Der Gemeine Katzenpanda

Freitag

Nummer 27

Fanatismus I

Alle Massenbewegungen erzeugen in ihren Anhängern Bereitschaft zu sterben und Drang nach geschlossener Aktion; alle züchten - ohne Rücksicht auf die Doktrin, die sie predigen, und das Programm, das sie sich vornehmen, - Fanatismus, glühende Hoffnung, Enthusiasmus, Haß und Intoleranz. Sie alle sind imstande, einen mächtigen Strom der Aktivität in gewissen Lebensbereichen zu entfesseln, und sie alle fordern blinden Glauben und unbeirrbare Gefolgschaft.


Eric Hoffer. 

In: Der Fanatiker. Pathologie des Parteigängers. 
Hamburg: Rowohlt 1965. (= rororo 220). S.7

Nummer 26

Frühlingsbeginn in Wien.

Ich sitze brav nach Erledigung meines Lernpensums (Erstellung der Fassungen E1 und H von Georg Trakls Gedicht "Frauensegen", mit Varianten-Apparat) bei offenem Fenster daheim am Schreibtisch. Ich schaue aus dem Fenster. Was für ein Lenz!! Schwellende Knospen, zarte Triebe, fröhliches Zwitschern. Da ist es leicht, Expressionist zu werden.

Es ist dies der erste Frühling in meiner Wohnung am Wiener Wallensteinplatz. Ich bin letzten Herbst hier eingezogen und fühle mich hier richtig wohl. Ruhig, hell, hoch oben. Rechts vor mir ragen zwei riesige Pappeln der Sonne entgegen- sie sind ein gutes Stück höher als die Häuser, von denen sie umgeben sind. Ein paar andre Bäume wetteifern mit den Pappeln um Licht und Aufmerksamkeit, schaffen es aber nicht, denn sie reichen ihnen nicht mal bis an die Gürtellinie: Eine dünne Hängebirke, eine Erle, eine Gruppe kleiner Eschen. Und drei winzige Rosskastanien, die Baum bloß spielen. Von der isländischen Killer-Aschen-Wolke, die seit Tagen den europäischen Luftraum lahmlegt, ist nichts zu sehen. 
Die hübschen grünen Bäume werden von einer ebenso bunten Dachlandschaft gesäumt. Flachdächer mit gemauertem Kaminbewuchs mir gegenüber, zur Rechten ragt mir die pockennarbige Front des Abbruchhauses
ins Sichtfeld, links ein Satteldachensemble in vollmundiger Terrakotta.
Und hinter diesen ziegelroten Dächern ragt einsam, finster und fleckig der Feuerleitturm in den Himmel empor, rabenbekränzter einsamer Zwilling des Augarten-Flakbunkers. 

Wie der Flieder wieder duftet…


Nummer 25

An meine liebe Frau

Aus dem Himmel fallen Tropfen
Tag um Tag schon,
Und mir ist's, als gäb's kein Hoffen

Aus dem Himmel fallen Tropfen
Tag um Tag schon,
Hörst DU mein Sehnen, Rufen, Klopfen?

Nummer 24

Da Verbissenheit, Brutalität und Hass, heute auf der ganzen Welt als Konfliktwährung gelten, macht meiner Meinung nach die Lektüre eines Buches lebenswert, das bereits 1951 in den USA erschienen ist.
Manche Beschreibungen und viele Definitionen haben frappante Ähnlichkeit mit der Wirklichkeit von heute, sechzig Jahre später. Sie sind im Rückblick nur noch als prophetisch zu bezeichnen. Sie können von Pol Pot bis Pinochet, von My Lai bis Tiananmen, vom Iran bis Tschetschenien problemlos als Maßstab angelegt werden. Ich werde von Zeit zu Zeit unter "Fanatismus" als kleine Anregung ein passendes Zitat in der deutschen Erstausgabe von 1965 finden. Manches wird länger sein, manches sehr kurz. 

Das Buch "Der Fanatiker. Eine Pathologie des Parteigängers" von Eric Hoffer erschien in New York kurz nach dem Zweiten Weltkrieg und noch in dessen Eindruck. 
Da lag die Welt bereits mitten im nächsten, dem Kalten Krieg.

Es ist aktueller denn je.
Das französische Lieblings-Antipasti basiert übrigens wie auch in Italien, Griechenland, Spanien sowie Portugal stark auf Knoblauch und Olivenöl.

Hoffer, Eric: Der Fanatiker. Eine Pathologie des Parteigängers. Hamburg: Rowohlt 1965.


http://en.wikipedia.org/wiki/Bristol_Stool_Scale