" von 2001. 
Hier ist der Titel Programm, und das Star-Aufgebot (unter andrem mit Stanley Tucci, Kenneth Branagh, Ian McNeice, David Threlfall und Colin Firth) bemüht sich nach Kräften, die Konzeption "Good cop/ bad cop" mit Plausibilität zu füllen. Das bedeutet, gegen jede historische Gewissheit sind die Uniform-Jungs von SS, SA, SD und Partei die Schergen, die Bitterbösen; hingegen sind die Herren in Nadelstreif aus der Spitzen-Ministerialbürokratie richtige deutsche Gentlemen, die gegen ihren Willen von den Schulhofschlägern in Uniform zum Mitmachen gezwungen werden. Nun, die Engländer können mit dieser Thematik, eben mit dieser Thematik, gelassener umgehen als das Tätervolk, und dürfen die Sympathiepunkte rein nach der Physiognomie ihrer Darsteller vergeben. 
Es bleibt dem Zuschauer überlassen, was ihm besser gefällt:
Karges Kammerspiel oder üppiges Genre-Stück. 

Freitag

Nummer 366

Pornography? It's just a fucking business!

Donnerstag

Nummer 365

Kanzler-Kanal 2013?

Dienstag

Nummer 364

Aller miesen Ficker sind 3. Oder 300. Oder 3000? Wer vermag noch, ihre Menge zu zählen? Egal. Mir scheint, es sind die miesen Ficker, die ihren inneren Kompass auf Kollisionskurs gesetzt haben, gar im Bewusstsein, nicht auf der Titanic zu sitzen, sondern auf dem Eisberg. Ob nun die Finanzmärkte, die Rating-Agenturen, die FED, die Deutsche Bank, die Hedge-Fonds, die Lehman-Brothers oder Sub-Prime (ja, ja, Kapitalismus heißt Wohlstand für Alle"™), ob nun Somalia, Kosovo, Iran, Syrien, Türkei, Pakistan, Libyen, Ägypten, Jemen, Irak, Afghanistan (ja,ja, "Islam heißt Frieden"™), ob nun der US-Senat, die EU-Kommission, ob nun Österreich, Ungarn, Zypern, Deutschland, Griechenland, Italien, Spanien, England, ob nun Parlamente, Politiker und Prominente (ja, ja, "Demokratie heißt Freiheit und Gerechtigkeit"), nirgends sehe ich im Moment den Willen zum Konsens. Zynisch gedacht: Wozu auch? Die miesen Ficker, und zwar alle von ihnen, machen in der Krise jede Menge Reibach. Ich meine, sie habe auch schon vor der Krise Reibach gemacht, und zwar, bist fast alle Menschen pleite waren UND total verschuldet. 
Wir dürfen dabei nicht vergessen, daß 2001 zwar 9/11 war, aber auch über EIN JAHR seit Platzen der Dotcom-Blase, dem großen Internet-Börsenkrach, der wiederum Abschluss war der knapp 10 Jahre Globalisierung nach Zusammenbruch der Sowjetunion.   
Eine Zinsen basierte Wirtschaft braucht offensichtlich Schulden zum Wachstum. Durch Zinseinnahmen reich zu werden bedeutet nämlich gleichzeitig auch, durch den Wertzuwachs unfreiwillig der Inflation Vorschub zu leisten, die wiederum den Zinsgewinn schmälert, sich offensichtlich aber zu rentieren scheint, solange es diesen Unterschied eben gibt. Diesem, der Kurs-Gewinn, sind aber in der Zinsen-Wirtschaft mathematische Grenzen gesetzt. Dann implodiert sie. Wer nun meinte, die FI begnügte sich nach dieser wissenschaftlichen Einsicht mit dem bisher Erreichten, irrt. Denn die miesen Ficker der Finanzindustrie hatten da bereits ein Zukunfts-Karussell in Gang gesetzt. Der realen Welt im Wert 1000 Jahre voraus, doch dessen morgige Profite schon seit gestern verspekuliert. Zinsknechtschaft, die tatsächlich weit mehr als nur die 3 vermuteten Generationen eines Hugenberg erreicht. Um die Crash-Folgen gerecht zu verteilen, ging die FI dazu über, auch Privatpersonen Kredite zu geben wie früher nur Firmen, samt allen damit verbundenen Gefahren, für den Schuldner, freilich. Und mit krimineller Energie durchgeführt. Natürlich wird niemand dazu gezwungen, so einen Sub-Prime-Kredit zu unterschreiben, dennoch sollte jeder so einen Kreditbrief vor der Unterschrift  wenigstens lesen. Man hat dann den Leuten gesagt, sie können den Sub-Prime-Kredit fürs Haus mit einem Kredit aufs Haus bedienen und....SNAP! Aus die Maus! 
Die nächste dicke Tranche an Verlust-Minimierung war, dem Rest der Welt diesen Giftmüll als Delikatesse unterzujubeln. Geiz ist geil! und....SNAP! Aus die Maus!
Den Rest durfte sich der Steuerzahler... SNAP! SNAP SNAP! einverleiben. Aus die Maus weltweit.           DER GRÖSSTE BANKRAUB DER GESCHICHTE. 
Anschließend an den größten Ponzi-Scheme, also Schneeball-System der Geschichte, wohlgemerkt.
Letztendlich scheint es, als ob sich die Schuldenkrise direkt auf 9/11 zurückführen ließe, leider, so scheint es, werde Osama bin Laden Erfolg haben, aber ganz anders, als er sich das vorstellen konnte, aus anderen Ursachen, aber auch mit völlig andren Konsequenzen, als er sich das wohl gewünscht hätte. Auf den mächtigen wirtschaftlichen Dämpfer, der dem Einsturz der Twin Towers folgte, reagiert die FED auf Geheiß des Präsidenten (oder umgekehrt?) mit einer sagenhaften Geldflut-Politik zu Proforma-Zinsen. Das Blut wird mit Eimern ins Haifischbecken gegossen. Die Wall-Street-Regierung im Weißen Haus streicht außerdem die letzten der lästigen kleinen verbliebenen Vernunft-Anker der Beschränkung für die hungrigen Finanzhaie - soweit nicht Bill Clinton bereits seinen Wirtschaftsboom mit der Liberalisierung der Regeln für Börsen etc. finanziert hat. Jetzt werden die Kuhherden zu den Becken geführt. Das Massaker beginnt. Nichts Neues. Aber: 
Mit einem Schlag infizieren die Finanzkonstrukte nun auch die Realwirtschaft. 
Denn auf der Suche nach Rendite für Fonds und so weiter, müssen nunmehr selbst lokale Papiermühlen und Zementwerke auf dem Weltmarkt "bestehen".  
Die Globalisierung. Die Firmen haben IMMER an ihr verdient. Eine Zeitlang auch wir in Europa, als Konsumenten. Dann wurden viele Konsumenten durch die Globalisierung zu Arbeitslosen. Auch noch kein Problem. Du hast deinen versicherungspflichtigen Job verloren an die junge, hungrige Konkurrenz in Mexiko, Bangladesh, Marokko und Rumänien? Wie? Was? Du warst selbst erst vor Kurzem bei Kik und Ikea? Ferien in Kenia? Wo das steht? Im Kleingedruckten? Ja, sag du das mal den miesen Fickern, mit Nachdruck! Ist aber noch immer kein Problem, da die öffentlichen Kassen VOLL sind. Gehste nu eben ma in Frührente, ne, mit 1.400,- Netto plus Häuschen, Versicherung, Sparstrumpf etc. Na gut. Aber dann werden es immer mehr, mit immer weniger Geld, und de Motor fängt an, zu stottern. Zusätzlich sind unsere Straßen mit einem Mal voller Leute, die unsere Jobs für die Hälfte besser erledigen. Puh. Das Netz - es zieht sich immer mehr zusammen, dabei wird es doch immer löchriger...ein chaotisches Phänomen. 
Seit 2008 beutelt uns zusätzlich eine dritte Finanzkrise.
Die Welle schwappt zu uns zurück.
Globalisierungskrise!
Dazu die aktuelle Schuldenkrise!
An der wiederum die verdienen, die sie uns eingebrockt haben.
Wer jetzt ein leichtes Jucken in den Fingern verspürt, dem sei's nicht vorgehalten.
Das Dilettanten-Theater seiner Elite juckt uns ja viel tiefer.
Medien, Politik, Kunst, Verwaltung und Wissenschaft - überall tun sich Abgründe aus Korruption, Betrug, Nepotismus auf.
Kaum jemand erregt sich.
Wer auch? Bei unseren "Tageszeitungen" und der ORF-Propaganda werden gut 7 Millionen Österreicher verarscht. Denen ist alles Wurscht, solange sie ihr Fressen und ihren Alk und die Tschick haben. Die breite Masse besteht aus bestenfalls Halbgebildeten, also Arbeiter, Busfahrer, LKW, Maurer, dazu 40% Maturanten, für die Angestelltenjobs in Industrie, Handel und öffentlichen Veraltung, sowie Facharbeitern, Handwerksmeister, garniert mit großstädtischem Sozialhilfe-Adel und zusätzlich 10% Migranten aus aller Welt (dank desaströser Einwanderungspolitik auch hier kaum Akademiker). Es wird fern gesehen, aber wenig gelesen, Play-Station gespielt, aber wenig Bewegung gemacht, in diesen Milieus. Alles verfestigt, nicht mehr aufzulösen. Aber alles Wählerstimmen, natürlich. Das sogenannte Stimmvieh, Menschen mit der Gedächtnisleistung eines Kanarienvogels. Am andren Ende der Skala lagert die Crème de la Crème rasch die Devisenkonten um, wandert mit Diplomatenpass und Geldkoffern über Grenzen, bunkert Vermögen in Stiftungen, zahlt keine Steuern und droht mit Liebesentzug. Egal. Die Zeche begleicht der Mittelstand, hüben wie drüben. In unseren Gesellschaften lässt sich im Moment NICHTS VERÄNDERN, von dem, was wichtig wäre, denn es würde im selben Augenblick das ganze Kartenhaus ZUM EINSTURZ BRINGEN. 
Und genau davor haben sie so Schiss, die miesen Ficker
In Regierungen, Regie-Räumen, Redaktionen, Ratingagenturen.
In Versicherungen, Hausverwaltungen, Einzelhandel, Krankenhaus, Postamt, öffentlicher Verkehr, überall maximale Kosten für minimale Leistungen. Reich und arm werden subventioniert, der Mittelstand löhnt dafür. Ganz tolles Programm.
Wird sich bestimmt noch lange fortführen lassen.
Zum Glück scheint heut' die Sonne.
Morgen könnt's schon hageln.
Guten Abend. 
Auf der Titanic. 

Montag

Nummer 363

Playwright Jim Sherman wrote this after Hu Jintao was named head of the Communist Party in China.

HU'S ON FIRST
By James Sherman:

Scene: The Oval Office. Enter the National Security Adviser, Condoleeza
Rice.)
George: Condi! Nice to see you. What's happening?
Condi: Sir, I have the report here about the new leader of China.
George: Great. Lay it on me.
Condi: Hu is the new leader of China.
George: That's what I want to know.
Condi: That's what I'm telling you.
George: That's what I'm asking you. Who is the new leader of China?
Condi: Yes.
George: I mean the fellow's name.
Condi: Hu.
George: The guy in China.
Condi: Hu.
George: The new leader of China.
Condi: Hu.
George: The Chinaman!
Condi: Hu is leading China.
George: Now whaddya' asking me for?
Condi: I'm telling you Hu is leading China.
George: Well, I'm asking you. Who is leading China?
Condi: That's the man's name.
George: That's who's name?
Condi: Yes.
George: Will you or will you not tell me the name of the new leader of
China?
Condi: Yes, sir.
George: Yassir? Arafat is in China? I thought he was in the Middle East.
Condi: That's correct.
George: Then who is in China?
Condi: Yes, sir.
George: Yassir is in China?
Condi: No, sir.
George: Then who is?
Condi: Yes, sir.
George: Yassir?
Condi: No, sir.
George: Look, Condi. I need to know the name of the new leader of China.
Get me the Secretary General of the U.N. on the phone.
Condi: Kofi?
George: No, thanks.
Condi: You want Kofi?
George: No.
Condi: You don't want Kofi.
George: No. But now that you mention it, I could use a glass of milk.
And then get me the U.N.
Condi: Yes, sir.
George: Not Yassir! The guy at the U.N.
Condi: Kofi?
George: Milk! Will you please make the call?
Condi: And call who?
George: Who is the guy at the U.N?
Condi: Hu is the guy in China.
George: Will you stay out of China?!
Condi: Yes, sir.
George: And stay out of the Middle East! Just get me the guy at the U.N.
Condi: Kofi.
George: All right! With cream and two sugars. Now get on the phone.
Condi (On the phone): Rice, here.
George: Rice? Good idea. And a couple of egg rolls, too. Maybe we should
send some to the guy in China. And the Middle East. Can you get Chinese
food in the Middle East?

Nummer 362

Unsourced Prince Philip


I am actually a large piece of cheese. (1953)
To Francesco De Burgemile, upon hearing of his whimsy of gullibility.

Where did you get that hat? (1953)
To his wife, the Queen, immediately after her coronation

The only active sport I will follow is polo - and most of the work is done by the pony. (1965)

British women can't cook. (1966)

The bastards murdered half my family. (1967)
When asked if he would like to visit the Soviet Union

I'm one of those stupid bums who never went to university, and a fat lot of harm it's done me. (circa 1968)

What do you gargle with - pebbles? (1969)
Said to Tom Jones after the The Royal Variety Performance

Everybody was saying we must have more leisure. Now they are complaining they are unemployed. (1981)
Said during the 1981 recession

You must be out of your minds. (1982)
To Solomon Islanders on being told that their population growth was 5% a year

You are a woman, aren't you? (1984)
Said in Kenya to a native woman who had presented him with a small gift.

If you stay here much longer, you'll all get slitty-eyed. (1986)
Said to British students in China

If it has four legs and is not a chair, has wings and is not an aeroplane, or swims and is not a submarine, the Cantonese will eat it. (1986)
Said at a World Wildlife Fund meeting

Your country is one of the most notorious centres of trading in endangered species in the world. (1991)
Said in Thailand after accepting a conservation award

You can't have been here that long - you haven't got a pot belly. (1993)
Said to a Briton in Budapest, Hungary

Aren't most of you descended from pirates? (1994)
Said to an islander in the Cayman Islands

How do you keep the natives off the booze long enough to get them through the test? (1995)
Said to a driving instructor in Scotland

If a cricketer, for instance, suddenly decided to go into a school and batter a lot of people to death with a cricket bat, which he could do very easily, I mean, are you going to ban cricket bats? (1996)
Said amid calls to ban firearms after the Dunblane shooting

Bloody silly fool! (1997)
Referring to a Cambridge University car park attendant who failed to recognise him
You managed not to get eaten, then? (1998)
Said to a student who had been trekking in Papua New Guinea
It looks like it was put in by Indians. (1999)
Said after he saw a poorly constructed fusebox

Deaf? If you are near there, no wonder you are deaf. (1999)
Said to young deaf people in Cardiff, referring to a school's steel band

Oh! You are the people ruining the rivers and the environment. (1999)
Said when he met three young employees of a Scottish fish farm

Oh, it's you that owns that ghastly car - we often see it when driving to Windsor Castle. (2001)
Talking to Elton John after he told Prince Philip that he had sold his gold Aston Martin

Do you still throw spears at each other? (2002)
To an Aboriginal man on Australia's Tjapukai Aboriginal Cultural Park

You were playing your instruments, weren't you? Or do you have tape recorders under your seats? (2002)
Said to a children's band in Australia

Do you know they have eating dogs for the anorexic now? (2002)
Said to a blind woman with a guide dog

If you travel as much as we do you appreciate how much more comfortable aircraft have become. Unless you travel in something called economy class, which sounds ghastly. (2002)
Commenting during the Jubilee tour

The problem with London is the tourists. They cause the congestion. If we could just stop tourism, we could stop the congestion. (2002)
Commenting on the London traffic debate after Mayor Ken Livingstone launched his plan to charge motorists £5 to enter the city

French cooking's all very well, but they can't do a decent English breakfast. (2002)
Aboard the floating restaurant 'Il Punto' on the river Orwell in Ipswich, after thoroughly enjoying an excellent full English breakfast (Il Punto is owned by Frenchman Regis Crepy)

It is surprising the way things have changed since I first became chancellor of a university 50 years ago. (2003)
Source: Opening a new research centre at the University of York
The statement was widely misrepresented as referring to the University of York itself, rather than the University of Edinburgh, of which Prince Philip is Chancellor. (The York Chancellor at the time was Janet Baker, and the university was celebrating its fortieth anniversary.)

It doesn't look like much work goes on at this University. (2005)
Overheard at Bristol University's BLADE (Bristol Laboratory for Advanced Dynamic Engineering) facility, which had been closed in order that he and the Queen could officially open it
You look like you're ready for bed!
Said to the President of Nigeria, who was dressed in traditional robes

Never pass up a chance to go to the loo or to take a poo.
When asked his secret for dealing with public appearances

If people feel it has no further part to play, then for goodness sake, let's end the thing on amicable terms without having a row about it.
On sentiment against the British monarchy

If you see a man opening a car door for a woman, it means one of two things: it's either a new woman or a new car!

Edinburgh: And what exotic part of the world do you come from?
Lord Taylor: I'm from Birmingham. (1999)
An exchange with Lord Taylor of Warwick, who is black

"Brazilians live there"
Prince Philip on the "key problem" facing Brazil

"Do we need ear plugs?"
At the Royal Premiere of the James Bond film Die Another Day, on being told that Madonna sung the theme song.

"Damn fool question!"
Said to BBC journalist Caroline Wyatt after she asked Queen Elizabeth if she was enjoying her stay in Paris.

"Any bloody fool can lay a wreath at the thingamy."
From an interview with Jeremy Paxman

Nummer 361

DIE GELBE COUCH 10.07.2002



Ja, da stand sie. Die Legende. Schon etwas abgenutzt, der Stoff leicht rissig, von der Sonne molekular angesengt, die Farbe etwas ausgebleicht, aber unverkennbar die Gelbe Couch. Sie war zum Synonym geworden. Sie stand für herzhafte Spaghetti-Mahlzeiten, verzehrt im Kreise Gleichgesinnter. Sie war Sitzfläche, Basis sozusagen, für vielerlei Hosenboden, die dort Platz genommen hatten, und sich, mehr oder minder nüchtern, daraus wieder erhoben hatten. Ja, das war schon was. Doch dann waren die Geschwader auseinander gedriftet, ankerten nicht mehr alle Schiffe im selben Hafen.

Abartig? Aber nein, wo denken Sie hin! Alles hierzulande hat eine große Vergangenheit!

Ja, nun hieß es langsam Abschied nehmen, von der Gelben Couch. Denn bald würde der Krieg kommen, und sie alle, die so gerne auf dem Liegesofa sich hingefläzt, herrlich gelbe, freundliche Träume auf ihr gehabt hatten, würden noch froh sein, wenn sie ihr nacktes Leben würden retten können. Sie würden die Galgenfrist behände nützen, futtern, kiffen und lachen, bis ihnen die Bäuche wehtaten. „Wir tun einfach nicht, was wir sollen!“. Das war ein geläufiges Argument, um sich vor der Armee zu drücken. Diesmal würden sie in ein volles Loch treten, um nicht mehr darauf rein zu fallen.
Manche steckten noch ein wenig fest, aber das Leben würde ihnen schon noch weiterhelfen. Andere hingegen machten alles richtig und waren trotzdem am Durchdrehen, der Rest kämpfte an beiden Fronten.
Die Gelbe Couch würde wie ein gigantisches Glühwürmchen quer durch die Generationen dampfen, immer weiter leuchten, sie alle wärmen und beschützen. Im Geiste gäbe es immer dampfende Schüsseln plus klirrender Gläser, Zentralheizung, gedämpftes Licht in gehobener Atmosphäre.
Erschöpft, aber erleichtert sanken die alten Helden nieder, streckten sie die Beine lang, und schliefen sogleich ein.
Stunden schlichen vorüber, auf leisen Spinnenbeinen.
Als sie wieder erwachten, waren sie erst mal ordentlich hungrig und durstig.
Außerdem wollten sie den Ofen heizen.
Oh ja, wie sie da saßen, schartig, aber fröhlich, kichernd über eine Porzellanschale gebeugt, in der sie Milch und Johannisbeersaft miteinander verrührten. Biere wurden geöffnet, Tüten geschüttelt, es knisterte. Sie tröpfelten langsam zusammen, sie gaben die Zwergen- Lasten an der Türe ab, stapelten die Rucksäcke und Schlafmatten in einer Ecke, wo ein riesiger Barockspiegel stand.
Die Rufe nach Essen wurden immer lauter und lauterer, bis vor lauter lauter Lauterkeit der Koch sich überwinden musste, zu kochen, sich an den Herd stellte.
Hunger ist eine schlimme Sache.
Deswegen kochte er lauter gutes Zeug.
Der Smutje und Gastgeber plünderte Schränke, Kommoden und Vorratskammern, häufte Spezialitäten aus aller Welt auf überbordende Platten, versorgte die Meute mit handfester Grundlage für spätere Exzesse.
Lage um Lage wurde aufgefahren, mit lautem „HALLO!“ begrüßt, Hände rissen die dicksten Brocken aus dem Korpus und an sich, zollten Tribut an den Koch, schwelgten und prassten.
Der Chef schwitzte derweilen in der Küche, überblickte kaum die dampfenden Kessel und Schüssel, komponierte aus dem Chaos eine Suite der Genüsse.
Er war sich auch dessen bewusst, dass er da draußen hungrige Raubtiere versorgte, die sich sonst eher von Aas und kranken Tieren ernährten, blickte genau darum über ihre Gier tröstlich lächelnd hinweg.
„NO MONEY DOWN!“ brüllte er hinüber, sie mussten alle herzlich lachen.
Es war wie im Märchen:
Aus Zeitungsjungen waren große Zeitungsjungen geworden.
Die Hälfte war bereits getan worden.
Zum Beispiel hatten sie aufgehört, Coca Cola zu trinken, oder zu McDonalds zu gehen. Natürlich waren sie nur Tropfen auf heißen Steinen, aber es war immer noch besser, als einfach so verdampft zu werden. Die Veteranen hatten nicht aus Gaudi ihre Narben erhalten, im Kampf, fürs Karpfenessen, sondern im Versuch, die Wahrheit zu retten. Da hatten sie sich bewähren müssen, oder untergehen. In der Tat waren einige an der letzten Planke gelandet, es bestand also Hoffnung, sie einmal rauszufischen. Im Endeffekt war es eine hohe Auszeichnung, für den Hausherrn, dass so hoch dekorierte Buschmänner es überhaupt in Erwägung zogen, bei ihm einen Snack einzunehmen. Er schnappte sich das Tablett mit Saltimbocca alla Romana,
das milde Aroma der Salbei stimmte ihn linde. Salbei. So ein Labsal. Er streckte die Brust raus und stolzierte in den Salon.
Applaus brandete auf, dazwischen trunkene Schwüre wie „Ehre, wem Ehre gebührt“, und lieb gemeinte Sticheleien wie „Wo hast du denn das gekauft?“. „Beim Wörstinger am Bahninger, wo sonst!“, lautete die wohlgesetzte Antwort, und damit war der Reigen eröffnet.
Jeder kann sich nun selbst den Schmaus vorstellen, der da anhob, und munter wurden die Schranken durchbrochen, die das Publikum von den Akteuren trennte.
Am Ende dann rollten leere Champagnerflaschen über den gebohnerten Boden, und fettiges Besteck, Kerzen ließen ihr Wachs auf die stählerne Tischplatte tropfen, das Gelächter nahm kein Ende mehr, denn jeder wusste den einen oder anderen lustigen Schwank aus seinem Leben erzählen.
Sie waren wilde Kinder!
Wenn das die Mamma wüsste!
Lassen Sie mich nun die Korsaren im Einzelnen vorstellen, während der besoffene Koch die dreckigen Pfannen putzt, denn das kann er am besten:
Da wäre zuallererst Prinz Valium, der seinen Namen nicht etwa einer Tablettensucht verdankte, sondern seiner gediegenen Denkweise. Er war ein seltsamer Patron, ein echter Zampano seiner selbst, ein ewig hin und her Gerissener, ein verklausulierter Versuch der Mutation, sich für einen Weg zu entscheiden. Da er eben immer jede nur denkbare Möglichkeit in Betrachtung gezogen hatte, musste er erst ihre Auswirkungen bis in die feinste Kapillare durchdenken und sich am Schluss für irgendeine Variante entscheiden. Das dauerte natürlich. Dann wurde aus dem Fröhlichen ein mürrisches Hutzelzwergigi, obwohl er das gar nicht wollte. Doch das echte Mysterium war, dass dann doch noch ein Gegenargument auftauchte, Zweifel sich ankündigte, und erst erdbebenartige Erschütterungen den rechten Pfad wiesen. Prinz Valium war ein Heiliger.
Dann noch der Stahlkocher, wie sie ihn wegen der blauen Augen nannten. Auch er ein Weitgereister, ein Kenner und Schätzer fremder Wässer. Er konnte wunderbar singen und dabei die Stimme so verstellen, dass es wie ein ganzer Chor klang. Stahlkocher liebte den Rausch und den Luxus, und baute sich Stein für Stein ein kleines Königreich auf. Ein Elitekrieger orientalischer Art, fern den Gefilden der Feigheit, ein unerschütterlicher Mahner, der auch gerne grinste und einen guten Single Malt schätzte. Stahlkocher verbarg unter seinem Panzer eine wunde Seele, die keinen Bock mehr hatte, wund gescheuert zu werden von der Neugier, ob denn wahre Liebe in ihr ein Obdach hat. Stahlkocher war in seinem Schmerz am liebsten allein, kannte kein Unbehagen vor der Stille, die er so liebte, dass er sie oft für die anderen vertrieb.
Berglamp war der nächste. Der lange, dünne Mann forschte nach den Geheimnissen des Ursprungs, vergrub sich lange Nächte von Jahrzehnten in schummrigen Bibliotheken, saugte das Wissen seiner Meister in sich auf, um es an die nächsten Eleven weiterzugeben. Man konnte sehen, wie oft er sich die Haare gerauft hatte, während der Studien, kannte seine Vergangenheit mit anderen Wissenschaftlern, als sie gemeinsam versucht hatten, durch Schallwellen Neue Welten zu konstruieren. Unerschütterliche Ruhe verband Berglamp mit der Mitte des Universums, seine Zehenspitzen berührten sie ständig, dermaßen geerdet konnte er Brot und Samen erfolgreich verteilen. Bei alledem war sein Witz immer hintergründiger geworden, sphärischer und sehr, sehr giftig.
Zu guter Letzt, aber nicht als Letzter, saß da noch Babyface, und futterte Tagliatelle, ein ernster Mann dessen Kinn kein Fläumchen trübte. Oft hielt man ihn wegen seines korrekten Aussehens für einen Gesetzeshüter, aber er hatte diese Karriere-Sprosse schon lange hinter sich gelassen. Nun konnte er seine Fäden inmitten des Systems spinnen, weil sie ihn für größtenteils harmlos hielten. Was für ein Fehler! Hinter der glatten Fassade beäugte ein wahrer Jünger des Machiavelli seine Umwelt, sah vieles, vergaß nichts. Babyface war der Gerissenste von ihnen allen, und er hätte ein höchst erfolgreicher Krimineller, ein Parade- Gentleman-Gangster werden können.  
Einer, der in Juan le Bains, als es noch was wert war, reichen amerikanischen Erbinnen Höschen und Schecks abschmeichelt. So aber jagte er im Musentempel nach Glück, selten zufrieden mit seinem Erfolg.
Ja, und über den Koch ist eigentlich nicht weiter zu sagen, als dass er einfach für seine Größe viel zu dick war. Das wussten aber eh schon alle, und damit war er auch schon wieder abgemeldet, als negative Sensation. Was aber ohnehin nur er so empfunden hatte, oder auch nicht, was weiß ich, ich bin ja Autor und nicht der doofe Koch. Ich ja bloß das Auge des Betrachters, und weiß mich nicht in Kriegsgefahr. Obwohl ich sagen muss, ich wäre auch gerne einmal nur neben all den tollen Typen auf dem coolen gelben Sofa gehockt, und mich mit ihnen voll gekifft. Ich hätte meinetwegen auch dem Koch geholfen, beim erledigen der lästigen Sachen wie Zwiebel schälen oder Salat waschen. Gerne wäre ich bei denen gewesen, die bald reich und berühmt würden, wenn sie den Krieg überleben, aber ich denke, das sind sowieso alles Siegertypen.
Buon appetito!

Nummer 360

EIN KRUMMES DING
In memoriam John Peel



Wenn das berühmte Nichts nichtet, dann muss auch das unbekannte Ding dingen. 
Ding dang.
Denn die dürfen das.
Wenn wir was wüssten.
Wind fang!
Sing Sand.
Ring rankt.
Von sich aus besonders aggressiv.
Süßer die Pforten nie klebten.
Wau, wau!
Tortenpfortenpfoten.
Schleck den Schlick.
Der arme alte Tuberer hustete.
Was für eine Scheiß-Krankheit.
Die fistelige Fistfuckerin.
Au ja, da klatschen alle Kinder in die Hände und quietschen vor Vergnügen.
Dann dürfen sie leckere Würstchen mit Senf essen und auch frische Fritten, mit Dr. Frankensteins Spezial-Ketchup, das mit den kleinen Stückchen drin. Eine gute Woche später sind es dann die Kinder, die in den Würstchen drin sind, als die nächsten Kinder ins Theater kommen, und so ist es die Woche davor gewesen, und so wird es immer weiter gehen, wenn Super-Spyder nicht endlich eingreift. Super-Spyder, im Zivilberuf so eine Art Direktor, aber in Wirklichkeit der Undercover–Türsteher im härtesten Swinger-Club der Stadt, hat schon einige beunruhigende Abweichungen von der Norm erlebt, das konnten sie ihm ruhig glauben, die Kollegen von den Vigilantes. Zum Glück schützt seine eng anliegende, schwarze Ledermaske ihn einigermaßen vor kritischen Blicken. Aber ab und zu muss auch er ran, dann heißt es, unaussprechlich vulgäre, ja unappetitliche, wenn nicht medizinisch bedenkliche Dinge zu dingen. Und es ist ihm völlig egal, ja, wie von außen beobachtet er sich, ein entkörperlichtes Gefühl ist es, eine komplette Dissoziation von Sein und Tun. Vielleicht ist es schon das berühmte Spaltungs-Irresein. Zumindest sind bisher Minderjährige nicht dabei gewesen. Oder darunter. Oder darüber.
Hm, hm.
Die Ledermaske muss auch eher oft in die Spezialreinigung, was Super-Spyder entweder höhnische, hasserfüllte oder bewundernde Blicke einträgt, je nachdem wer ihn grade bedient. Diese Beobachtungen helfen Super-Spyder dabei, seinen detektivischen Blick zu schärfen, ohne all zu sehr aufs Publikum (Pubilkum, Basilikum, Drumherum) zu schielen, denen gibt er gleich den dritten Grad, da werden die Daumenschrauben ordentlich angezogen, das ist garantiert. Punktum. Aus, Stopp, keine Zeit mehr für Naschwerk und zuckrige Kleckereien, weiter muss der Keil, der Schaft, die Mine getrieben werden, peinlich darauf achtend, sich im Loch nicht auf den Nagel zu hauen. Immer weiter, emsig, eifrig, mal ist dieser Obermeister, mal jener, da machen die Bücher keinen großen Unterschied. Doch die automatischen Korrekturfallen schlagen zuverlässig, lässig, prämiert und teuer, zu. Klapp.
Klapp, eine schwarze Scheune mitten in blendendweißem Steppenschnee, hier draußen hört dich keiner klingeln, Super-Spyder, was machst du nur hier draußen? Was für einen Auftrag hast du, was für einen Aufruhr trägst du im Herzen, was für ein Feuer wirst du gleich entfachen? Viele Fehler kannst du dir dabei nicht mehr leisten, nicht wahr? Die Sucht ist wieder einmal einsam stärker gewesen als die Sehn. Ein armes, trauriges Drecksferkelchen schleicht sich aus der Scheune davon. Super-Spyder dreht sich erst einmal mit zitternden Fingern eine Zigarette, ehe er weitermachen kann. Was für ein Ort, was für eine Zeit, um deine Euphorie zu verstecken, mein Lieber. Deine persönliche Form der Wahrnehmung ist ziemlich akustisch geprägt, dein Ausdruck eher bildlich. Wie wirst du also fürderhin mit den kommenden, unweigerlich extremen Eindrücken und Erinnerungen fertig werden, das möchte ich gerne mal wissen. Winzige Mengen mit riesiger Wirkung? Ein leichtes Kitzeln hebt unter der Hirnschale von Super-Spyder an. Nein, es geht hier nicht um Drogen, du Idiot. Moment, was heißt hier Idiot, ich bin doch gar kein unpolitischer Mensch! Ganz im Gegenteil! Hauptsache, die Musik ist schön laut und hart! Gewiss, gibt er zu, das frisch zugezogene Lesben-Pärchen ist eher tolerant, was das betrifft. Aber verliere hier bloß nicht das Ziel aus den Augen! Vergiss nicht, wozu du hierher gekommen bist! Erfülle deine selbst gewählte Mission und furz nicht so rum, da sind ja schließlich Menschen in der Scheune! Pfeif auf Heavy-Harry, das ist ein echter Idiot! Was für einen großen Unterschied ein kleiner Penis doch machen kann, grinst er in sich hinein. Heavy-Harry, der offiziell so gerne ein Feuerwehrmann gewesen wäre, mit dem winzigen Schlauch! Der hätte nie bei uns mitmachen dürfen, der will ja bloß ein Rock ’n Roll Star werden, auf unser aller Kosten! Denn Super-Spyder ist kein Narr. Er hat Harry sofort durchschaut, mit seinem übermächtigen Instinkt. Außerdem kann er mit dem dritten Auge in die Röhre gucken. Aber was sollte er mit seinen Fähigkeiten sonst anfangen? Nun, in der Bürgerwehr hatte er sich zunächst gut aufgehoben gefühlt. Das waren zwar nur ganz gewöhnliche Spießer, aber wenigstens zeigten sie Engagement, Sendungsbewusstsein und Entschlossenheit. Dasselbe kann auch von bourgeoisen Paranoikern und Faschisten gesagt werden, daher ist Super-Spyder froh darüber, daß diese lieben Menschen nicht einer Partei beitreten oder gar eine eigene gründen. Er kratzt sich am Kinn. In der Scheune geht es hoch her, das kann er hören. Obszöne Götzen werden lautstark verehrt, er riecht es sogar. So `ne Schweine! Er ist böse. Sehr böse. Jetzt wird er gleich handeln. Er ist ein Mann der Tat, nicht vieler Worte. Das Dynamitbündel in seiner Hand wiegt schwerer, als es ist. Daher muss er vorerst den einzigen Ausgang verriegeln. Anschließend wird er Benzin über die Holzwände der Scheune schütten, in aller Seelenruhe zum Tor marschieren, sich die mittlerweile fertig gerollte Zigarette mit einem Streichholz anzünden und das brennende Hölzchen lässig ins Benzin dingen. Heißassa! Hei, wie die Menschlein da drinnen anfangen zu schreien und rufen! Wie sie rütteln und wummern! Schütteln und schieben hilft euch hier nichts, denn Super-Spyder legt das dynamische Dynamit in die Nähe des Ausgangs. Er hat Kabel in den Sprengstoff gesteckt, die laufen auf einer Drehspule lustig schnurrend weg von der brennenden Scheune, artig bringen sie Distanz zwischen die Extreme. Schließlich ist Super-Spyder zufrieden. Die Verzweifelten haben es, wie eingeplant, geschafft, die Holztüre kaputtzuschlagen. Nun strömen sie schreiend und klagend heraus, lassen sich erschöpft in den kühlenden Schnee sinken. Einige wälzen sich geradezu im Gefrorenen. Der Held nickt und steckt die Kabel in einen kleinen Holzkasten. Er schraubt zwei Klemmen zusammen, zieht einen Handgriff aus dem kleinen Holzkasten heraus und schiebt ihn gleich darauf wieder mit Schwung hinunter, erzeugt dabei ein klein wenig Energie, die sich als elektrischer Funken entlädt und das Kabel hinunter saust. Schnee und Fleischbrocken regnen anschließend übers Feld, vermischt mit Holzsplittern, Glut und Flammen. Harry hingegen liegt den ganzen Tag nur im Bett herum und lässt sich bedienen. Allerdings schreckt er bei Aktionen vor nichts zurück, lässt sich dafür sogar monatliche Beiträge zahlen. Diese weichlichen Alt-Mitglieder! Die waren es, die durch ihre Feigheit erst Typen wie Harry den Weg ebneten und so die ganze Bürgerwehr in Misskredit brachten! Das ist einfach nicht fair! Super-Spyder fährt jetzt mit dem Fluchtauto durch die Wintersonntagnachmittagslandschaft, über der Nebelschleier liegen wie ein Bahrtuch auf einen Leichenwurm. Er ist müde, er ist hungrig, er ist durstig, er muss aufs Klo und er ist geil. Ein wahrer Mensch! Bald wird es wieder finster. Noch niemand hat etwas von seiner Arbeit spitzgekriegt, sonst wüsste er davon schon aus dem Radio. Natürlich war es für die Kinder so am Besten. Sie würden als unschuldige Seelen in den Himmel kommen und göttliches Vergessen erfahren. Die anderen sind noch viel zu gut weggekommen. Verbrennen war ihm zwar lieber, aber das mit der Bombe nach dem Brandanschlag, das hatte schließlich mehr Stil. Immerhin ging es auch um Kinder, nicht wahr? Ein bisschen Mitleid kann ich ja wohl zeigen, oder? Mir egal, was die Bosse davon halten! Er fährt zum toten Briefkasten, wirft ein blau gefärbtes, hart gekochtes Ei hinein, steigt wieder in den Mietwagen und rollt eine weitere halbe Stunde die Straßen entlang. Noch immer kein News-Flash. Noch immer keine Anerkennung für seine Arbeit. Mittlerweile sucht er daheim einen Parkplatz. Der Bart juckt. Er wird ihn gleich und mit viel Freude abnehmen und die dämliche Perücke auch, am besten, gleich jetzt im Auto. Er steht mittlerweile vor seinem Haus und blickt nach oben.
Kein Licht leuchtet aus seinen Fenstern in die Nacht hinaus.
Niemand wartet auf ihn.
Natürlich nicht.
Der arme Super-Spyder lebt ja allein.
Also geht er aus Trotz zum nächsten Spätkauf und deckt sich mit Alkohol und Zigaretten ein.
Die Registrierkasse macht „ping!“, sie reißt den bösen Buben aus seinen Kaviar-Träumen: minderjährige Mädchen aus Shangri-La, goldene Cadillac-Limousinen mit dunkel getönten Scheiben und andre schweißtreibende sportliche Aktivitäten. Er zahlt und macht, dass er mit der Latte in der Hose und der Beute heimkommt. Nun aber, schmeckt die Schokoladewaffel umso besser, jetzt darf er machen was er will! Fein! Und er freut sich so richtig, und er läuft durch die Wohnung und schaut sich alle an, er fühlt sich so toll, guckt mal, was ich alles machen könnte oder es auch bleiben lassen! Na, ist das nicht was? Hm? Ist das nicht super? Was sagt ihr dazu?
Aber keiner sagt ihm was.
Hm, hm.
Ist das nicht traurig?
Ist das nicht schade?
Ist das nicht egal?
Hm, hm.
Bier hilft hier auch nicht weiter, lieber Super-Spyder.
Trink trotzdem noch eins, wenn du willst.
Na, schmeckt’s?
Hilft’s?
Möchtest du drüber reden?
Oder lieber im Koma überwintern?
Da fällt dir nichts mehr ein?
Hm, hm.
Warum eigentlich nicht?
Vielleicht solltest du Trost in der Religion suchen. Oder im guten, alten Rock n Roll. Dann gäbe es noch die Bürokratie, diese Seelen vernichtende Norm-Maschinerie, die sich um alles kümmert und nichts dem, horribile dictu, Zufall überlassen kann. Wie wär’s? So kommt die Jungfrau zum Kind und Super-Spyder zu einer gesellschaftlich akzeptierten Beschäftigung. Immer nur Menschen abschlachten, das ist auf die Dauer nichts, oder?
Er zuckt unwillig die Achseln. Er muffelt. Was konnte er denn dafür? Es waren doch die Umstände, das soziale Umfeld, die unterprivilegierte Kindheit. Vor allem aber mangelt es Super-Spyder an starken Empfindungen. Die vermisst er. Am besten, wenn sie auch eine, nun ja, gewisse körperliche Komponente mit einschlössen.
Davon hat er immer schon geträumt.
Wenn ich schon kein Hardrock-Superstar sein kann, um etwas Richtiges zu erleben, dann eben was anders. Und für den Bürokraten-Job fehlte es ihm leider an Bildung und Sitzfleisch, für jede Art von Schreibtischarbeit sind sein Lebensrhythmus und seine Phantasien zu krank.
Nun könnte ein wohlwollender Beobachter einwenden, Super-Spyder mangelt es nur an Liebe, Sex und Zärtlichkeit.
Der mitfühlende Soziologe legt seine Stirn in tiefe Falten. Nun, wendet sein Kollege von der philosophischen Fakultät ein, da hätten wir ja alles beisammen, Herr Kollege, nicht wahr? Was, was, was? Um es ganz einfach auszudrücken: Ihr Patient, Herr Super-Spyder, ist doch ein Mann, oder? Ja, ja. Ihm mangelt es an Liebe, Sex, und Zärtlichkeit. Stimmt. Nun, ist er homosexuell? Nein. Bleibt als Lösung nur eines: Die Frauen sind schuld. Das saß. Der Soziologe schluckt heftig. Und gibt dem Philosophen in letzter Konsequenz Recht: Die Frauen sind schuld. Und die Männer und die Kinder und der liebe Gott auch. Und was ist mit dem Teufel, will der Soziologe wissen? Der, mein Lieber, steckt im Detail! Wollen Sie mich veräppeln, oder was? Aber warum denn? Ich gebe doch bloß zu bedenken, dass… Doch der verärgerte Soziologe fällt dem Philosophen ins Wort: Sie dreckiger Jesuit! Sie spitzfindiges, perfides Arschloch, immer zum Pakt mit den Mächtigen bereit, was? Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Du würdest ja eine nussähnliche Schließfrucht der Gräser, bei der Fruchtwand und Samenschale miteinander verwachsen sind, in einer Schutthalde finden, wenn sie dich nur lange genug suchen ließen, nicht wahr? Einer wie du, der sieht doch nur das Kranke im Menschen! Du bist doch selbst zum Kotzen! Was? Wie? Du dreckiger Papist! Halte doch das Maul, du Scheiß-Pedant! Aber hallo?! So ein stofflicher Ausdruck im Munde eines prüden Protestanten? Ich dachte, das wäre uns keuschen Katholen vorbehalten! Na warte, du Seelen-Dieb! Du Sonnenuntergangs-Cowboy! Du feiger Gesinnungsfaschist! Dir werde ich es aber geben!
Nun geraten sich die beiden Akademiker so richtig in die Wolle.
(Unterschiedliche Kampftaktiken des Geistes und dessen, der sie schulte, treten auch körperlich, quasi somatisch zu Tage. Der autarke Denker verlässt sich auf bewährte Methoden und tritt seinem Gegner in den Hodensack. Für die Ptolemäer hingegen tönten in dem Moment die Totenglocken, als sie sich mit Rom einließen. Ihre hochartifizielle hellenistische Kultur, eine bizarre Blüte der Antike, erlag den römischen Soldatenstiefeln. Was konnte eine griechische Nutte einem Latein sprechenden Bauern schon bieten, was der nicht schon in der einen oder anderen Form kannte? Alexandrinisch ist ja schließlich ein eher zweifelhaftes Kompliment. Der mächtigste Herrscher der Geschichte krepiert mit 32 an den Folgen eines Flohbisses. Und ohne einen Mäzen zu hinterlassen, mein lieber Herr Gesangsverein!)
Du miese Kunstnutte! Das Genie muss leiden! Die Handkante trifft den Jünger der Societas Jesu unerwartet raffiniert aus dem zusammengeknüllten Häuflein Mensch heraus und mitten auf die Gurgel. Er gurgelt. Was soll die Alfanzerei? Oder wie sehe ich das? Ha? Häh? Hm?
Er reißt das Knie hoch und bricht dem Kontrahenten das Nasenbein. Der, nicht müde, verkrallt sich mit aller Macht in der Künstlerfrisur seines Konkurrenten und zerrt heftig an den feinen Haaren die aussehen, als wären sie durch Gaze gesiebt worden, suggeriert sich der Täter, bis ein saftig kontrahierendes Stück Kopfhaut den Besitzer wechselt und offiziell dankend dem wunderbaren, hart gekochten Kriminalautor Chuck Kaefer. Munter dreschen sich die honoren Herren honorig weiter. Immer in die Fresse. Immer in die Eier. Immer in die Fresse. Immer in die Eier. Auf die Dauer wird das dürftig und all zu vorsehbar. Die Kombattanten entwickeln definitiv defensive Strategien und hebeln sich gegenseitig aus. Irgendwann geht ihnen die Puste aus.
Die 3B-2J-Ration ist die ultimative. Mathematisch und moralisch ebenso einwandfrei wie attraktiv. Das alles auf der präsumtiven 2T/W-Basis natürlich. Wunderbar flexibles Gebilde übrigens, das Ganze. Die Maschinen pumpen unterdes weiter, untermalen all das alberne Politiker-Gequassel mit dem herb-männlichen Duft billiger US-amerikanischer Proletarier-Zigarren. Hier wissen schwielige Hände noch, wie Mann richtig zupackt, abseits moralischer Schranken und schweißtriefender Unterhosenränder. Und niemand hätte sich erwartet, das alles schon so früh, so bald, so unzeitig vorbeireitet heranstürmen zu sehen, und es erwischt sie mit der Zärtlichkeit einer eisigen Nordsee-Welle direkt unterm Kinn, alle Beide. Und sie erkannten, wie viele kostbare Dringlichkeit sie hier verschwendeten, wie viel Energie, die sie gerne ach so synergetisch vorzeigen würden, wenn sie nur könnten, wie sie wollten. Indes, es bleibt beim Konjunktiv. Und die beiden alten Kämpfer? Sie trennen sich unentschieden. Super-Spyder ist in der Hölle. Nein, nicht in der echten, sondern in der wahren. Gefickt von den Propheten. Das Fleisch muntert flutzrig in den heißen Siedeölen. Eiweiß wird gegart. Früher als später würden gelbliche Hauer hineinschlagen, zudrige Fetzen rausreißen, lecker, mjam, verdaut. Ruck-Zuck. Ein Berg Essen liegt vor ihnen. Treibt vor ihnen im Wasser.
Die Trommeln treiben sie immer weiter. Die unangenehmen Gedanken erreichen sie alle und lassen sich nur schwer wieder wegschalten. Zu scharf brennt der Nachgeschmack auf den ölig-heißen Zungen, zu lecker die Versuchung. Die unangenehmen Gedanken fühlen sich plötzlich selbst, eine tintige Meeresnacht über siebentausend Meter Ozean, mit den gelben Beinen, reifen Bananen gleich, appetitlich nach unten zappelnd. Super-Spyder liebt solche Vorstellungen, malt sich voller Entzücken die süße Pein radikaler Amputationen aus, ergeht sich in der Zinseszahlung für den Kredit künftiger Missetaten, geißelt seine Schwäche vor sich selbst. Lustige Wahrworte purzeln kerlig aus seinem stupide halb geöffneten Maule nebst dem weißen Seim, der klebrig herabtropft wie halb vergessene Erinnerungen. Ansonsten hätten ihn die Einheimischen wohl längst gefressen. Die Krankheit schützt ihn. Im Ursprung liegt Platz für Jeden. Super-Spyder ahnt nicht, woher diese schiefen Informationen stammen. Noch, wer sich ab und zu seiner bemächtigt, wenn er seine Heiligen Silben versprüht, bis sie schließlich wie Reliquien gehandelt und gegessen wurden. Aber das wusste er noch nicht, sonst hätte er womöglich alles versucht, um seinen künftigen Status zu verhindern. So aber tut er nichts. Nichts, so schien es, vermochte ihn lange genug zu fesseln oder zu erstaunen, ehe es entweder zu langweilig oder seziert und neu zusammengesetzt werden musste. Armer Super-Spyder! Was für ein Zampano! Hätte er bloß ein Wörterbuch besessen oder sonst die Chance auf irgendeinen süßen Bildungskeks! So aber? Tja. Pech gehabt. Stattdessen deftiger Haferflocken-Porno. Armer Tropf! Gar kein Vorrecht? Das ist ein Überfall! Sachte verabschieden sich die Hochschulabsolventen voneinander und von ihrem Studienobjekt. Epische Instrumentalmusik setzt ein, der Eine legte die Hand in Einhelligkeit versichernder Geste auf die gummige Schulter des Anderen.
Nun ist wieder die Zeit der Eroberungen gekommen.