Der Gemeine Katzenpanda

Montag

Nummer 274

Es ist immer wieder interessant zu beobachten, wie eine Urlaubsreise die Menschen verändert:
Da gibt es zum Beispiel die Pauschalreisenden-Fraktion aus dem Gemeindebau, die schon am Flughafen mit Badelatschen und dem obligaten Strohhut auftauchen. Die Frisuren der Damen erinnern an die 80er-Jahre-Serie "Rosanne". Oft trägt man dazu ausgewaschene Jeans und ein Batikhemd, sodaß die Betroffenen wirken wie übrig gebliebene Nikki-Sudden-Fans aus der DDR (auch die Kinder). Gesprächsthemen sind Fußballspiele und Zoff mit dem Chef. Meidlinger L. Die Gruppe geht auch gemeinsam in die Raucher-Kombüse, währenddessen die Strohhut-Kinder die Polo-Kinder angaffen. Den Polokindern ist das extrem peinlich. (Es wird klar ersichtlich, diese beiden Spezies treffen in freier Wildbahn eher selten aufeinander). Die Strohhüte stimmen sich im Flieger mit Dosenbier (die Herren) und Sekt (Damen und Kinder) auf den Urlaub ein. Die Kinder quengeln. Gnadenlos. Die Strohhüte treten ausschließlich in Gruppen über acht Personen auf. Gerne wird von ihnen beim Einstieg die Kronen-Zeitung genommen, das Magazin "News" und eine Handvoll Gratis-Lutschbonbons. Politisches Idol ist hier ein Zahntechniker aus Wien. Endlich am Strand wird dann die mitgebrachte "Sangria" gesoffen. Ob Italien oder nicht. Es sind übrigens auch die Strohhüte, die auf den Charterflügen in die 2-Wochen-Freiheit nach der Landung klatschen.
Im entgegengesetzten Preissegment ist ebenfalls eigentümliches Betragen zu beobachten. Diese soignierte Klientel wohnt im Speckgürtel von Wien, sie trägt Bootsschuhe, Marken-Polo-Hemden mit aufgestelltem Kragen und Gelassenheit zur Schau (auch die Kinder). Es wird über den Tafelspitz vom Plachutta parliert, über Omas Geburtstag in Salzburg und Zoff mit dem Personal. Die Polo-Damen bemühen sich sichtlich, auszusehen wie "Desperate Housewifes". Jede hat eine obligate kleine Wasserflasche bei sich. Schönbrunner Deutsch. Die Polo-Herren, meist Anwälte, Notare oder Ärzte etc. um die 50, bewundern adlige Lobbyisten. Sie taumeln später in wallenden weißen Leinenhemden und engen Leder-Halsbändchen, wie man es eher von den jungen Schwulen auf Ibiza kennt, über den Strand. Aber ihre Desperate Housewifes finden auch an Flavio Briatore schick. Im Flieger sind die Polos gesittet und abstinent. Die Kinder schlafen. Auch am Strand wird man "bella figura" machen. Es wird mit dem standard geraschelt oder mit der Financial Times Deutschland. Diskret. Aber auch hier ist unter einer Grenze von acht Personen in der Gruppe nichts zu machen. Diesen Leutchen ist es sichtlich peinlich, sich kein Privatflugzeug leisten zu können. 

Ist die ganze Bagage endlich im Hotel/Apartment angelangt, kann's so richtig losgehen.
Es ist ja schließlich Urlaub. 
Gnadenlos.