Aus aktuellem Anlass sehe ich mich leider gezwungen, einen neue Artikel-Reihe einzuführen. Sie heißt: Schranzen-Sprech, sie wird die schlimmsten grammatischen/stilistischen Entgleisungen von (österreichischen) Berufspolitikern und die näheren Begleitumstände bzw. die Reaktionen darauf dokumentieren.
Den glorreichen Anfang macht unsere hochintellektuelle Allzweck-Waffe, die ÖVP-Ministerin Maria Fekter.
Beim Treffen der Euro-Gruppe im polnischen Wroclaw gab Frau Minister folgendes von sich:
"Wir bauen gerade enorme Feindbilder in Europa auf: gegen die Banker, gegen die Reichen, gegen die Vermögenden. So etwas hatten wir schon einmal. Damals war's dann verbrämt gegen die Juden, aber gemeint waren damals ähnliche Gruppierungen, und es hat zwei Mal in einem Krieg geendet." Jedenfalls "müssen wir uns wirklich alle anstrengen, damit so ein Szenario mit Sicherheit nicht kommt".
1) Inkohärenz: "So etwas hatten wir schon einmal.","und es hat zwei Mal in einem Krieg geendet."
2) Wortwahl: "verbrämt gegen die Juden". Gemeint ist vielmehr das Verb "münzen". Denn "verbrämen" bedeutet, etwas verblümt aussagen, es verhüllend umschreiben. Was verblümt ist an Hitlers Aussage, das muss die Frau Minister mir erklären: "Ich will heute wieder ein Prophet sein: Wenn es dem internationalen Finanzjudentum in und außerhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann wird das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa!"
3) Grammatik: Dinge "haben" nicht in einem Krieg geendet, sondern sie "sind" es.
4) Wortwahl: Wer sind bitte die "ähnlichen Gruppierungen"? Meinen Frau Minister etwa "Schichten"?
5) Szenarien "kommen" nicht, sie treten ein.
Danke, setzen, nicht genügend.
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