Der Gemeine Katzenpanda

Sonntag

Nummer 11

Im Kielwasser der hübschen Spionin dümpelten Verzauberte.
Oder schwammen sie bloß in der Bucht von Incheon mit dem Gesicht nach unten ?
Wer weiß das schon.

Nummer 10

Dolunay, Döner Kebab, Cezerye: Mehr Türkisch kann ich leider nicht. Wär' aber nicht schlecht, es zu lernen. Dann könnte ich viele meiner Nachbarn besser verstehen. Denn das möchte ich wirklich. Obwohl es mir richtig schwerfällt. Aber zum Glück gibt es die Volkshochschule.

Nummer 9

Im Dickicht der Massenkommunikation vergessen wir oft die vielen Momente, an denen der Mensch nach wie vor und entgegen aller "Community"-Gaukelei ganz alleine ist: Bei einer Prüfung; im Krankheitsfall; wenn die Pornodarstellerin in die Knie geht. Symptom unserer Zeit ist auch, wie sehr wir uns an negative Schlagzeilen gewöhnt haben. Positive Ereignisse hingegen wirken verstörend, wie ein Relikt aus vergangenen Tagen. Auch zwischen durchschnittlicher Haustaube und dem Otto Normalverbraucher bestehen kaum noch Unterschiede: Picken, Kacken, Pennen; Arbeit, Glotze, Pennen.
Und: Dumm aus der Wäsche gucken.
Das Jucken unter der Schädeldecke fehlt. 
Resultat: Mattscheibe. Stiller Donner. Krampf im Kiefer.
Wie wurden Familienväter zu Mördern? Genau so.

Nummer 8

Runterladen in Stereo. Gleichzeitiges Sammeln von Pornos/Dokus/Musik und virtuellen Mineralien. Bits and Pieces pro Sekunde. Maximum Digital Yield. Eine neue Art der Internet-Währung, ein Gradmesser - für Kundenfreundlichkeit, Service, Mehrwert. Eine Art Entscheidungshilfe für alerte User. Wer dabei gleichzeitig auch noch BBC-Radio-Features über Nietzsche hört, schlägt glatt alle drei Fliegen mit einer Klappe: Bildung, Spaß und Effizienz. Erfüllen wir nicht damit das, was Politiker sowie sonstige Spezial-Professionisten uns ständig auftragen: Lebenslanges lebenslustiges Lernen als Voraussetzung für die Teilhabe am wackelkamerageschulten Blair-Witch-Project 21. Jahrhundert? Das könnte den einen oder andren Kultur-Knoten schon auflösen.
Guten Abend. 

Nummer 7

Von der Clovis-Kultur zum Ku-Klux-Klan sind‘s bloß ein paar Schritte. Zumindest in den USA.
Was dort von angeblicher White Power schreit, ist meist nur weißer Abschaum. Die Deutschen sagen "Wendeverlierer" dazu. Die Jungs ins Mississippi und Alabama knabbern also noch immer an der Emancipation Declaration  von 1863. Wohin ich auch kucke: Faschisten und Kommunisten sind fast immer nur Proleten. Weiß die Doku zu berichten. Weiße sind Böse.
Die Sprecherstimme in der KKK-Doku leicht zu verlangsamen, um ihr ein Mehr an sonorer Autorität zu verleihen, bleibt dennoch ein dämlicher Akt, weil leicht durchschaubar.
Das können Sie auf die Spitze eines Pfeiles schreiben.

Nummer 6

Am Abend vor Silvester sitze ich daheim hinterm Schirm, und harre der Dinge. Vor mir das letzte Stück Brathuhn, umgeben von frischem Reis und Asia-Gemüse. Ich beobachte, wie die grobporige Haut schon schweflig schimmert, die Sehnen langsam mürbe, auch das Fleisch hält noch kaum zusammen, wenn ich es mit der Gabel anstoße. Ekel steigt in mir hoch. Ich rechne nach. Dieses Huhn ist bestimmt schon seit zehn oder zwölf Tagen tot. Dennoch kann ich es noch immer essen, dank Kühlschrank und Strom. Ich überlege weiter, wie ein totes Huhn denn in der freien Natur nach acht oder zehn Tagen aussehen würde. Lieber nicht.
Mir wird schlagartig bewusst, was wir Menschen im Grunde sind:
Hochorganisierte Aas-Esser.


Nummer 5


Ich lüfte meine Ein-Zimmer-Dachbodenbude. Ich schaue aus dem Fenster in den Hof. Eine alte Frau trägt in der Eiseskälte ihren Müll raus. Sie trägt auch: schwarze Jogging-Keilhosen, klobiges braunes Schuhwerk, einen lila Pullover. Ein weißer Schal schützt gemeinsam mit der popelgrünen Wollmütze Hals und Kopf. Die Frau klappert mit den Deckeln der Mülltonnen. Ich mache das Fenster schnell wieder zu. Ich bewege mich ins Badezimmer, wo ich die Waschmaschine befülle. Durch die geschlossene Wohnungstür gellen die Stimm-Schreie der exaltierten Frau von Nummer 62. Die gescheiterte Opernsängerin. Ich seufze.
Kann mir die Nachbarn nicht aussuchen. Lauter Minimal-Existenzen wie ich. Sie wissen schon: Viel Geld steht nicht zur Verfügung. Maximal 500 Eier für Wohnen, Strom, Heißwasser. Vom Rest zu schweigen. Willkommen in meinem Castrum. Ganz im Sinne der Neoliberalen Weltordnung, einer Politik, die auf Gewinn-Maximierung setzt. Der gewöhnliche Mensch zählt nur noch als Konsument, wird zum Melk-Vieh degradiert. Dieses Dumpf-Wesen, idealerweise ohne Rechte, ohne Qualitätsbewusstsein, ohne Spiritualität, hat sein Geld verdammt nochmal kritiklos und pünktlich für Wegwerf-Produkte raus zu rücken, hat die Maschine am Laufen halten. Masse statt Klasse. Diese Schund-Produkte der Globalisierung wiederum belasten die Umwelt sowohl bei ihrer Produktion als auch bei ihrem Konsum sowie der Entsorgung in einem Kreislauf der HÖLLE.
Langsam verstehe ich den Film Matrix.

Nummer 4

Sonntag vor Weihnachten. Es ist irre kalt. Im unbewohnten, verwitterten Seitenflügel des Hauses gegenüber sind die Innenscheiben der rissigen Holzfenster mit Frost überzogen. Ich dagegen genieße zu Mittag in der Wanne ein heißes Olivenölschaumbad. Das starke Wasser schmeichelt meinen armen Gelenken. Auch mein verspannter Rücken ist dankbar. Von Armen und Beinen ganz abgesehen. Natürlich sitzt auch der Hals nun lockerer. Sehnen zergehen. Sogar die alte Sportverletzung lächelt.
Das weiß gekachelte Bad mit den grau gefassten Fliesen.
Die frisch gewaschene, senfgelbe Wannen-Matte.
Ein undefinierbar gesunder Hauch von Sauberkeit in der Luft.
Der Schnee auf den beiden Fenstern der Dachschräge lässt lediglich matt wattiertes Licht herein. Zufrieden nuckle ich im warmen Halbdunkel an meinem eiskalten Bier. Es ist herrlich. Mein Bauch ragt durch den Schaum wie der Rücken eines haarigen Biestes. Ich schlucke runter, stelle die Flasche mit dem Hals zur Wand auf der verchromten Mischbatterie ab. Dampf beschlägt umgehend das kalte Glas. Ich schließe die Augen.
Wellen schwappen sachte.
Der erste ruhige Tag seit Monaten.
Stille, Wärme, Zufriedenheit.
Mehr kann ich vom Leben nicht verlangen.
Prost Noske!

Nummer 3


Pünktlich zur Weihnachtszeit trudelt auch in meinem Mail-Fach nun gehäuft Werbung für Viagra, Schlankheitspillen und Pornofilme ein. Die Kerle müssen mit wohl gefüllten Dauerlatten ran, die Mädchen müssen lustige Weihnachtsmann-Mützen tragen, während sie ihrem Gewerbe nachgehen, bloß ohne Unterrock, im Rahmen einer gesunden Entwicklung. Es ist ja auch klar, dass ganz normale Hardcore-Seiten in ihrer Teenie-Sektion keine wirklich minderjährigen Mädchen abfilmen, sondern bezahlbare Phantasien. Ich verstehe daher nicht, was einen vernünftigen Porno-Regisseur darin hindert, den Darstellerinnen diese dämlich abstehenden Zöpfe zu ersparen und die weißen Rüschensöckchen. Kein Mensch nimmt diesen ausgekochten Frauen die Nähe zarter Knospen ab. Warum nur? Warum diese dämlich abstehenden Zöpfe mit Haargummis in Neon-Farben? Warum überhaupt warum?

Nummer 2

In unserer Massenmedienwelt ist es für den Einzelnen leider sehr schwer geworden, sich der ständigen Verabreichung ungewollter Information zu entziehen. Briefkästen, Augen und Ohren quellen über vor Müll. Ob Papier,, Funk Daten, SIE kommen immer an uns ran. Passive Abwehr fast unmöglich. Daher muss es sich bei Erfolg um eine besondere Kunst handeln. Und Kunst kommt von Können, oder so.
Also: Wir verharren in Ehrfurcht, oh ihr Meister.

Die Gewinner des Wettbewerbs der MMM 2009 (Maximal Mißbrauchte Metapher) sind
(In Tradition der Tsunami-Verlierer von 2004 ebenfalls Top-Kandidaten in den Kategorien:
Unvorsehbares Globales Disaster/ Vorzeitig Gefeierter Abschluß/ Kater Vorm Rausch

Datenbremse
Modelaufstand
Krise

Nummer 1

Die Welt ist eine flache Scheibe. Die Welt ist eine Kugel. Die Welt ist ein Tetrapack.
Außer in technologischer Hinsicht haben wir uns vom äffischen Ausgangspunkt nicht sonderlich weiterentwickelt. Die genetische Evolution hinkt der Werkzeug-Entwicklung weit hinterher. Wir sitzen also in Zeiten des Oil-Crunch in Steinzeitkörpern gefangen: Die Welt sitzt hinterm Schirm. Die Welt isst Scheiße. Die Welt ist dick.
Bereits um 450 v. Chr. war die Jugend schlecht, denn im antiken Griechenland schimpften die Philosophen über die Doofen. Sie meinten, die menschliche Geschichte sei ohne Chance auf Verbesserung nichts als die ewige Wiederholung von Fehlern und Massakern: Graupensuppe, Kürbisaufstrich mit Bio-Paprika, Ottakringer Bier.