Da ich mich ausgesprochen intensiv für Geschichte und all ihre Nebenwirkungen interessiere, bin ich auch ein großer Anhänger von Dokumentarfilmen. Da ich mehrsprachig bin, erfreue ich mich des Privilegs, mir diese Dokus aus verschiedenen Kulturkreisen im Originalton anzusehen: Englisch, Deutsch, Italienisch.
Ich kann auch nicht übersehen, daß die Eigenheiten eines jeden dieser Kulturkreise sich auch bei den Dokus unterschiedlich manifestiert: Die Engländer bemühen sich um Fairness, ja, Äquidistanz zum Gegenstand ihrer Untersuchungen, die Italiener hingegen drücken ihre emotionale Reaktion aus, setzen auf Synästhesie, die Deutschen wollen vor allem erziehen, und legen ihr Gewicht auf Gewißheiten, während die US-Amerikaner gerne mit Rekorden und Sensationen aufwarten, wobei sie die Vergleiche Antike-Moderne immer mit wohlbekannten US-Größen wie einem Baseballfeld, dem Empire State Building oder der Fläche von Texas ziehen.
Worin sich die Dokumentarfilmer hingegen gleichen, sind die Gemeinplätze, mit deren Hilfe sie einem implizierten Blutige-Laien-Publikum den Einstieg ins Thema erleichtern wollen. Das eine gute Dokumetarfilmarbeit ihren wissenschaftlichen Anspruch natürlich nicht mit dem möglichen Vorwurf der Demagogie oder gar des Rassismus bekleckern möchte (etwa: Die Franzosen brauchen eine starke Hand oder: Die Deutschen sind alle fleißig) weicht der gewiefte Filmer gerne auf die leichte Muse aus: Die Hintergrundmusik, das musikalische Motiv, welches zum Beispiel eine geographisch-spezielle Verortung erleichtern und herstellen soll.
Hier wird allerdings gerne auf die Dumpfbackenpauke gehauen, was das Zeug hält.
Frankreich und Argentinien heißt immer Akkordeonmusik, Irland Harfe, Schottland Dudelsack, Asien klingt stets nach Gongs, in Afrika wird grundsätzlich nur auf Baumstämmen getrommelt, und in Italien gibt es außer der Mandoline gar kein Instrument.
Das mag ja alles angehen, es ist ja nicht links/rechts-populistisch gemeint, aber dennoch nervt es ungemein.
Es wird wohl daran liegen, denke ich, daß die lieben Damen und Herren, denen die Post-Production eines Dokumentarfilmes obliegt, ihrem implizierten Publikum ziemlich wenig zutrauen. Oder schlichtweg zu faul sind, sich endlich eine Alternative zum ewigen Akkordeon/Dudelsack/Mandolinen-Gedöns einfallen zu lassen.
Mit der Bitte um Kenntnisnahme verbleiche ich hochachtungsvoll.