Der Gemeine Katzenpanda

Freitag

Nummer 400

Na, super! Wer hätte das gedacht? Schon vierhundert Einträge! Es ist noch kein Ende abzusehen. Und so geht das Leben auch weiter: Regelmäßig, oft heiter, unspektakulär, gelassen, mit Maß und Ziel, fast wie in einem wirklich guten 70er-Jahre-Splatter-Film.
Außerdem hat die Erdbeeren-Saison wieder begonnen, und das ist eine sehr leckere Nachricht.
In diesem Sinne: Guten Appetit! 

Nummer 399

Die 100 wichtigsten Erfindungen der Menschheit

  1. Penizillin
  2. Elektrizität
  3. Gitarren
  4. E-Gitarren
  5. Internet
  6. U-Bahn
  7. Flugzeug
  8. Furzkissen
  9. Bier
  10. Schmerztabletten
  11. Zahnheilkunde
  12. Wolle
  13. Salz-Pfeffer-Menagen
  14. Tampons
  15. Lippenstift
  16. Fischstäbchen
  17. Kino
  18. Schallplatten
  19. Buchdruck
  20. Wischmop
  21. Staubsauger
  22. Waschmittel
  23. Kugellager
  24. Betten
  25. Zentralheizung
  26. Viehzucht
  27. Chirurgie
  28. Wasserleitung
  29. Klopapier
  30. Halbsynthetisch gewonnene Substanzen
  31. DJs und Discos
  32. Rolls Royce
  33. Filmkameras
  34. Äpfel der Sorte Braeburn
  35. Unterhaltungselektronik
  36. UHU-Stick
  37. Kreditkarten
  38. Krankenversicherung
  39. Kurbelwelle und Pleuelstange
  40. Fitnessgeräte
  41. Kröpfung
  42. Verbrennungsmotor
  43. Nockenwelle
  44. Stoner Rock
  45. Weihnachten
  46. Espressokanne
  47. Gemüsehobel
  48. Korkenzieher
  49. Champagner
  50. Cognac
  51. Camembert
  52. Dosenöffner
  53. Pfeffermühle
  54. Fleischwolf
  55. Wasseruhr
  56. Geschirrspülmaschine
  57. Mikrowellengerät
  58. Kühlschrank
  59. Salatschleuder
  60. Pürierstab
  61. Mikroskop
  62. Mathematik
  63. Physik
  64. Chemie
  65. Alka-Seltzer
  66. Handkurbel
  67. IMAX-Kinos
  68. Flammenfärbung
  69. Valenz-Grammatik
  70. Portland-Zement
  71. Papiertaschentücher
  72. Aspirin C-Brausetabletten
  73. Pumpernickel
  74. Käse
  75. Obstbau
  76. Seife
  77. Geld
  78. Mülltrennung
  79. Zwergenweitwurf
  80. Klaviere
  81. Marmelade
  82. Salami
  83. Digitalwaagen
  84. Einlaufbirne
  85. Tauchroboter
  86. Weichspüler
  87. Badesalz
  88. Fermentation
  89. Gleitmittel
  90. Badewannen
  91. Wischmopp
  92. Moskitonetz
  93. Polster
  94. Fahrrad
  95. Telephon
  96. Druckerpresse
  97. Heimtextilien
  98. Webstuhl
  99. Archimedische Schraube
  100. Kathodenstrahlröhre

Donnerstag

Nummer 398

Lustig: Bei der Rasse-Schau Crufts Dog Show in England macht ein Hund während des Agility Dog-Wettbewerbs vor laufender Kamera sein Wursti auf den Kunstrasen.
Traurig: Druck der Encyclopaedia Britannica wird eingestellt.
Klassikaner: Dantes "Göttliche Komödie" politisch korrekt: "Rassistische Passagen" sollen gestrichen werden.

Mittwoch

Nummer 397

Die 100 lustigsten Worte, Namen und Verben der deutschen Sprache

  1. Wurst
  2. Krapfen
  3. Kotsäule
  4. Zilpzalp
  5. Waldschwirl
  6. Waldschrat
  7. Mumpitz
  8. Firlefanz
  9. Mummenschanz
  10. Salamander
  11. Salami
  12. Salat
  13. Schastrommel
  14. Kapazunder
  15. Parallelaktion
  16. Muffensausen
  17. Perlustrieren
  18. Pfütze
  19. Furz
  20. Knödel
  21. Pfiffikus
  22. Käsekrainer
  23. Brezel
  24. Powidl
  25. Fetzenpaganini
  26. Zwetschgenkrampus
  27. Pfründe
  28. Pfarrer
  29. Rübezahl
  30. Schurke
  31. Salpeter
  32. Sabberlätzchen
  33. Unke
  34. Lendenschurz
  35. Rollo/Rouleau
  36. Dampfdruck
  37. Kanaille
  38. Hasenpanier
  39. Greinen
  40. Mümmeln
  41. Graupensuppe
  42. Fischstäbchen
  43. Hundeschule
  44. Pfropfen
  45. Pilchpine
  46. Schranze
  47. Hanswurst
  48. Pardauz
  49. Porno
  50. Gratuliere
  51. Gewinnwarnung
  52. Gewitterziege
  53. Olive
  54. Benjamin
  55. Pfote
  56. Zofe
  57. Raunzen
  58. Salat
  59. Brunzen
  60. Schlunzen
  61. Frottee
  62. Trommel
  63. Waschbär
  64. Knödel
  65. Plaudern
  66. Oblate
  67. Reibebaum
  68. Schokostich
  69. Winterkirsche
  70. Klabusterperle
  71. Pudding
  72. Guglhupf
  73. Blunzn
  74. Quirl
  75. Grapen
  76. Dosenstecher
  77. Kopulieren
  78. Krass
  79. Muschi
  80. Thrombozytenaggregationshemmer
  81. Schnauze
  82. Popo
  83. Zausel
  84. Pflaume
  85. Kikeriki
  86. Schlupfloch
  87. Flamboyant
  88. Echauffieren
  89. Krampus
  90. Metzger
  91. Eierschwammerl
  92. Duden
  93. Krakatau
  94. Pappnase
  95. Löwenzahn
  96. Häsin
  97. Schlaglicht
  98. Murmeltier
  99. Bienenwachs
  100. Mumps

Nummer 396


Oida, heh!

Nummer 395


No comment

Nummer 394

Lustig: Mann sprengt in Steyrer Kaufhaus Toiletten in die Luft.
Traurig: 22 Kinder sterben bei Busunfall in Schweizer Tunnel.
Klassikaner: Der parlamentarische Untersuchungsausschuss in Wien zur Kausa Meischberger wird zur totalen Schlammschlacht.

Sonntag

Nummer 393


Genialer Künstler MK

Nummer 392

Das Wort der Andren


Die Herrschaft der Finanzoligarchie - Der Krieg der Banken gegen das Volk 

03.12.2011 • Es gibt einen Weg, wie der Euro gerettet werden kann: Man muss nur der Europäischen Zentralbank erlauben, das zu tun, wofür Notenbanken gegründet worden sind: Geld drucken.
Von Michael Hudson

© dpa


Warum sollte die Kreditvergabe Privileg der Privatbanken bleiben? 

Am einfachsten ist die europäische Finanzkrise zu verstehen, wenn man die Lösungsvorschläge betrachtet. Das ist der Traum eines jeden Bankers: ein Sack voller Geschenke, die bei einem demokratischen Referendum kaum Zustimmung finden würden. Bankstrategen haben gelernt, über ihre Pläne nicht demokratisch abstimmen zu lassen, nachdem die Isländer 2010 und 2011 es zweimal abgelehnt haben, der Kapitulation ihrer Regierung vor Großbritannien und den Niederlanden nach den massiven Verlusten isländischer Banken zuzustimmen. Und den Griechen, denen in diesem Herbst ein Referendum verwehrt wurde, blieb nichts übrig, als massenhaft auf die Straßen zu gehen, um ihren Widerstand gegen die von der Europäischen Zentralbank geforderten Privatisierungen zu zeigen.

Das Problem ist, dass Griechenland seine Schulden nicht zurückzahlen kann. Die EZB verlangt den Verkauf von Staatsbesitz - Land, Wasser, Häfen - sowie eine Kürzung von Renten und anderen Sozialleistungen. Die „untersten 99 Prozent“ sind verständlicherweise empört, wenn sie hören, dass die Spitzenverdiener 45 Milliarden Euro allein in Schweizer Banken geparkt haben sollen und damit weitgehend für das Haushaltsdefizit verantwortlich sind. Dass normale Steuerzahler für Steuerflüchtlinge geradestehen sollen - und für die allgemeine Nichtversteuerung von Vermögen seit den Zeiten der Militärjunta -, sorgt natürlich für Wut. Wenn die Troika aus EZB, Europäischer Union und IWF verkündet, dass die Bevölkerung aufkommen müsse für das, was die Reichen sich nehmen, stehlen, am Finanzamt vorbeischleusen, so ist das keine politisch neutrale Haltung. Hier wird unfair erlangter Reichtum privilegiert.
Nützliche Idioten

Ein demokratisches Fiskalregime würde progressive Steuern auf Einkommen und Grundbesitz erheben und Steuerflucht ahnden. Seit dem 19. Jahrhundert haben demokratische Reformer versucht, Volkswirtschaften von Verschwendung, Korruption und Einkommen aus Vermögen zu befreien. Doch die „Troika“ schreibt eine regressive Besteuerung vor, die nur durchzusetzen ist, wenn die Regierung in die Hände nicht gewählter „Technokraten“ gelegt wird.

Die Bezeichnung „Technokraten“ für die Administratoren einer derart undemokratischen Politik ist ein zynischer Euphemismus für Finanzlobbyisten oder Finanzbürokraten, die im Namen ihrer Auftraggeber als nützliche Idioten fungieren. Ihre Ideologie sieht den gleichen Sparkurs vor, der verschuldeten Staaten in der Dritten Welt zwischen den 1960ern und 1980ern vom Internationalen Währungsfonds aufgezwungen wurde. Diese Bürokraten sprachen von Stabilisierung der Zahlungsbilanz, öffneten zugleich den Markt und verkauften Exportbetriebe und Infrastruktur an ausländische Gläubiger. Die Folge war, dass die betroffenen Länder sich bei ausländischen Banken und ihren einheimischen Oligarchen noch weiter verschuldeten.
Faule Kredite

Dieser Weg wird nunmehr den Sozialdemokratien im Euroraum vorgeschrieben. Die Löhne sollen gekürzt, der Lebensstandard soll verringert werden und die politische Macht auf Technokraten übergehen, die im Auftrag großer Banken und Finanzinstitutionen agieren. Der öffentliche Sektor soll privatisiert, der Arbeitsmarkt dereguliert, Leistungen der Sozial-, Renten- und Krankenversicherung sollen eingeschränkt werden.

Die Lösung eines jeden größeren sozialen Problems schafft - nicht immer unbeabsichtigt - oft noch größere Probleme. Aus Sicht des Finanzsektors besteht die „Lösung“ der Eurokrise darin, die Errungenschaften der Reformer im letzten Jahrhundert (John Maynard Keynes sprach 1936 freundlich von der „Euthanasie des Rentiers“) rückgängig zu machen. Das Bankensystem sollte der Wirtschaft dienen und nicht umgekehrt. Doch nun ist der Finanzsektor zu einer neuen Form der Kriegsführung angetreten - scheinbar weniger blutig, aber mit den gleichen Zielen wie bei den Wikingereinfällen vor mehr als tausend Jahren und beim Vorgehen der europäischen Kolonialmächte, die sich Land und Bodenschätze, Infrastruktur und andere profitable Einnahmequellen aneigneten. Genau darum ging es, als Wilhelm der Eroberer nach 1066 das Domesday Book erstellen ließ - ein Modell für die heutige Politik von EZB und IWF.
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Michael Hudson ist Professor der Wirtschaftswissenschaften an der Universität von Missouri. Im Jahr 2006 sagte er den Kollaps des Immobilienmarktes genau voraus.
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Michael Hudson ist Professor der Wirtschaftswissenschaften an der Universität von Missouri. Im Jahr 2006 sagte er den Kollaps des Immobilienmarktes genau voraus.

Dass der wirtschaftliche Mehrwert in die Taschen der Banken fließen soll, stellt die traditionellen Wertvorstellungen der meisten Europäer auf den Kopf. Wer sich vorgenommen hat, Einsparungen durchzusetzen, Sozialleistungen zu kürzen, Staatseigentum zu privatisieren, den Arbeitsmarkt zu liberalisieren, Löhne und Renten zu kürzen und Einschränkungen im Gesundheitswesen durchzusetzen, muss den Leuten sagen, dass es keine Alternative gibt. Die Wirtschaft, so heißt es, werde ohne profitablen Bankensektor (wie räuberisch auch immer) einbrechen, da Verluste der Banken bei faulen Krediten und Risikogeschäften das gesamte Finanzsystem zum Einsturz bringen. Da hilft keine staatliche Aufsicht, keine bessere Fiskalpolitik, man muss die Kontrolle vielmehr den Lobbyisten überlassen, damit die nicht mit ihren angehäuften finanziellen Forderungen im Regen stehen.

Die Banken wollen, dass der wirtschaftliche Mehrwert in Form von Zinsen ausgezahlt und nicht für die Anhebung des Lebensstandards verwendet wird, nicht für Staatsausgaben oder auch nur für Investitionen. Forschung und Entwicklung - das dauert viel zu lange. Die Finanzwelt denkt in kurzen Zeiträumen. Diese Sichtweise ist kontraproduktiv, wird aber als der Weisheit letzter Schluss ausgegeben. Die Alternative (staatliche Eingriffe in den „freien Markt“ durch Regulierung und progressive Steuern) führe nur in die Knechtschaft.

Verschuldetes Volk

Natürlich gibt es eine Alternative. Es ist das, was die europäische Zivilisation - seit dem Mittelalter über die Aufklärung und die Hochzeit der klassischen politischen Ökonomie - zu schaffen bestrebt war: eine Wirtschaft ohne Einkommen aus Vermögen, frei von Sonderinteressen und Privilegien zur Erzielung von „Renten“. In den Händen der Neoliberalen dagegen bietet der freie Markt einer steuerbegünstigten Rentiersklasse die Freiheit, Zinsen, Vermögen und Monopolpreise zu erzielen.

Der Rentier betrachtet sein Verhalten als „Schaffung von Wohlstand“. Wirtschaftsschulen lehren, wie Privatisierer Bankkredite und Anleihen aufnehmen und als Sicherheitsleistung die Einnahmen aus dem Verkauf von Infrastrukturangeboten bieten. Die Idee ist, diese Einkünfte als Zinsen an Banken und Investoren abzutreten und dann Gewinne zu erzielen, indem man die Gebühren für Straßen und Häfen, Wasser und Kanalisation und andere Dienstleistungen erhöht. Den Regierungen wird erklärt, dass es dem Land wirtschaftlich besser geht, wenn Leistungen der öffentlichen Hand eingeschränkt und Staatsunternehmen verkauft werden.

Nie war die Kluft zwischen angeblichem Ziel und tatsächlicher Wirkung größer. Die Steuerbefreiung von Zinseinkünften (und Kapitalgewinnen) verringert die Einnahmen des Staates und erhöht das Haushaltsdefizit. Und Privatisierung führt nicht zu mehr Preisstabilität (die angebliche Priorität der EZB), sondern zu Preiserhöhungen in der Infrastruktur, auf dem Wohnungsmarkt und bei anderen Lebenshaltungskosten und im Geschäftsleben, insofern Zinsen und andere Kosten - sowie deutlich höhere Managergehälter - umgelegt werden. Dass diese Praxis effizienter ist, kann man also nur als ideologische Schutzbehauptung bezeichnen.

Es besteht keine technische oder ökonomische Notwendigkeit, dass die europäischen Finanzmanager weite Teile der Bevölkerung unter Druck setzen. Aber es gibt erhebliche Gewinnchancen für die Banken, die Einfluss auf die Wirtschaftspolitik der EZB erlangt haben. Seit den sechziger Jahren sind Haushaltskrisen eine gute Gelegenheit für Banken und Investoren, Kontrolle über die Fiskalpolitik zu erlangen - die Steuerlast wird auf die Arbeitnehmer abgewälzt, und die Sozialausgaben werden gekürzt, alles zum Vorteil ausländischer Investoren und der Finanzwirtschaft. Diese gewinnt durch Sparmaßnahmen, die den Lebensstandard verringern und Sozialausgaben einschränken. Eine Schuldenkrise ermöglicht es der lokalen Finanzelite und ausländischen Banken, den Rest der Gesellschaft zu verschulden, indem sie ihr Kreditprivileg nutzen, um sich Vermögen anzueignen und die Bevölkerung in Schuldenabhängigkeit zu bringen.

Dieser Krieg, der in Europa inzwischen ausgetragen wird, hat nicht nur wirtschaftliche Auswirkungen. Es besteht die Gefahr, dass die hoffnungsvolle Epoche der letzten fünfzig Jahre zu Ende geht und ein neues Zeitalter der Polarisierung beginnt, wenn eine Finanzoligarchie demokratische Regierungen verdrängt und ganze Bevölkerungen in Schuldenabhängigkeit stürzt. Damit diese verwegene Strategie Erfolg hat, müssen die politischen und legislativen Prozesse, die das verhindern könnten, aufgehoben werden. Politische Panik und Anarchie erzeugen ein Vakuum, in das Finanzhaie rasch eindringen und ihre eigenen Lösungen als alternativlos präsentieren, nicht zuletzt mit falschen Ansichten zur Wirtschaftsgeschichte - im Fall der EZB besonders der deutschen Geschichte.

Billiges Geld

Regierungen brauchen Geld nicht von Geschäftsbanken oder anderen Kreditgebern zu leihen. Seit der Gründung der Bank von England im Jahr 1694 wurden Notenbanken gegründet, denen es obliegt, Geld zur Finanzierung von Staatsausgaben zu drucken. Banken vergeben Kredite gegen Zinsen. Heutzutage bekommen Banken billiges Geld von der Zentralbank (bei 0,25 Prozent Zinsen in den Vereinigten Staaten), das sie gegen höhere Zinsen weitergeben. Banken sehen es also gern, wenn ihnen von der Zentralbank Geld zur Verfügung gestellt wird. Wenn es aber darum geht, dass Regierungen zur Finanzierung ihres Haushaltsdefizits Geld schaffen, dann möchten Banken diesen Markt und die Gewinne am liebsten für sich allein haben.

Die europäischen Geschäftsbanken bestehen darauf, dass die EZB staatliche Haushaltsdefizite nicht finanzieren soll. Private Kreditschöpfung ist aber nicht zwangsläufig weniger inflationär als eine Monetarisierung von Staatsschulden. Die meisten Bankdarlehen werden auf Immobilien, Aktien und Anleihen vergeben - und führen zu einer Erhöhung der Preise für Immobilien und finanzielle Sicherheiten (wie etwa bei Darlehen für fremdfinanzierte Übernahmen). Vor allem der Staat steckt Kredite in die „reale“ Wirtschaft, also für Beschäftigte oder Waren oder Dienstleistungen. Wenn Regierungen keine Zinsen zahlen (weil die Zentralbank Geld druckt), erscheint das nicht im Haushalt. (So verfuhr Abraham Lincoln, der den amerikanischen Bürgerkrieg per Druckerpresse finanzierte.)

Banken wollen ihr Privileg der Kreditvergabe nutzen, um an der Finanzierung staatlicher Defizite Geld zu verdienen. Sie haben also ein eigenes Interesse daran, die Option einer Monetarisierung des Haushaltsdefizits zu begrenzen. Zu diesem Zweck fahren Banken massive Attacken gegen Staatsausgaben und gegen den Staat überhaupt – der als Einziger die Macht hat, sie in die Schranken zu weisen oder alternative Finanzoptionen anzubieten, wie etwa die Postbanken in Japan, Russland und anderswo. Aus dieser Rivalität zwischen Geschäftsbanken und Staat rührt die unzutreffende Behauptung, die staatliche Kreditvergabe trage viel mehr zur Inflation bei als die der Geschäftsbanken.

Wie es tatsächlich aussieht, macht ein Vergleich zwischen der Finanzpolitik in Amerika, Großbritannien und Europa deutlich. Die US-Treasury ist mit Abstand der weltweit größte Schuldner; die größten Banken sind bei ihren Anlegern und anderen Geldinstituten weit höher verschuldet, als sie aus ihrem Portfolio von Darlehen, Investments und diversen Finanzgeschäften aufbringen können. Doch inmitten der globalen Finanzkrise legen institutionelle Investoren ihr Geld in US-Anleihen an, die inzwischen weniger als ein Prozent abwerfen. Dabei ist ein Viertel des Immobilienmarkts verschuldet, amerikanische Bundesstaaten und Städte stehen vor der Zahlungsunfähigkeit und müssen ihre Ausgaben kürzen. Große Unternehmen gehen bankrott, Betriebsrenten geraten immer weiterin Rückstand, und doch bleibt die amerikanische Wirtschaft ein Kapitalmagnet.

Die britische Wirtschaft ist ebenfalls ins Stolpern geraten, doch die Regierung muss nur zwei Prozent Zinsen zahlen, während in Europa teilweise mehr als sieben Prozent bezahlt werden müssen. Das liegt daran, dass diese Länder keine „staatliche Option“ bei der Geldschöpfung haben. Im Unterschied zu Europa haben Amerika und Großbritannien Notenbanken, die Geld drucken können, um Zinsen zu bezahlen oder bestehende Schulden zu finanzieren. Niemand erwartet, dass diese beiden Staaten Staastbesitz verkaufen müssen, um Geld aufzutreiben (auch wenn man sich diese Option offenhält). Wenn Treasury und Fed Geld schaffen können, dann folgt daraus, dass sie – solange die Verschuldung in Dollar beziffert wird – genug Schuldscheine drucken können, so dass Inhaber von US-Staatsanleihen nur Wechselkursrisiken eingehen.
Falsche Erinnerung

Dagegen hat die Eurozone zwar eine Zentralbank, doch nach Artikel 123 des Vertrages von Lissabon darf die EZB nicht das tun, wofür Notenbanken eingerichtet wurden – Geld bereitzustellen, mit dem Haushaltsdefizite finanziert oder Schulden umgeschichtet werden können. Künftige Historiker werden es bemerkenswert finden, dass eine Überlegung hinter dieser Politik steht – zumindest eine Schutzbehauptung. Der Firnis ist aber so dünn, dass man unschwer erkennen kann, wie verzerrt sie ist: Die Kreditvergabe durch die Zentralbank gefährde die Preisstabilität. Nur Staatsausgaben gelten als inflationär, nicht private Kredite.

Die Regierung Clinton sorgte Ende der 1990er Jahre für einen ausgeglichenen Haushalt, und doch explodierte die Bubble Economy. Andererseits überschwemmten Fed und Treasury nach dem September 2008 den Markt mit 13 Billionen Dollar an Krediten und noch einmal 800 Milliarden Dollar im letzten Sommer nach dem „Quantitative Easing Program“ der Notenbank. Aber Verbraucher- und Rohstoffpreise steigen nicht. Nicht einmal Immobilien- oder Aktienpreise ziehen an. Dass mehr Geld zu höheren Preisen führt, ist heute also nicht festzustellen.

Noch bemerkenswerter ist das Zerrbild der deutschen Geschichte, das uns immer wieder präsentiert wird. Nach Auffassung von EZB-Beamten wäre es wegen des Hyperinflationsrisikos unverantwortlich, wenn eine Zentralbank dem Staat Geld leiht. Erinnerungen an die Inflation während der Weimarer Republik werden beschworen. Bei genauerem Hinsehen erweist sich das jedoch, um einen Terminus von Psychiatern zu verwenden, als „implantierte Erinnerung“ – der Patient ist überzeugt, etwas Traumatisches erlebt zu haben, bildet sich das aber nur ein. Entscheidend ist nicht, dass sich der Staat damals Geld von der Zentralbank geliehen hat, um (genau wie heute) Sozialprogramme, Renten oder das Gesundheitswesen zu finanzieren. Vielmehr waren es die Reparationen, welche die Reichsbank veranlassten, die Devisenmärkte mit Reichsmark zu überschwemmen, um die Forderungen der Alliierten in Pfund Sterling, Francs und anderen Währungen bezahlen zu können. Die Hyperinflation war eine Konsequenz der Reparationsforderungen. Keine noch so hohe Steuer hätte diese Devisenbeträge aufbringen können.

Eine Art Krieg

In den dreißiger Jahren wurde das bald erkannt. John Maynard Keynes und andere analysierten die strukturell begrenzte Fähigkeit, Auslandsschulden aus dem laufenden Haushalt zurückzuzahlen. Von Salomon Flinks „The Reichsbank and Economic Germany“ (1931) bis zu den Untersuchungen der Hyperinflation in Chile haben Ökonomen eine gemeinsame Ursache herausgefunden: Zuerst fällt der Wechselkurs. Dies führt zu einer Verteuerung der Importe und folglich des lokalen Preisniveaus. Um Käufe auf diesem höheren Niveau tätigen zu können, braucht man mehr Geld. Die Abfolge führt vom Zahlungsbilanzdefizit über Abwertung und Verteuerung der Importe zur Geldmenge, nicht umgekehrt.

Wenn der Euro kollabiert, dann deswegen, weil verschuldete Staaten der Eurozone Geld bezahlen müssen, das sie sich borgen müssen und nicht durch die Notenbank beschaffen können. Im Gegensatz zur amerikanischen und britischen Zentralbank, die Geld drucken und das Land vor der Insolvenz bewahren können, hat die EZB diese Möglichkeit nicht – dafür sorgen die deutsche Verfassung und der Vertrag von Lissabon.

Also müssen sich die Staaten Geld von Geschäftsbanken leihen. Das bietet den Banken die Gelegenheit, eine Krise zu schaffen – einzelnen Staaten mit Rauswurf aus der Eurozone zu drohen, wenn sie nicht die Bedingungen des neuen Klassenkampfs der Banken gegen die Beschäftigten akzeptieren.

Das dritte Charakteristikum eines Nationalstaats ist die Macht, Krieg zu erklären. Was wir heute sehen, ist eine Art Krieg. Es handelt sich im Grunde um einen Finanzkrieg, aber die Ziele sind die gleichen wie bei militärischen Eroberungen – zuerst Land und Bodenschätze, dann die öffentliche Infrastruktur, deren Nutzung kostenpflichtig gemacht wird, und schließlich andere staatliche Unternehmen oder Vermögenswerte.
Neuer Klassenkampf

Dieser neue Finanzkrieg zwingt Regierungen, im Auftrag der Eroberer gegen die eigene Bevölkerung vorzugehen. Das ist natürlich nicht neu. Zwischen den sechziger und achtziger Jahren mussten lateinamerikanische Diktaturen, afrikanische Militärregierungen und andere Oligarchien unter dem Druck von IWF und Weltbank massiv sparen. Irland und Griechenland, Spanien und Portugal erleben nun das gleiche Szenario. Die staatliche Politik wird in die Hände supranationaler Finanzagenturen gelegt, die im Auftrag der Banken agieren – und im Interesse der obersten Schicht der einheimischen Bevölkerung.

Wenn Schulden nicht zurückbezahlt oder umgeschichtet werden können, kommt die Zeit der Zwangsvollstreckung. Regierungen müssen mit dem Erlös aus Privatisierungen Gläubiger befriedigen. Privatisierung ist nicht nur ein Bereicherungsinstrument, es geht auch darum, Staatsbedienstete durch Arbeiter zu ersetzen, die gewerkschaftlich nicht organisiert, schlechter versichert sind und kaum Mitspracherecht haben. Der alte Klassenkampf ist also wieder da – mit einer finanziellen Schraube: In einer schrumpfenden Wirtschaft kann mit Hilfe von Schuldendeflation die Widerstandskraft der Beschäftigten gebrochen werden.

Außerdem können die Gläubiger Einfluss auf die Fiskalpolitik nehmen. Da das europäische Parlament keine Steuergesetze erlassen kann, geht die Fiskalpolitik an die EZB über. Und die EZB, als Vertreterin der Geschäftsbanken, scheint von Steuerprogression, wie sie im zwanzigsten Jahrhundert befürwortet wurde, nicht viel zu halten. Und wie amerikanische Finanzlobbyisten fordern, sollen staatliche Sozialleistungen von den Lohnabhängigen finanziert werden. Die Verlagerung der Steuerlast von Immobilien und Finanzen auf die Beschäftigten und die „reale“ Wirtschaft wird, neben den Privatisierungsgewinnen, zusätzliche Steuergewinne versprechen.

Das ist kontraproduktiv und kurzsichtig. Die Ironie ist, dass die Verschuldung der PIIGS-Staaten vor allem auf die Nichtbesteuerung von Vermögen zurückzuführen ist. Eine weitere Verschiebung der Steuerlast wird die Lage dieser Staaten eher verschlimmern als stabilisieren. Aber Banken interessiert nur der kurzfristige Gewinn. Sie wissen, dass Steuern, die Grundbesitzer und Unternehmer nicht entrichten müssen, als Zinsen den Finanzinstituten zufließen dürften. Griechenland und andere Staaten sollen also für ihre Rettung bezahlen, indem sie die Sozialausgaben kürzen (nicht aber das Militärbudget, mit dem deutsche und französische Waffen gekauft werden), die Steuerlast den Beschäftigten und Betrieben aufbürden und, in Gestalt von höheren Kosten für noch nicht privatisierte staatliche Dienstleistungen, auch den Verbrauchern.
Chancen der Krise

Der britische Premierminister David Cameron ist der Ansicht, durch weitere Einschnitte à la Thatcher und Blair würden mehr Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft geschaffen. Tatsächlich führen Haushaltskürzungen zu Arbeitslosigkeit oder zwingen die Leute zumindest, sich schlechter bezahlte Jobs zu suchen. Staatliche Einschnitte werden sich aber auch auf die Unternehmen auswirken, die fiskalischen und Schuldenprobleme werden sich verschärfen und die Wirtschaft immer weiter in die Rezession treiben. Haushaltskürzungen entziehen der Wirtschaft Geld, es kann weniger für Güter und Dienstleistungen ausgegeben werden. Das Ergebnis kann nur Arbeitslosigkeit und weitere Zahlungsunfähigkeit sein. Island und Lettland mögen als Kanarienvögel in diesem Finanzbergwerk dienen. Deren jüngste Erfahrung zeigt, dass Schuldendeflation zu Abwanderung, sinkender Lebenserwartung, sinkenden Geburtenraten, weniger Ehen und Familiengründungen führt – aber wunderbare Gelegenheiten für Heuschreckenfonds bietet.

Die heutige Wirtschaftskrise ist eine Frage des politischen Wollens und keine Notwendigkeit. Wie Präsident Obamas Stabschef Rahm Emanuel bemerkte: „Krisen sind viel zu gute Chancen, als dass man sie ungenutzt verstreichen lassen dürfte.“ In solchen Fällen ist die naheliegende Erklärung meist, dass jemand ein besonderes Interesse an der Krise hat. Wirtschaftskrisen verstärken Arbeitslosigkeit, und die wiederum schwächt die Position der Beschäftigten. Die Hochfinanz reibt sich die Hände, während die arbeitende Bevölkerung auf Ersparnisse verzichten und Rentenkürzungen hinnehmen muss. Die Großen fressen die Kleinen.

Das ist es, was sich die Finanzbranche offenbar unter guter Wirtschaftsplanung vorstellt. Aber es ist noch schlimmer als ein Nullsummenspiel, bei dem der eine verliert, was der andere gewinnt. Die Volkswirtschaften werden insgesamt schrumpfen – es wird zu einer Polarisierung zwischen Gläubigern und Schuldnern kommen. Wirtschaftliche Demokratie wird der Finanzoligarchie weichen, die Entwicklung der letzten Jahrhunderte wird rückgängig gemacht.

Ist Europa tatsächlich bereit, diesen Weg zu gehen? Ist den Wählern klar, dass das Privileg der Geldschöpfung in die Hände der Banken gelegt wird, wenn Regierungen sich diese Option entreißen lassen? Viele Kommentatoren haben dieses anscheinend unausweichliche Szenario beschrieben. Selbst wenn Regierungen sich diese Option offenhalten, also Geld drucken, um das Haushaltsdefizit zu finanzieren, bleibt ein großes Problem: Die bestehende Verschuldung belastet die Wirtschaft. Banken und die sie stützenden Politiker sind nicht bereit, Schulden abzuschreiben.
Geschäftsplan des Finanzsektors

Banken wollen nicht die Verantwortung für faule Kredite übernehmen. Das führt zu der Frage, was Politiker tun sollen, wenn Banken auf so unverantwortliche Weise Kredite zur Verfügung gestellt haben. Aber jemand muss Verluste akzeptieren – die Gesellschaft oder die Banken? Dieses Problem wollen Banken nicht lösen. Sie reichen es an die Regierungen weiter und fragen, wie ihnen von staatlicher Seite geholfen werden kann – auf Kosten der Steuerzahler. Irgendwie hält man an der Illusion fest, die Verschuldung könne gemanagt werden, wenn man sie den Steuerzahlern aufbürdet. Schuldendienst und Steuern sind aber Geschäftskosten, so dass jedes Land, das diesem Vorschlag folgt, höhere Kosten hat und auf den globalen Märkten weniger konkurrenzfähig sein wird. Die Vorstellungen des Finanzsektors laufen auf eine Deindustrialisierung hinaus. „Schuldenrückzahlung“ bedeutet praktisch Schuldendeflation und eine allgemein schrumpfende Wirtschaft.

So sieht der Geschäftsplan des Finanzsektors aus – aber die Fiskalpolitik und zentralisierte Planung in den Händen der Banken zu lassen ist das Gegenteil dessen, worum es in den letzten Jahrhunderten freier Marktwirtschaft gegangen ist. Das klassische Ziel war, möglichst wenig Schulden zu machen, Erträge aus Land und Bodenschätzen zu besteuern und Monopolpreise entsprechend den tatsächlichen Produktionskosten zu gestalten. Banken haben in zunehmendem Maß auf ebenjene Einkünfte Kredite gegeben, die nach Ansicht von Ökonomen die natürliche Steuergrundlage sein sollten.

Wir müssen uns entscheiden. Wollen wir die letzten Jahrhunderte liberaler Ökonomie aufgeben und die Wirtschaftsplanung ausschließlich den Banken überlassen? Oder wird sich die Gesellschaft auf die klassischen Grundsätze der Wirtschaftsreformer des 20. Jahrhunderts besinnen und für eine sozialverträgliche Gestaltung der Finanzmärkte und für langfristiges Wachstum eintreten?

Michael Hudson



Bekannt wurde der Professor der Wirtschaftswissenschaften an der Universität von Missouri in Kansas City, als er im Jahr 2006 in „Harper’s Magazine“ mit seinem Artikel „The New Road to Serfdom: An illustrated guide to the coming real estate collapse“ als erster und einziger den genauen Zeitpunkt voraussagte, zu dem die amerikanische Immobilienblase platzen sollte. Die verheerenden Folgen für die gesamte Wirtschaft sah er ebenfalls kommen. Hudson, Jahrgang 1939 und akademischer Lehrer von David Graeber („Debt: The First 5000 Years“), hat als Regierungsberater für Island, Lettland und China gearbeitet, ist Autor mehrerer Bücher zur antiken Wirtschaft und gehört zu dem Teil der Occupy-Bewegung, die sich aus Finanzexperten und Ökonomie-Professoren zusammensetzt. F.A.Z.

Aus dem Englischen von Matthias Fienbork

Nummer 391

Dienstag

Nummer 390

Die 75 unnötigsten Erscheinungen der westlichen Zivilisation
 
  1. Ratingagenturen
  2. Inkassobüros
  3. Hundesteuer
  4. Zwangsgebühren für Fernsehen, Radio und Internet (GIS bzw. GEZ)
  5. Plastiksackerln
  6. Autos, besonders SUVs
  7. "Volksmusik"
  8. Mafia
  9. Hooligans
  10. NGOs / Grüne Gutmenschen
  11. Neonazis und Burschenschafter 
  12. Pädophile Priester und Lehrer
  13. "Antifa", Hassprediger, Nazi und  die restlichen RADIKALEN 
  14. Coca-Cola, McDonald's und Marshmallows
  15. Fernsehen
  16. Säufer
  17. Trampelnde Nachbarn
  18. Produkte, die drei Tage nach Ablaufen der Garantie Meier gehen.
  19. Internet-Abzocke
  20. Kreditkarten-Abzocke
  21. Telekom-Rechnungs-Abzocke
  22. Tankstellen-Abzocke
  23. Stromrechnungs-Abzocke
  24. Gasrechnungs-Abzocke
  25. Kapitalismus als Abzocke
  26. Herdentrieb am Gehsteig
  27. Korrupte Politiker
  28. Korrupte Polizisten
  29. Korrupte Richter
  30. Diese Idioten, die auf Politiker-Fotos im Hintergrund dämlich grinsen.
  31. Brüchiges Klopapier
  32. Fascho-Bullen
  33. Design in fast jeglicher Form
  34. Schauspieler
  35. Galeristen
  36. Künstler
  37. Kontrolleure
  38. Bauarbeiter und Straßenarbeiter
  39. Baustellenlärm
  40. Fluglärm
  41. Verkehrslärm
  42. Chemische Lebensmittelzusätze
  43. Darmkrebs
  44. Herzinfarkt
  45. Zigaretten, Zigarren und Tabak
  46. Weiße Poser-Arschlöcher mit Dreadlocks
  47. Taubenscheiße auf Denkmälern
  48. Ausgespuckte Kaugummis am Trottoir
  49. Hundescheiße in Parkanlagen
  50. Problem-Proleten
  51. Mund/Achsel/Intim-Geruch in den Öffis
  52. Computerstaub
  53. Silvesterraketendreck an Neujahr
  54. Hundescheiße am Gehsteig
  55. Elektrogeräte, die nach 20 Sekunden Betrieb riechen wie Märklin-Trafos im Dauerbetrieb.
  56. Ameisenbefall Dank Vormieter
  57. Angegammeltes Obst im Supermarkt
  58. Junkies im Park
  59. Betrügerische Kleinanzeigen
  60. Herstellergarantien, die nicht eingehalten werden.
  61. Hundescheiße auf dem Radweg
  62. Kredithaie und Pfandhäuser
  63. Reißerische Dokus ohne jede Aussage (z.B. Aliens and the Third Reich oder Hitler's Escape)
  64. Betrügerische Urlaubsangebote
  65. Schlechte Synchron-Sprecher
  66. Fußballspieler
  67. Eishockeyspieler
  68. Eitle Star-Künstler
  69. Eitle Star-Kuratoren
  70. Eitle Star-Kunsthallenchefs
  71. US-Fernseh-real life-Doku-Serien über Cops, Trucker, Köche
  72. Atomwaffen
  73. Kaugummi auf Sitzbänken
  74. Tierschützer, militant.
  75. Zigarettenrauch

Nummer 389

Sonntag

Nummer 388

Lustig: Das antikapitalistische, antiklerikale ÖH-Lesben "Café Rosa" hat innerhalb einen Jahres 400.000€ Uni-Gebühren verbraten und zusätzlich Schulden gemacht. Da es gedacht war für MenschInnen, die "basisdemokratisch, feministisch, antisexistisch, progressiv, antidiskriminierend, antirassistisch, emanzipatorisch, ökologisch-nachhaltig, antifaschistisch, antinationalistisch, antiklerikal, antipatriarchal, antiheteronormativ, antikapitalistisch und solidarisch.“ sein sollten, frage ich mich: Zu wenige linke Transen an der Uni??? Oder mit andren Worten: Warum sollte die Gesellschaft radikalen Homos freie exklusive Rückzugsräume alimentieren, wenn selbige Gruppe alle andren Gruppierungen ausgrenzt? Woher nimmt diese Gesindel die Chuzpe???
Traurig: Lucio Dalla RIP.
Klassikaner: Der zurückgetretene Lügenbaron Wulff kassiert trotz allem seinen "Ehrensold".

Nummer 387

http://forum.spiegel.de/f22/iranisches-atomprogramm-israels-kalkuel-fuer-den-krieg-54412-3.html


#28 Heute 13:20 von xRGBx
Zitat von antalya1977
Wann hören wir den mal nachrichten über die kulturelle und wirtschaftliche blüte im nahen [..] osten?
Im Geschichtsunterricht!


#31 Heute 13:21 von neuroheaven
...
Zitat von secretsurf
diese hirnlose Geschichte, der Iran wolle Israel mit Atomwaffen angreifen ist sowas von ausgemachter Blödsinn.
Dieser islamisch-fundamentale Staat wird sich hüten, eines der auch islamisch meistverehrten Bauwerke und die auch für Muslime heiligen Stätten per .....

ihre argumentation ist schlüssig und rational und logisch und weitsichtig.
alles eigenschaften die fundamentalistische hardcore mullahs nicht haben. schon gar nicht im iran.
aber der versuch ehrt sie.

Nummer 386


Freitag

Nummer 386

Die 75 wichtigsten Dinge für den urbanen Menschen des 21. Jahrhunderts.

  1. Listen schreibende Arschlöcher.
  2. Listen lesende Arschlöcher.
  3. Ein Lächeln im Gesicht.
  4. Universitätskliniken.
  5. Universitäten
  6. Öffentlicher Verkehr (in jedem Sinne)
  7. Bankomaten.
  8. Supermärkte.
  9. Apotheken.
  10. Elektro-Spielzeug
  11. Fitness-Center.
  12. Lässige Schuhe.
  13. Lässige Mode.
  14. Lässige Frisur.
  15. Lässige Auto.
  16. Lässige Maschin'.
  17. Lässige Oide/Lässiger Hawi.
  18. Pump-Guns für die Un-Lässigen.
  19. Flughafen.
  20. Zahnärzte
  21. Hippe "Locations" am Besten im Verbund mit hippen Museen
  22. Hippe "Clubs"
  23. Solarien
  24. W-Lan-Areas
  25. Augmented reality (für alle, denen das Leben nicht genug "lebendig" ist)
  26. Art-Cinemas für Filme im fremdsprachigen Original
  27. Swinger-Clubs für die "Elite"
  28. Hauchdünne Latex-Kondome in verschiedenen Geschmacksrichtungen
  29. Hochgeschwindigkeits-Internet, am besten als Standleitung
  30. In-Friseure
  31. Grow-Shops
  32. Kirchen, die zu Discos umgebaut wurden
  33. Suppen-Bars
  34. Piano-Bars
  35. Champagner-Bars
  36. Linke "Elite"-Zeitungen in leicht erkennbarer Farbe für unterm Arm, in denen Israel verteufelt wird
  37. Genügend Konservative, um sich kollektiv vom "Nazi-Kollektiv" bedroht fühlen zu können
  38. Jegliche Paraden, auf denen gezeigt wird, wie tolerant wir sind
  39. Hunde-Wiesen für Wurst-Verächter
  40. Würstel-Stände für rechte Fleisch-Faschos, nicht-israelische Falafel-Stände für den Rest
  41. Entsafter 
  42. Coca-Cola, McDonald's und Marshmallows
  43. Kletterhallen
  44. Personal-Trainer
  45. Optimierte Infrastruktur 
  46. Gleitmittel
  47. Antibiotika
  48. Drogerie-Shops
  49. Blumenläden
  50. Saft-Bars
  51. Unterwäsche-Shops
  52. Sushi-Bars
  53. Cohibas
  54. Paris-Bas
  55. Falke-Socken
  56. Vera Lynn-Songs
  57. Manschettenknöpfe
  58. Dupont-Feuerzeuge
  59. Ergometer
  60. Kreditkarten
  61. Reisebüros
  62. Natriumdampflampen
  63. Head-Sets und sonstige Freisprechanlagen
  64. Gegensprechanlagen
  65. Müllabfuhr
  66. Digitalwaagen
  67. Job-Zigarettenpapier
  68. Lässige Retro-Sonnenbrille
  69. Lässiger Retro-Bart
  70. Lässige Retro-Mode
  71. Lässige Retro-Musik
  72. Taubenabwehr am Hausdach und im Hinterhof
  73. Doku-Sparten-Kanäle
  74. Ausländische Presse

Donnerstag

Nummer 385

Mein Weltekel wird immer größer.
Endemische Korruption, Hass, Extremismus, Umweltvernichtung, Gutmenschen, Nazis, Mullahs, Amis...
Mit Ausnahme weniger Menschen, die mir am Herzen liegen, kann VON MIR AUS die ganze verfickte Drecks-Menschheit VERRECKEN.
VERRECKEN SOLLT IHR DRECKIGEN SÄUE!!!!

Dienstag

Nummer 384

55 EURO IN BEIJING                                                                                                            14.02.2002




Hundert Jahre nach dem Boxer-Aufstand inklusive Belagerung der westlichen Botschaften, dem letzten Schulterschluss der Kolonialmächte gegen die bösen Chinesen folgten nicht nur die sonor besungenen Massaker an Barrikaden. Na, in Flandern, ein paar Jahre später, auch.
Nein, knapp vier Jahrzehnte später, ein leichtes Hüsteln nach den imperialen Maßstäben im Reich der Mitte, war das Zeitalter der europäischen Kolonialhegemonie bloß noch Staffage der Geschichtsbücher.
China hingegen triumphiert, im Zeichen seiner kommunistisch genannten Militärdiktatur und der potentiellen Kaufkraft seines Milliardenvolkes. Selbst die Deutschen, die damals noch wilhelminische Patronen abschossen auf Pekinger Revolutionäre, schleimen sich heute ein, um ja ihren Transrapid an die Machthaber zu verhökern.
Moralische Bedenken wiegen wenig, Angesichts von über vier Millionen Arbeitslosen. Doch Vereine von Gutmenschen, die Richard Gere einladen, damit der über die Menschenrechtsverletzungen in Tibet (den moslemischen Provinzen sowie eigentlich ganz China) referieren möge, sind des Kanzlers ethisches Feigenblatt. Die alten Hollywood- und Shepperton-Reminiszenzen hinsichtlich weißen Suprematismus’, technischer Überlegenheit, Glanz und Gloria, die in den 50ern und 60ern noch sämtliche Stars wie John Wayne und David Niven zusammenwürfelten, sind kleinen Nadelstichen á la „Red Corner“ gewichen, die kein einziges Geschäft mehr zu stören vermögen.
Ja, der Durchschnittsförderer von Amnesty International ist dafür sogar dankbar. In der verwirrenden Welt des Post-Ostblocks ist es geradezu erfrischend, wenigstens in China und Nordkorea das gewohnte Freund-Feind-Schema wiederzufinden: Hier die geknechtete Bevölkerung, da eine martialisch sich gerierende Faschisten-Pyramide aus Parteibonzen und deren Speichellecker.
Es ist ein herrliches Schauspiel:
Von Plastik-Spielzeug-Produzenten zum Aspiranten einer Konsumenten-Weltmacht aufgestiegen, genießt es die chinesische Elite nicht nur, von monetären Magnaten des verachteten Westens hofiert zu werden, sie lässt auch nationalistisch-willfährige Wissenschaftler feststellen, daß es die Chinesen schon viel länger gibt als die Europiden. Da bleibt uns langnasigen Barbaren nicht viel, als den Kotau zu üben, uns in den Staub zu werfen, in den wir ohnehin gehörten, wenn die Amerikaner nicht über die Atombombe verfügten. Doch der Asiat denkt langfristig. Gerne kauft er uns Technologien ab, zu horrenden Preisen, um sie danach zu kopieren. Wir alle werden uns noch wundern, wie hart uns die Chinesen in den Arsch treten werden, wenn sie dereinst, befreit sind von Chop-Suey- Höflichkeit und andren Sachzwängen, die Nachfolge der USA antreten werden, ohne an deren post-christlich-sittlichen Residuen zu kranken.
Ja, wenn die Volksbefreiungsarmee alle Völker befreit haben wird, von Freiheit und lästigen Rechten, dann werden wir uns zurückziehen in die Berge oder Sumpfwälder, die gehassten Besatzer mit Benzinbomben und selbstgebastelten Waffen traktieren. Dann, wenn die Nazi-Herrschaft und der Rassenhass unter umgekehrten Vorzeichen auf uns zurückfallen, wird, was der Euro nicht zu schaffen scheint, Wirklichkeit werden: Ein geeinter Kontinent entsteht, zusammengeschmiedet mit Blut und Tränen, und vom stählernen Willen, es nie, nie mehr so weit kommen zu lassen, sobald die Kack-Chinesen endlich wieder draußen sind.
Niemand wird wahrhaben wollen, daß die KP nicht mit der Wimper zucken wird, nach wiederholten Attentaten kulturelle Perlen wie Paris, Prag oder Potsdam nuklear einzuäschern, damit wir uns endlich fügen.
Damit es gar nicht soweit kommt, sollten wir lieber vermehrt Pizza, Döner und Souvlaki essen, chinesische Produkte boykottieren und alle Falun-Gong-Mitglieder werden, um die demokratisch-spirituellen Kräfte des sinologischen Widerstands zu stärken.
Oder wollen Sie in einer Welt leben, in der wir uns nach Berlusconi und Stoiber, Karl Moik und Jacques Chirac sehnen? Dürfen wir es wirklich soweit kommen lassen, daß uns Haiders Kärnten, der Kölner Karneval und Leo Kirchs TV-Talkshows nicht mehr eine willkommene Portion Spaß sein dürfen? Möchten Sie etwa Heino Bremer, Helmut Kohl und Stefan Raab eine Träne nachweinen? Stellen Sie sich eine Welt wünschenswert vor, in der Christoph Daum, Guido Westerwelle und der Autor dieser idiotischen Zeilen plötzlich zu unrechtmäßig verspotteten Kreaturen mutieren?
Nein, auch Sie möchten gerne weiterhin auf Urlaub nach Mallorca fahren, statt in der Mandschurei Steine zu klopfen. Solange wir nicht alle eines hassen müssen, weil wir alles andere nicht mögen, die einen noch CSU wählen dürfen und die anderen kiffen können, solange also werden wir diese Freiheiten als selbstverständlich genießen. Außerdem glaube ich nicht wirklich an die kommende chinesische Weltherrschaft, zumindest nicht in absehbarer Zeit. Selbst dann gäbe es noch die Möglichkeit, sich als aufrechter Kollaborateur zu profilieren, und zum Dank dem örtlichen Statthalter als ernährungsmäßig privilegierter Gärtner die Blumen gießen zu dürfen. Wir alle kennen die Filmaufnahmen des Vichy-Ministers Pierre Laval, mitten im Krieg, und am Ende seiner Regierungs-Rede der deutsche Gruß zum gekrächzten „EIL YTLÄÄR!“.
Nur der, der sich zu weit aus dem Fenster lehnt, fällt auch wirklich raus.
Die Vita etlicher hochrangiger Franzosen, die nach dem Krieg demokratische Karriere machten, weist Beamtenschaft in Vichy. Nebenbei kämpften diese Franzosen in Afrika und im Mittelmeer, wenn schon nicht auf Seiten Hitlers, so doch gegen ihre kolonialen Erzfeinde, die Engländer, als die ihre Häfen eroberten und ihre Flotte versenkten.
Das fällt unter gesunden gallischen Patriotismus!
Sogar dem berüchtigten Massenmörder-Mediziner Michel Pétiot, der im besetzten Paris Hunderte von Menschen getötet, ausgeraubt und fachmännisch zersägt in Öfen und Kanalisation entsorgt hat, wurde der Strick nur wegen der umgebrachten Franzosen und sonstiger Juden gedreht. Nicht angeklagt wurde er für die angeblich abgemurksten Gestapo-Leute und Kollaborateure. Passt aber schon.
Aber ich bin wieder einmal völlig abgeschweift, total daneben.
Denn selbstverständlich stehen hier nicht ganze Völkerschaften vor dem Tribunal meiner Häme! Wenn ich „die Chinesen“ schreibe, dann meine ich die Vordenker, Helfershelfer und Täter in Regierung, Polizei, Militär und jeder anderen so genannt zivilen Verwaltung im Machtbereich der Volksrepublik China. Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich nur diese vielen Millionen in die Pfanne haue, und sie nicht mit der aberwitzigen Anzahl von ausgebeuteten Anarchisten in einen Topf werfe, was für ein schönes kulinarisches Bild.
Was die angeblichen Vorzüge chinesischer Frauen angeht, bildhübschen Geschöpfen, natürlich,, so gebe ich den Herren der Schöpfung zu bedenken, dass genannte Grazien 5000 Jahre Hochkultur lang Zeit hatten, um eine Blüte an Zickigsein zu erreichen, die Ihresgleichen sucht. Verwöhnte, anspruchsvolle und launische Biester sind das, wie uns Millionen lustiger oder tragischer Hongkong-Filme eindrücklich vor Augen führen. Was vielleicht darauf zurückzuführen ist, Sie Muster-Macho, dass asiatische Männer nur kleine Pimmel haben, aber die Afrikaner Riesenlümmel, was?!
Denken Sie also daran, wenn Sie heute in der Verbotenen Stadt für die Dame Ihres Herzens Blumen kaufen.

Freitag

Nummer 382

Mann lebte in Wien wochenlang neben Totem

Eine stark verweste Leiche haben Feuerwehrmänner in der Nacht auf gestern bei Löscharbeiten in Wien-Währing entdeckt. Neben dem 59-jährigen Wiener dürfte wochenlang ein Bekannter gelebt haben, der von dem Toten nichts gewusst haben will.

Statuen aus der Villa Medici in Italien gestohlen 

Aus der französischen Kunstakademie in Rom, Villa Medici, sind mehrere Statuen gestohlen worden. Vandalen hätten außerdem weitere Statuen und Fragmente in den Gärten und der Loggia des Hauses beschädigt, sagte Akademie-Leiter Eric de Chassey heute. Er sei „schockiert von diesem Akt des Vandalismus“.

Zweifel an Amy Winehouses Obduktionsbefund 

Knapp mehr als ein halbes Jahr nach dem Tod der britischen Soulsängerin Amy Winehouse sind Zweifel an der Gültigkeit der amtlichen Feststellung der Todesursache aufgekommen. Wie die Familie von Winehouse heute bekanntgab, will sie rechtlichen „Beistand“ suchen.

Mittwoch

Nummer 381

Lustig: Ich habe heute Geburtstag.
Traurig: Ich habe heute Geburtstag.
Klassikaner: Ich habe heute Geburtstag.

Dienstag

Nummer 380

Lustig: In den öffentlichen Wiener Mülleimern landen pro Jahr 17 Millionen verpackte Hundehaufen. Wauwau!
Traurig: H.C. Strache vergleicht die Aufregung um den WKR-Ball der Schmisspepis in der Hofburg samt der hysterischen Linken-Demo mit den Juden-Progromen in der Reichskristallnacht 1938. Oberpeinlich!
Klassikaner: Sibirische Kaltluft bringt bissigen Winter zurück. Herrlich! Endlich dicke Mützen auf!

Nummer 379

Krasse Frau

Montag

Nummer 378

ZEUGE DER ANLAGE




Um 15:51 stand ich endgültig auf, brühte mir einen frischen Tee und machte mich wieder an die Arbeit für mein Hans Arp-Referat. Eines war mir bei der Beschäftigung mit diesem alten Herrn aus Strasbourg aufgefallen: Auch wenn der Begriff Rock-Röhre auf ihn leidlich falsch gemünzt wäre, kann Hans Arp immer noch als Star bezeichnet werden. Ein stiller Stern, der Zeit seines Lebens eine ganz eigene Bahn konsequent und mit wachsender Virtuosität gezogen hat. Drei Generationen einer Familie spielten einträchtig und vital zusammen eine Partie Boccia. Der Opa konnte das trotz seines immens schweren Tinnitus-Leidens, weil er einen Geräusch-Masker trug, das patentierte Produkt einer angesehenen Firma. Alle waren ja so froh, dass Opa endlich das lästige Fiepen im Ohr los war, mit dem er sich immer vorgekommen war wie ein wandelnder Telegraphen-Mast. Aber als sein Sohn schließlich feststellen musste, dass die Deutsche Post den Telegrammverkehr eingestellt hatte, ließ Opa sich dazu überreden, ebenfalls mit der Zeit zu gehen und sich einem Gehör-Spezialisten anzuvertrauen. Zum Glück hatte ja der liebe Opa eine gute, private Zusatzversicherung zur Krankenkassa. Die regelte das eins, fix, drei. Auch der Sohn war gut versichert, sparte Geld in krisensicheren Fonds an und hatte nur noch siebenundvierzig Raten vor sich, ehe das Reihenhäuschen im Grünen abgezahlt wäre. Und der ganz Kleine hatte ganz besonderes Glück, dass seine Eltern und der Opa auf seinem Namen bereits langfristige Bausparverträge für Ausbildung, Aussteuer und die Feuerbestattung abgeschlossen hatten. Es war gut zu wissen für seine Angehörigen, dass sie am besten wüssten, was für den Junior das Beste wäre. Der kleine Max konnte sich entspannt zurücklehnen und warten, bis das ganze Leben wohl behütet an ihm vorbeizog, um ja nicht das schon vorfinanzierte Funeral zu verpassen. Schließlich hatte er ja schon jetzt eine wichtige Aufgabe innerhalb der Familie: Er musste die versprengten Boccia-Kugeln einsammeln, die seine Angehörigen im wilden Eifer des Gefechts quer durch den familieneigenen Pistazien-Hain gepfeffert hatten. Ab und an durfte er sogar werfen. Dann lagen Opa, Papi, Mami und der Rest der Truppe schon besoffen unter dem Tisch. Nur Max und seine Cousins und Cousinen waren noch wach, tobten herum, klauten ihren Alten Geldscheine aus den Portemonnaies, pinkelten auf den Grill und in die Schüsseln mit Salat und Bowle, dann zogen sie schreiend und lärmend ab, verballerten im Dorf die geklaute Kohle in Flipperautomaten, für Mickey Mouse-Hefterl, Pizzaecken, Eiscreme und Schokolade, ehe sie im Dorfkino einen Zombiefilm guckten. Aber es war alles in Ordnung, denn das Kino wurde von der katholischen Jugend betrieben. Für sie galten solche Filme als positivistische Erweckungs-Dramen. Die Nacht der lebenden Toten, The Dead, ghoulische Supermarkt-Schocker und ähnliche phantastische Post Mortem-Kannibalen-Filme, die das Herz Hans Arps erwärmt haben dürften, zumindest die in Schwarzweiß, verstießen nicht wirklich gegen die kirchliche Moral. Nein, das waren Episteln über die Vergänglichkeit des Fleisches, das Versprechen der Wiederauferstehung, das Scheitern der Widergänger, alles drastisch angereichert mit wahren Lebenssaft, dem spritzendem Blute unseres Herrn. Lauter biblische Vergleiche. Eine tief eingeborene Innenschau. Aber Max' Familie, lauter gestandene deutsche Mittelständler, waren verklemmte Kalvinisten und schätzten derart mediterrane Fleischeslust nicht sonderlich. Verdammte Italiener! Zu faul zum Arbeiten! Immer nur vino, amore, bambini! Haben uns im Krieg verraten! Und jetzt diese Schweinerei! Das durfte sich niemand gefallen lassen! Vor allem Opa nicht, und der verklagt den verantwortlichen Monsignore:
„Ich war ja schließlich im Krieg!“
Das war ein Schauspiel gewesen, als plötzlich, mitten in der Vorstellung, die völlig verkaterten, abgekarteten, bleichen und verschwitzten deutschen Angehörigen laut nach ihren Kindern brüllend durch die Eingänge in den Saal hinein strömten. Die Kinder verstanden nicht ganz, was jetzt abging, da im Film Zombies gerade ein Kino überfielen. Die Folgen waren unerquicklich: Sämtlichen Kindern, das Älteste war Max, damals gerade sieben Jahre alt, waren sämtliche Körperflüssigkeiten zugleich in die Hosen und auf die Hemden gefahren. Einige der Eltern und Tanten waren in der Gülle ausgerutscht, gestürzt, sich dabei böse die Köpfe, Ellenbogen und Knie aufschlagend. Opa war sogar über die am Boden liegende Tante Trude gestolpert. Als er mit der Fresse auf eine der harthölzernen Lehnen knallte, war nicht nur seine kostbare Goldbrille im Eimer, sondern auch noch sein sündteures Hörgerät, das in eine Lache undefinierbaren Schleims platschte, ganz zu schweigen vom schönen dritten Gebiss, das am Boden zerschellte. Weiße Porzellan-Stege, im Dreck leuchtend. Wer soll das bezahlen? Nicht unser Opa! Nein. Er zerrte den Priester vor den Kadi. Ein Jahr später war die Hauptverhandlung. Aber als Opa mit dem neuen Opel nach Neapel fuhr, wo er als Belastungszeuge aussagen sollte, wurde er nach einem Tankstopp bei Caorle auf der Autobahn von einer Bombe in dreier Stücke gerissen. Armer Opa! Alle Versicherungen mussten löhnen. Wenn das der Opa wüsste! Der tät sich schön freuen! Max hingegen wurde nach Opas Tod dessen Haupterbe. Sie steckten ihn in ein Schweizer Internat. Liebe? Soft Skills? Menschlichkeit? I wo! Nichts wert! Max durchlief sämtliche vorgeschriebenen Karriere-Stadien und wurde am Ende doch ein Bomben legender Terrorist.
„Und was hat das mit Hans Arp zu tun?“
Meine Studienkollegin, die ein wenig verwirrt wirkte, sah mich forschend an.
„Uhm. Die serielle Abfolge von sinnlosen Zufällen. Das Hineinplätschern von Pneuma in den Hirsebrei des Lebens.”
“Bloß das Arp allem Anschein nach aus dem Zufall ein gesetzmäßiges Prinzip formte.”
“Und an einer karrierefördernden Legende bastelte, wie denn seine Texte entstünden.”
“JA, das hat er sehr viel später in seinen Memoiren grade gerückt”
“Aber auch nicht ganz.”
„Richtig!“
„Mein Gott, es ist ja schon finster.“
Ich blickte nach dem Himmel.
„Und erst fünf Uhr.“
„Machst du uns noch Tee?“
“Gerne.”
Ich ging raus in die Küche. Sie stellte sich ans Fenster. Während ich mit dem Wasserkessel und den anderen Utensilien klappernd hantierte hörte ich ihre Stimme aus dem Nebenzimmer:
„Ist schon eigenartig, wie die Menschen miteinander umgehen.”

Samstag

Nummer 377

BLABLABLA




Ehe Philosophen sich über gewichtige Dinge den Kopf zerbrechen, sollten sie eine ganz banale Sache betrachten: Die Mündung des Mastdarms (Rectum). Diese Öffnung wird durch den Afterschließmuskel verschlossen, der aus einem inneren, unwillkürlichen, zur Mastdarm-Ringmuskulatur gehörigen Teil und einem äußeren Teil aus quer gestreifter Muskulatur besteht, die willkürlich erschlafft oder kontrahiert werden kann. Dieser Muskelteil ermöglicht somit, die Darmentleerung unter die Kontrolle des Willens zu bringen. Der Afterbereich ist reich an Schweißdrüsen und an Venengeflechten (Hämorrhoiden). Wie zu sehen ist, beinhaltet die Vorrichtung des Afters als Grundbedingung den freien Willens. Dieser freie Wille ist wiederum unter der Bedingung des „Ich“ vorstellbar.
Nehmen wir also an, einer der grunzenden Cro-Magnon-Menschen muss defäzieren. Er oder sie verspürt ein gewisses Rumpeln im Gedärm, sucht das Weite und hockt sich in seiner steinzeitlichen Landschaft unter einen Busch. Das Pressen und Ziehen wird unerträglich, da, endlich, die große Erleichterung, die Kotsäule flutscht als große braune Wurst aus dem Leibe. Nun wird er oder sie einige Blätter vom Busch reißen und sich mit ihnen reinigen. Welche Gedanken ziehen durch diesen frühmenschlichen Geist? Ein Oooommpphh, oder eher Aaahnnnggn? Wird der Frühmensch getröstet sein oder war es ein eher unangenehmes Erlebnis, weil er oder sie an Hartleibigkeit leidet? Wird das Wörtchen „Ich“ im Kopf golden aufschimmern oder nicht?
Machte das für unsere Ahnen einen Unterschied?
Wann wurde aus dem unappetitlichen Urlaute-Brei ein leckerer Wortstrudel? Was hatte geschehen müssen, ehe sich diese Wesen als Individuen wahrnahmen? Wo und warum? Wie bitte?
Das sind müßige Fragen?
Ich soll lieber in der Nase bohren? Na denn, au gratin, Sie Kretin!

Ein furchtbares Anziehungsfeld saugt sich fest. Konstante Möglichkeit von Anschlägen. Die privaten Schotten sind abgedichtet, die Schlampenmaschine gibt meiner Liebesfähigkeit konsequente Kraft. Schöne reiche Mädchen weisen den Weg. Den Weg der Schmerzen und Tränen. Horrido! Das Feld blickt in dunkle Tiefen. Betrunkene Skoten. Ein Freund von einem Stinktier.
Wir sind nicht viel weiter gekommen. Ranziger Geschmack auf den Lippen. Angewidert wenden wir uns ab. Es dröhnt durch Mark und Stein. Konsequent. Ausgereizt bis zur letzten Sekunde, ehe es richtig weh tut. Das Ich zwirbelt seine Fädchen durch den Laib. Setzt sich selbst voraus. Hat Mr. Cro-Magnon „sich“ gekratzt, wenn die Wanzenbisse juckten, oder war das einfach nur eine juckende Stelle ohne Bewusstsein? Was war das für ein Wesen, das sich in der Nacht fürchtete, ohne Worte dafür zu haben? Sein Leben ist noch einfach genug strukturiert, dass er keine codierten Begriffe zur sicheren Inhaltsvermittlung benötigte. Später passiert es doch. Die Menschen werden immer mehr, ihr Zusammenleben gestaltet sich zunehmend komplizierter, das bisschen Grunzen und die Keule bedrohlich schwingen reichen nicht mehr aus. Das „Ich“ wird entdeckt und die Sprache. Segen oder Fluch. Seitdem hält uns jemand einen Spiegel hin, etwas, das weit älter ist als „wir“. Die wenigen, die diese Mutprobe bestehen, sind danach nicht mehr dieselben. Warum denn nicht?

Frau Tischkoffsky hat Wasser in den Beinen, trägt aber seit Jahren ihre Stützstrümpfe nicht. Zu eng, sagt sie, macht mich ganz verrückt, diese kratzige Enge! Lieber Leiden! Der warme Wahn. Limit erreicht. DAS ERDBEBEN! Es wackelt und wirrt. In Deckung! Aber wo, wie? Seiger oder tonnlägig, das ist hier die Frage! Wasser-Moleküle, unsre besten Freunde.
Vielleicht hatte die psychische Menschwerdung des noch nicht Sprachbegabten intensiv mit dem Wunsch zu tun, den Stuhlgang bewusst kontrollieren zu können. Immer diese peinlichen Szenen in der Gemeinschaftshöhle! Das wollte niemand! Gewisse Dinge haben sich nie geändert. Anderer hingegen kann sich die Rasse noch immer nicht erwehren. Da gibt es zum Beispiel die aufdringlichen Werbeprospekte. Neulich erstand ich bei einem Elektro-Discounter eine neue Mini-Musikanlage für meinen PC. An der Kassa drückte mir eine nette Frau nebst meiner Quittung (Zwei Jahre Garantie) einen Reklamezettel in die Hand. Entgegen meiner Gewohnheit warf ich ihn aber nicht gleich in den Müll, sondern stopfte ihn in die Einkaufstüte.

Daheim baute ich erst einmal die eher kompliziert konzipierte Lautsprecherkombination (find the double stereoscopic line of direction, plug the 3.5 diameter mini stereo plug into the host behind front socket, another plug inserts the socket of the sound source. If connect to PC, then use 2pcs double stereoscopic line of direction, host of front rear channel and PC audio card of iin front rear channel link is good.) zusammen, ärgerte mich über Missverständnisse und erfreute mich letztlich doch am dreidimensionalen Klangerlebnis. Ich briet mir ein leckeres Stück Fleisch, nur mit Chili, Knoblauch und Salz dran, vergaß dabei nicht, meine schöne, neue helle Hose standesgemäß mit Öl zu bekleckern. Ich bereitete mir zwei Steaksemmeln zu, um mit ihnen in der Hinterhand leichter auf Hunger bluffen zu können, aß sie genüsslich und trank dazu zwei kleine Beck’s. Der Werbeprospekt verschwand irgendwo in den Tiefen meines Arbeitstisches, war vorerst vergessen. Vor dem Schlafengehen hängte ich noch den Weihnachtskalender an die Wand. Ich hatte ihn im riesigen Kaufhaus um die Ecke für einen Einkauf im Werte von über fünfzig Euro gratis erhalten.
Ich habe eine Schwäche für Adventskalender. Sie erinnern mich an meine früheste Kindheit, jene huldvolle Zeit, in der vierundzwanzig Tage eine Ewigkeit dauern konnten und ein vom Unheil noch ungetrübtes Dämmern, Reifen in der Liebe meiner Eltern möglich war. Auch Kaleidoskope und Beatlesmusik (mit Ausnahme der besonders schleimigen McCartney-Nummern wie Obladi-Oblada) fallen unter dieselbe Kategorie warmen Glücks; ebenso dicke Wolken, die wie süße, steif geschlagene Schlagsahne aussehen; das leise Klingeln eines Glöckchens, das mir die Ankunft des Christkindes verkündete. Aber bevor mir ernsthafte Tränen der Rührung kamen (schluchz, schluchz!) fiel mir der Werbeprospekt bei der Suche nach der verfickten Telekom-Mahnung (122,21€) wieder in die Hände.

Vorweihnachtszeit, hmm, da kaufen doch alle wie verrückt den größten Schund zusammen, den es nur gibt, wie die Sitte es anordnet. Nicht nur Wanderer, die nach Sparta kommen, werden mir zustimmen. Aber jedes Jahr stehe auch ich vor der Qual der Wahl. Sein oder nicht sein. Nicht, dass ich etwa bei dieser Geldvernichtungsshow mitmachen würde. Nein, ich nicht, was? Zwinker. Ich kaufe keinen Schrott, nur buntes Edelmetall. Dennoch war ich neugierig, was unter der Rubrik „Spannende Geschenke“ zu erwarten war. Da gab es Rasierapparate mit integriertem Radio, der neueste internationale Technik-Schrei, stufenlos regulierbare Thermostate, Bratgeschirr, „antihaftbeschichtet“, für Raclette, Röstgemüse und „schöne Winterabende“. Ich fand außerdem: Preisknüller, Profibahnen, ideale Zweitgeräte, Wetterstationen, Edelbrenner, Outdoor-Sets für alle Fälle, ein tolles Angebot ist etwa auch das H0-Modellbahn-Startpaket (richtig komplett mit Lok, Trafo etc.), tolle Klassiker zum Weihnachtspreis, edle Konzertgitarren (mit honigfarbener Decke und guter Verarbeitung) für schlappe dreißig Euretten, Oldies und Spaß für alle, Wertvolles gegen Frost und für sichere Motorstarts, „schöne Deko“ und sogar Erleuchtung. Wie schön! Illumination für 7,99!


Ich musste mich nach der Lektüre fragen, warum nicht einfach die Weltregierung in die starken Hände dieses einzigartigen Konzerns legen, der doch bestimmt in Nullkommanix die passenden Konzepte gegen Hunger, AIDS, Drogen, Terrorismus, Krieg und Armut finden würde. Nein, nach diesem Erlebnis hatte ich keine Frage mehr. Ich ging erstmal aufs Klo und gab mich den gepflegten Freuden der Steinzeit hin. Das inspirierte mich zu neuen, frischen, unverbrauchten Ideen über die Dunkelheit, dicke Daunendecken und das doofe an Deutschland. Bierschiß! Schon mittags einen Dulliäh. Unter der Woche. Ich brauchte dringend Nachschub.
Ein wenig psychedelische Musik im Kopf, so genannte Ohrwürmer, jahrelang beliebte Schlager, Sound-verzerrende E-Gitarren, exotische Instrumente, ewige Liebesschwüre, Texte, die von Drogen handeln, inklusive. Es war klar, mein Hirn versuchte, mit mir zu kommunizieren. Aber leider war es nicht explizit genug, alles blieb im Vagen. Also musste ich losziehen, mir qualifizierten Rat kaufen. Rolf, der nette Typ im Tabakladen, so hoffte ich, hätte für mich was auf Vorrat. Ich schaffte es, den mit braunen Tretminen übersäten Gehsteig ohne peinlich-olfaktorische Katastrophen zu bewältigen. Unterwegs begegneten mir zwei Typen mit schicken Frisuren, die mich eher an Kopfbedeckungen als an Haare erinnerten. Schön, in einer Stadt zu leben, die alle Stereotype bewahrheitet. Ein Junkie mit eintätowierter Harlekin-Träne, in Hockstellung und einer Dose Bier in der Hand. Die Horde harmlos krakeelender deutsch-türkischer Jugendlicher bei der U-Bahn-Station, die verrückte Säuferin vom Nebenhaus, ein betreten wirkender Arbeiter im Blaumann, ein nach Schnaps Bier stinkender Hilfs-Biker mit speckiger Kutte, der sein Fahrrad schiebt, ein älteres Schwulenpärchen im schwarzen Lederdress, Händchen haltend. Ach ja, im Vorübergehen sah ich in den Läden meiner langen Straße auch die hübsche Bäckergesellin, sie winkte mir zu. Die drei Kartenspieler im Privatclub für makedonische Exil-Fußballer waren in Kartenspiel vertieft, der Möbelverkäufer mit dem üblen Toupet, diverse Sekretärinnen in Fahrschulen, Spezialgeschäften für Zargen und Markisen, Pflegevereinen, Hausverwaltungen und privaten Nachhilfeinstituten. Ein Jeder Mensch mit Schmerzen, Sehnsüchten, realistischen Fehleinschätzungen, mehr oder weniger zuverlässigen Körperfunktionen und erfüllbaren Wünschen. Diese Tatsache bettete uns in den gemeinsamen, ganz normalen Tag im Kiez. Von Weihnachtstimmung keine Spur. Das störte mich nicht. Freaks sind Rebellen. Ich mag Rebellen. Hallöchen, ich bin’s, der Bajazzo mit dem Bajonett. Danke, Ein bisschen cleveres Make-Up würde den verqueren Charme gut hervorbringen. Das betrifft natürlich für die Kleine im Detektivbüro. Nicht mich. Mich mögen die Nachbarn auch so. Oder so. Soso. Oho. Ohio, Tokio, Klein-San Francisco. Neapel in der Mark. Ich kaufte mein Bier beim Türken an der Ecke und verdrückte mich unauffällig wieder nach Hause.

Ein wenig elektrischer Blues gefällig? Der Connaisseur genießt und schweigt. Es liegt etwas in der Luft. Es duftet süß und kalt. Es schmeckt nach LIEBE. Fühlt sich gut an. Was einmal gut war, muss auch heute noch gut genug sein. Es ist der Duft der Teufelstochter Sünde. War das die Antwort, answer, risposta? Liebe Sünde Duft. Gedämpfte Trommeln grummeln. Im Zimmer riecht es nach verbranntem Heu. Manche Menschen sind eben was ganz Besonderes. Das klappt die Übertragung weitgehend fehlerfrei. Funk, funk, piep, piep. Aha! Piep, piep, funk, funk? Piep-funk, funk-piep. OK.

Die über den Himmel kreiselnden Sterne, Urmotiv des Übergangs. Immer wieder grübelte der Cro-Magnon darüber nach. Was wummerte da so in der heißen Blase, die seine Augen umgab? Was das heißen soll? Das heißt, Moment! Wann war das denn, der Übergang vom Grunzen zum Sprechen? Wie ist das passiert? Das Wort war am Anfang. Aber warum haben nur die Menschen es gefunden? Und wie? Mensch=Sprache. Der aufrechte Gang. Die Werdung. Wann, wo und wie ist es passiert, vom warum ganz zu schweigen. Jedes Kind muss das nach seiner Geburt lernen, aber es äfft ja bloß nach, was die Alten vormachen. Wie war das aber am Anfang? War wirklich ma-ma das erste Wort? Oder vielleicht doch eher Gaga? Sprachen Neandertaler miteinander? Ich will eine genaue Auskunft. Denn auf den Hinterbeinen zu balancieren und miteinander sprechen zu können, das ist es, was den Unterschied zwischen Tier und Mensch ausmacht. Wir haben das gelernt. Oder wurde es uns beigebracht? Falls ja, von wem? Braves Hundchen! Nicht wahr, Mister Gott? Bin ich nicht brav gewesen? Und die Verdammten? Jene, denen das Bürgerrecht entzogen wurde? Was ist mit denen? Wo kommen die hin, am Tag des Jüngsten Gerichts? Oder bleiben sie dort, wo sie sind? Und jene, die vor Gericht erscheinen wollen? Wer holt die ab? Wo können die ihre Einsprüche einlegen? Wird die Absicht im Prozeß berücksichtigt? Gibt es im Knast weiches Klopapier? Sind Begnadigungen grundsätzlich möglich? Gibt es eine Schieds-Stelle? Darf die Presse Photos machen? Gibt es eine Live-Übertragung? Ist der Papst dabei? Was ist mit den Nicht-Christen? Dürfen die dann ohne uns weitermachen bis zu deren eigenem Sankt Nimmerleinstag? Und, vor allem das interessiert die Zuhörer auf dem ganzen Planeten:
Wer kriegt ÜBERHAUPT ne’ zweite Chance???
Der Neandertaler, oder wir?

Nummer 376

Tja, anlässlich der lächerlichen Ballveranstaltung der Wiener Schmiss-Pepis, der von den linken Medien als zweite Wannseekonferenz hochgejazzt wurde, und der eitrigen Gegen-Demo, auf der zum Beispiel von Berliner Profi-Kommunisten alberne Transparente gezeigt wurden, auf denen Hitler neben Haider und Strache prangte, zeigte sich wieder einmal, wie Stürme im Wasserglas gut dazu dienen können, die wahren Probleme eines Landes zu verhüllen. Wirtschaftskrise, VDS, Mietexplosion, Bildungsmisere und so weiter. Den reflexartig geifernden Gutmenschen von (leider, so ist es), von Caritas, SOS Mitmensch, ZARA, den Grünen, Linksextremisten, der Lesbenparty ÖH etc. pp, möchte ich ins Stammbuch schreiben:
Wenn Sie sich als Rechtssysmpathisant und Zündler bezeichnet betrachten (von wem übrigens?) fühlen, und meinen, der zweite Holocaust stünde wegen des WKR-Balls an, weswegen sie auf die Barrikaden gehen müssen, ansonsten alles zusammenbräche, so ist das Ihr gutes Recht. Aber ob ein paar Burschenschafter ihren Walzer in irgend einem Saal tanzen oder nicht, kümmert mich demokratiepolitisch ebenso wenig wie das heisere Brüllen Ihrer Fraktion. Gott sei Dank gibt es nämlich sowohl von Ihnen als auch den andren nicht so viele. Unsympathisch sind mir beide Seiten. Was Sie auf der Linken jedenfalls machen, ist zutiefst paranoid und diffamiert pauschal die Ballbesucher Extremisten sind IMMER EINSEITIG. Und daher abzulehnen.
Alles Walzer!

Nummer 375

Lustig: Kokain-Schreckschraube Demi Moore säuft tagelang Red Bull und kollabiert nach Marijuana-Joint.
Traurig: Aus Taiwan wurde ein Schwein auf 1.000 Kilo gemästet und dem Glücksgott geopfert. Arme Sau!
Klassikaner: Laut SPÖ und Arbeiterkammer sind Bauernkinder bei Studienbeihilfe begünstigt. Arbeiter auf Bauern hetzen, das ist halt Sozialdemokratie!

Nummer 374

ALLES LIEBE, MOTOR!  



Warme Bitterkeit. Zylinder am Kopf. Motor. Können, es wird schon werden. Schön. Nicht? Schon Zeit. Er führte zusammen, was sich gehörte. Ungehöriges wurde nicht toleriert. Dann rieb er sich Speck in die Tolle, taute sich etwas Tee auf, aß dazu ein Minze-Brötchen. Er liebte Gugelhupf! Synonym für vertraute Tage, in der guten Stube der Großtante verbracht, während Vater Mutter schlug. Viele wussten, dass der Präsident früher mal auf Kokain gewesen war, scharf wie ein Spitz, aber sonst völlig unzurechnungsfähig und doof. Der Hund bellte auf dem Dachboden wie verrückt, und die alte FRAU drehte dann den Fernseher ganz laut, aber der kleine Junge wusste dennoch ganz genau, was gerade nebenan passierte. Wie konnte er das nur vergessen? Er wusste nicht, wie.
Schnell legte er sich eine Patience auf den ovalen Schreibtisch, wollte von niemandem gestört werden, was auch immer passieren möge. Alle fragten sich, warum er dann jedes Mal völlig verschwitzt aus dem großen Raum kam, der fast völlig leer war. Danach hastete er schnell aufs Klo. Die Geheimdienstler, die immer alles abhörten, wurden Ohrenzeugen der präsidentiellen Darmperistaltik, sowie seiner stetigen Rückfälle in die Sucht. Dazu diese dunklen Sonnenbrillen, im Fernsehen, bei Paraden, auf Staatsempfängen. Die ausländischen Gäste trauten sich nur wegen der Raketen seiner Generäle nicht, über ihn Witze zu machen. Er kratzte sich ständig am Kopf. Das war kein intellektuelles Problem mehr. Der mächtigste Mann der Welt benahm sich wie eine riesige Gottesanbeterin, kleine Kinder hatten Angst vor ihm. Hatten sie ihm am Ende doch zuviel zugemutet? Nein, die Schatten-Regierung beschloss, ihn nicht auszuwechseln. So einen Trottel würden sie nicht so schnell wieder finden. Die Konkurrenz sollte davon nicht so schnell profitieren. Jetzt waren sie an der Reihe. Ein langer, hupender Wagenkorso feierte diesen Brauch mehrmals täglich auf den Strassen der Hauptstadt. Die besten Karten wurden verschachert, keiner hatte Intentionen, irgendwem reinen Wein einzuschenken, sich selbst am allerwenigsten. Sie würden jedes Spiel gewinnen. Eine Tür fiel ins Schloss. Die Jagd hatte begonnen. Oben hatte nicht mehr viel Platz. Die Agenten kochten ihm Schokoladenpudding, mit einem Sahnehäubchen obendrauf, das mit Valium gestreckt war. Er wusste es, mochte ihn aber trotzdem. Sex oder Liebe, das war keine echte Frage für ihn. Die Beißhemmung war längst gefallen, der Präsident ging ab wie Affenscheiße. Ein Dreier-Pärchen war da gar kein Problem. Seine Kurzsichtigkeit war quadratisch. Er musste sich also darauf verlassen, unter dem Tisch von einer blank polierten, schwarzen Schuhspitze sachte angestupst zu werden, wenn er was falsch machte. Danach tranken sie guten Wein miteinander und sangen lustige Lieder. In Vorderafrika hatten sie das so gelernt: Geschickt mit den Ängsten umzugehen. Quellen, Drohungen verstecken, Patronenhülsen mehrfach verwenden. Doch ab und zu hatte er Schiss in der Hose, was allen peinlich war, vor allem peinlich. Wenigstens hatte er damit aufgehört, Leute zu beißen. Angeblich seitdem man ihm Little Toby schenkte, ein kleiner Hühnerhund, der dazu abgerichtet worden war, ihn zu beißen. Little Toby knurrte den Präsidenten immer an, wenn der anfing, Leute komisch anzugucken, und dabei den Kopf schief legte. Als man seinem Vater einst mitteilte, dass der Kleine nun fast stubenrein war, da hatte der, wie immer, wenn er etwas nicht verstanden hatte, gesagt: 
„Na da schau her! Gibt’s das auch in Blau?“
Der Alte war immer schon Legastheniker lieber gewesen als alles andere. Vielleicht lag Schwachsinn in der Familie, aber es fiel nicht weiter auf, fiel nicht auf. Sein Sohn war eben ein Pappkamerad, den die anderen ungestraft herum schieben konnten, am besten immer in die Schusslinie. Soweit war es gekommen, mit der käuflichen Demokratie. Eine billige Schmalzlocke in einem Vorort-Diner hatte mehr Gewicht als das Wort des Staatsoberhauptes.
„Alles hat seinen Preis!“, dachte der. Er fälschte auf Schecks die Unterschrift seines Vaters, wusch sich selten die Haare, war bloß dumm und eingebildet.
„Tolle Sache, was?!“, fragte der Generalstabchef den Direktor der Secret Police.
„EIN GLÜCKSFALL!“, trompetete jener, und reichte seinem Kumpel den Flachmann weiter, der Whiskey mit Weihwasser enthielt.
„Wo sollen wir als nächstes einmarschieren, Jack?“
„Ich weiß nicht, lassen wir den Zufall entscheiden!“
Der Generalissimus lachte: „Wie immer!“
Die beiden Männer verstanden sich prima. Nach dem opulenten Mahl auf Staatskosten waren sie von diskreten Thai-Mädchen sanft entspannt worden. Mächtige Entscheidungsträger wie sie hatten ein RECHT darauf. Jetzt klopften sie sich gegenseitig auf die Schultern, jeder dessen gewahr, weswegen ihn der andere erpresste. Keiner von ihnen ahnte jedoch, dass sie in Wirklichkeit nur die Befehle des Kammerdieners des Präsidenten ausführten. Mark Kyeveli war ein geheimnisvoller Ausländer. Unauffällig wie der Schatten eines Baumes im Wald hatte er ungeheuerlichen Reichtum angehäuft. Der mächtige Levantiner herrschte über ein Mafia-Imperium, das von den Anden zum Ural reichte, vom Nordkap bis Johannesburg. Manche wenige glaubten, in Wirklichkeit sei er Adam Weißhaupt, der die arkanen Wissenschaften gemeistert und mit Hilfe alter Freunde das Geheimnis tausendjährigen Lebens erforscht hatte. Nur die Langeweile könnte für ihn tödlich werden, aber ein Millennium war eine lange Zeit, um sich mit Dingen zu beschäftigen. Zehntausend Jahre Leben, zum Beispiel.
Alles andere waren bloß Spielchen.
Der Präsident, das gestörte Kind einer kranken Familie?
Ja, na und?
Es gab viel schrecklichere Dinge, die er gemeistert hatte. All die Wahnsinnigen auszuschalten, die in den letzten zweihundertfünfzig Jahren versucht hatten, die Welt zu erobern. Der Imbezil auf dem Stuhl war leicht zu kontrollieren, leichter, als alle seine Vorgänger zusammen genommen. Einige hatte er ja beseitigen lassen müssen, leider, leider.
Er lachte leise bei sich: „Oh ja! Es macht ja solchen Spaß!“
Mark stand in der Teeküche des Palastes, er bereitete die fünf Uhr-Dröhnung für seinen Schützling vor.
„Mmmhhm, mmmmhm mhhhmm, ein bisschen hiervon, und ein bisschen davon!“
Auf dem Bord standen mehrere geöffnete, mit Gold eingelegte Porzellan-Döschen, die allesamt verschiedenfarbige, glitzernde Pülverchen enthielten. Flink, mit sichtbar geübten Fingerchen entnahm er zwei oder drei von ihnen eine Prise, die er in den dampfenden Teekessel warf, wo es blubberte und kurz aufzischte, gemischte Gerüche verbreitend.
„Heute war der Kleine wieder GAAANZ lange allein im Zimmerchen! Hat wieder an sich rumgespielt!“
Jede dieser Sessions war natürlich mitgefilmt worden, von einigen seiner treuesten Adepten, die den Geheimdienst der Geheimdienste bildeten. Alle taten es zur höheren Ehre Adams, somit Gottes. Für ihre Familien war über Generationen ausgesorgt, falls ihnen was „passieren“ sollte.
„Na, da bekommt er ein klein wenig Müdigkeit gespritzt, damit er nicht abermals übermütig wird und unbedingt Krieg spielen will! Dazu ein wenig Unwohlsein, gerade soviel, damit er nicht genau weiß, was er tun soll. Morgen ist dann wieder ein strahlender Tag, voller Überraschungen, guter Laune, toller Projekte und Pharma-Wunder, nicht wahr?!“ Der Kammerdiener lachte diabolisch, doch gütig zugleich.
Es war nicht leicht, der BESTE zu sein.

Nummer 325 (Nota bene: nachgereicht)

DEN LETZTEN BEISSEN DIE HUND‘

Innerer Monolog mit allen 41 lexikalisierten Hunde-Phraseologismen.

Für Arthur Schnitzler


Wie lange wird das denn noch dauern? Ich muss auf die Uhr schauen…mein Gott, was bin ich auf den Hund gekommen. Das habe ich mich auch ganz anders vorgestellt, das mit dem „Aussteigen“. Das Paradies unter Palmen, haben sie mir gesagt, Luxus am Sandstrand, haben sie mir gesagt, leicht verdientes Geld, haben sie mir gesagt. Und, was ist gewesen? Nix davon wahr! Der Strand ist voller Sandflöhe, die einen bei lebendigem Leib auffressen. Und das Postkarten-Wasser? Gibt es sicher. Aber am Privat-Beach. Abgeriegelt. Drei Meter Zaun und jede Menge Elektrizität. Bei mir ist es eine braune Suppe. So schaut’s aus, meine Herren, und das ist ein dicker Hund! Ohne Geld bist du hier einen Dreck wert. Ja, daheim auch nicht, aber daheim klatschen sie dir die Verachtung nicht so ins Gesicht, wenn du pleite bist. Und Sozialamt gibt es hier auch keins, da kannst verhungern, unter Palmen. Hätt‘ ich mir das nur gründlich überlegt! Der Bankraub ist ja noch gut gegangen, das stimmt. Der depperte Schalterheini! Blöd hat er geschaut, wie ich ihm die Knarre unter die Nase gehalten hab‘! Aber was machen Sie denn da, Herr Kubitschek? Am End‘ ein Überfall? Machen Sie sich doch nicht unglücklich, hat er gesagt, der feine Herr Bankbeamte. Hab‘ ich ihn halt ein bisserl unters Naserl g’haut, mit dem Lauf. Des bisserl Nasenbluten, ich bitt‘ dich! Da haben die Hunde gebellt, was sie wollten, und die Karawane ist trotzdem weitergezogen! Scheiß-Banker! Von denen nimmt ja ohne Not kein Hund ein Stückerl Brot! Ja, hätt‘ ich vielleicht mit einer Strumpfmaske auftauchen sollen? Oder in eine andre Bank gehen? Blödsinn! Das hätt‘ ich mich ja nicht so gut aus’kannt! Außerdem war mir eh klar, nach einem Bankraub, Gustl, kannst dich schleichen, aus Österreich. Eh klar! Ha, ha! Das soll mir erst einer nachmachen! Gleich nach dem Überfall untergetaucht! Junge Hunde hat’s geregnet, wie ich die Marie im Wienerwald vergraben hab‘! Mir war das alles Wurscht! Dann ein halbes Jahr lang Sandler g’spielt! G’schwitzt hab‘ ich, g’stunken hab‘ ich, bettelt hab‘ ich, alles Leinwand! Keiner hat mich erkannt, unter meiner Pelzgoschen! Und unsere Kieberer musst‘ ja schon wie den Hund zum Jagen tragen, da passiert sonst nix! Na ja, dann hat keiner mehr sich geschert, um mich und meine Beute. War ja auch nicht allzu viel, leider. Dreihunderttausend Mücken. Dabei habe ich gehofft, ich mach‘ mein Milliönchen. Da scheißt der Hund ins Feuerzeug! War eh froh, wie ich weggekommen bin, zuerst nach Kroatien, dann übers Meer, Italien, weiter mit der Fähre nach Barcelona. Die Spanier! Lässige Leut‘! Feiern tun’s gern, lachen auch, nur mit dem Arbeiten, da sind’s ein bisserl zurückhaltend. Recht haben’s! Mit dem kargen Mindestlohn kannst ja wirklich keinen Hund hinterm Ofen hervorlocken. Und die Frauen! Jessasmarandjosef! Ich hätt‘ in Spanien bleiben sollen! Da hätt‘ ich wirklich eine Zeitlang leben können wie Rothschild sein Hund! Aber nein, da hab‘ ich zu viel Muffensausen g’habt, daß mich am End‘ noch wer erkennt. Aber nein, Südamerika hat’s sein müssen! Mir ist ja schon in Portugal alles vergangen. Schirche Menschen, schirche Sprache, schirches Essen, Umständ‘, daß es einen Hund erbarmen muss. Und die armen Viecher, die ich gesehen habe, waren dürr wie Bohnenstangen. Und scheu! Wie scheu! Schad‘, daß hier nicht so scheu sind, die Leut‘, vor allem die Einbrecher. Scheiß‘ der Hund drauf! Bin ich halt reingefallen, auf den Peitscherlbuben! Beweisen kann ich’s ihm halt nicht, aber auch das tät‘ nix nützen. Die wirklich gemeinen Menschen tun ja am allerfreundlichsten, das hast du ja immer wieder gelesen. Na, da schau her, wie viel das Lesen mit dem wirklichen Leben zu tun hat! War mir sympathisch, der Kerl. Hat ja auch Deutsch gesprochen, na, was heißt, er ist ja ein Deutscher. So ein richtiger Piefke, der feine Herr Saupreuss! Da liegt der Knüppel beim Hund! Hab ich mich halt überreden lassen, zum Saufen Koksen Kiffen Huren Zocken und von vorn. Vier Tage lang! Irgendwann ist mir rausgerutscht, was mit mir…aber, das weiß ich nicht mehr so genau…ist eher verschwommen, die Erinnerung. Na ja, war schon blöd, wie ich heimkomm‘, in meinem Zustand, völlig zerfasert, geistig, körperlich, seelisch. Auf dem Hund sein! So ein Witz. War alles weg! Das ganze Geld weg. Kaum was ausgeben, hab ich g’habt! So drauf aufpassen, wollt‘ ich! Sparen, sparen, sparen! Es ist zum Junge-Hunde-kriegen! Ein Cocktail-Hütterl am Strand, das war mein Traum. Selber dein bester Kunde, aber eh Wurscht, Saufen als Fassade…von dem ganzen Geld, ich darf ja gar nicht dran denken, wie lang hätt‘ ich hier leben können, am richtigen Strand, nicht wahr. Wie einen Hund haben’s mich behandelt, wie ich dem Hotelbesitzer gesagt habe, hören Sie, es tut mir leid, mich haben’s ausgeraubt, ich hab‘ kein Geld mehr. Das Gepäck haben’s mir g’stessen, die Schuh‘, Handy, Sonnenbrille, alles weg. Dann haben sie mich hinausgetreten, bei der Tür, die G’frisser! So, als hätten die alle nur auf so einen weißen Trottel wie mich gewartet, damit sie sich können abreagieren! Das ganze Leben daheim vor die Hunde geworfen, und wofür? Zwei Wochen hab‘ ich am Strand zugebracht, am schirchen End‘ von der Insel. Von Kokosnüssen hab‘ ich g’lebt, und geschnorrten Sandwiches, und gefladerten Bieren, das ist nicht sehr romantisch. Wenn ich nur vorher aufgepasst hätte! Wenn, wenn, wenn! Wenn der Hund nicht g‘schissen hätt‘, hätte er den Hasen kriegt, lieber Freund. Mir war dann schon klar, der Saupreuss ist mit allen Hunden gehetzt, wie er auftaucht, am Strand, kurz, bevor ich komplett vor die Hund‘ geh‘, und lädt mich auf ein Essen ein, nicht wahr, wegen der guten alten Zeiten. Abknallen hätt‘ ich ihn können, wie einen tollwütigen Hund! Aber am End‘ hab‘ ich zugestimmt. Im Feriendorf soll ich arbeiten, und als Animateur dem Saupreussen die Kunden vermitteln oder gleich selber bedienen und solche Sachen halt. Heut‘ krieg‘ ich ja die erste Ladung. Na, wohl ist mir nicht, bei der G’schicht‘! Bin ja hier mittlerweile bekannt wie ein bunter Hund. Der Trottel, dem’s das Geld gestohlen haben. Kein gutes Image, aber deshalb genial, als Tarnung. Wer erwartet von einem Trottel wie mir schon kriminelle Intelligenz? Na ja, den Job im Hotel hab‘ ich ja auch schon. Kommt man über den Hund, kommt man auch über den Schwanz. Vielleicht kann ich mir ja was wegsparen. Sicherlich! Ich gebe nicht so schnell auf. Wann kommt er denn jetzt endlich, der Saupreuss? Ist schon spät in der Nacht! Ohne Vollmond würde ich ja die Hand nicht vor Augen sehen können. Wer sich da aller anschleichen könnt, ich will’s mir gar nicht vorstellen! Direkt fürchten könnt‘ ich mich!
„Warten Sie auf jemand bestimmtes?“
Jessasna, der Saupreuss! Was tust mich denn so erschrecken! Müd‘ wie ein Hund bin ich, und du schleichst dich an mich heran wie weiland Winnetou! Schlimmer als die Polizei bist! Sauerei, über einand‘!
„Na, na, na! Jetzt mal halblang, Kumpel. Keine schlafenden Hunde wecken!“
Und, hast du das Zeug dabei?
„Nee, lass man. Kleine Programmänderung. Viel gemütlicher für dich, Kumpel! Und ihr Ösis liebt ja die Gemütlichkeit über alles, nicht?“
Was hat jetzt die Gemütlichkeit damit zu tun?
„Ganz einfach: Dein Kunde sitzt mit Bodyguard bei dir im Hotel. Zimmer 1234.“
Ah, die Suite!
„Genau. Da holste dir die Ware. Den Rest machste wie besprochen.“
Und weg ist er. Ein kummer Hund, der Saupreuss! Aber ich kann nix dagegen unternehmen. Muss ich die Krot‘ halt schlucken. Na ja, wenigstens ein schöner Spaziergang im Mondlicht. Und diese Sternbilder! Direkt exotisch! Und so friedlich! Jetzt kann mir eh nix passieren, ich habe nichts eingesteckt. Wie das Wasser schön rauscht! So warm, und weich! Da könnt‘ ich mir ja direkt die engen Schuh‘ ausziehen, und ein bisserl am Strand entlang marschieren. Nasse Füß‘ kriegen…Genießen…Aufpassen muss ich halt, wo ich draufsteig‘, auf die Stachel-Viecher und die ganzen Scherben. Na, am End‘ lass‘ ich die Schuh‘ lieber an. Ist ja nicht mehr weit. Einen Scherben im Fuß brauch‘ ich wie einen Kropf. Das Krankenhaus? Ich sag‘ dir! Das ist irgendwo dort, wo die Hund‘ mit dem Schwanz bellen. Und die Apparate dort? Vorsintflutlich! Ich sag’s ja immer: Was hat dich da nur für ein Teufel geritten, ausgerechnet hierher zu kommen. Saupreuss, dreckiger! Kalt wie eine Hundeschnauze! So, jetzt sind wir fast da. Sperrzaun, Türlsteher, Herrgott, tut’s doch weiter, Bagage!
Ein bisserl aufgeregt bin ich schon, nicht wahr. Puhh, wenn da nix schiefgeht. Hat eh blöd g’schaut, der blade Herr Nachtportier, wie ich da so frech durchmarschier‘, durch seine feine Lobby! Nix mehr mit Personaleingang! Wurscht! Hauptsach‘, drin! Aufzug, Penthouse. Net schlecht. Penthouse. Das hab‘ ich bisher nur aus der Trafik gekannt. Neunte, zehnte, elfte Etage…wie der zischt, mein Lieber. So. Oben. Wo ist…ja, hier ist der Aufgang. Wie war die depperte Parole? Ah ja. Klingeln nicht vergessen.
„Ich bin gestern im Theater gewesen.“
„Und ich geh‘ morgen ins Kino.“
So, das hat geklappt. Reinkommen soll ich. Aha. Da sitzt der Bodyguard vom Chef. So hab‘ ich mir das vorgestellt. Ein riesiger Glatzkopf mit Muskeln und kein Hirn drin. Wurscht, geht mich nix an. Jaja, lassen Sie uns nur zur Sache kommen, werter Herr. Soso, das ist also ein Kilo Kokain. Sehr interessant, wie das ausschaut. Wie weicher Kandiszucker. Und stinken tut das! Grauslich! Ja, ich nehm‘ das jetzt an mich, und der Rest wie besprochen. Gut, ich geh‘ schon. Nix wie heim. Wundert mich ein bisserl, wie gut das gelaufen ist. Na, warum soll ich nicht auch einmal Glück haben. Ich weiß ja eh schon, wo ich das Packerl verstecken werde. Das geht dann rumpel di pumpel, furt ist der Kumpel, depperter Saupreuss! Wo die uns Animateure einquartiert haben, diese Hund‘! Gleich neben der Kläranlag‘! Na, dafür stinkt’s halt nicht nach dem andren Glumpert. Ob ich das probieren soll? Weil wenn du die Ware nicht kennst, die du vertschepperst, können dir die Kunden am End‘ deppert daherkommen. Qualitätskontrolle, dann weißt du, wo der Hund begraben liegt. So, drin sind wir. Hmmhmhmm, muahahaha. Geht ja. Schnell weg mit dem ganzen Werkel…ja, wer klingelt denn jetzt? Ein depperter Kolleg‘ am End‘? Nein, die traun‘ sich nicht. Ein depperter Tourist sicher! So eine Frechheit, ja wissen die nicht, daß unsereins seinen Schlaf braucht? Na, dem wird‘ ich was erzählen! Die Tür aufgerissen… JA BITTE??? Was ist denn das für ein grauslicher Typ. Lederjacke, Schnurrbart, Vokuhila. Sicher ein Österreicher! Was hält der mir für eine Plakette hin? Mit einem Adler drauf? Ist das ein Nazi? Bei mir??? Was steht da?...I..M…I ..N. AL .PO… Was sagt er?
„Habe d’Ehre, Herr Kubitschek! Sie wissen ja, den Letzten beißen die Hund‘!“