Schwechat, Haltestelle des CAT (CityAirportTrain), Richtung Wien-Mitte, Obergeschoß. Ich habe grade meine Mutter zum Flughafen gebracht. Sie fliegt nach Rom. Furchtbares Wetter in Wien, Wind, Regen, 9°C, für Mitte Wonnemonat Mai eher kläglich. Während wir die Hinfahrt in einem proppenvollen Zug verbrachten, sind nun zahlreiche Sitze frei. Ich nehme so weit weg wie möglich von den anderen wenigen Reisenden Platz. Herrlich. Ich habe Durst. Ich krame meine Limonade aus der Umhängetasche. Sie schäumt vor sich hin. Hmhmhm. Stille.
Wenig später tapern zwei kleine Mädchen die Stufen hoch. Sie sind vielleicht 7 und 5 Jahre alt. Hinter ihnen kommt Mutti. Sie haben kein Gepäck bei sich, ich nehme an, auch sie haben einen Angehörigen eskortiert. Die Mädchen tragen herzige, bunte Klamotten. Grundfarbe Lila, mit vielen floralen Elementen. Mutti setzt die zwei nebeneinander, vor einen der in den Öffis mittlerweile Standard gewordenen Beruhigungs-Monitore. Die Mädchen knabbern an ihrer Beschäftigungs-Jause. Die Ältere genießt eine Leberkäs-Semmel, die kleine Schwester hingegen ist mit einem Marmelade-Kipferl glücklich geworden. Die Mama kehrt mir den Rücken. Die Kleinen schauen sich (kau, kau) das „Fernseh-Programm“ an. Sie quietschen, schlucken, kichern. Sie kommentieren auf ihre ganz liebe verrückte Kinderart was dort passiert. Hauptsächlich sehen sie, wie Erwachsene sich lächerlich machen, oder irgendetwas dummes machen - was die Mädchen voll blöd aber lustig finden. Als eine Model-Modeschau über den Monitor schimmert, sagt die Ältere wie nebenher zu ihrem Schwesterlein: „Schau, Nora, die sind schön.“
Und es klang, als spräche eine spöttische Märchenprinzessin in vollendeter Vertrautheit der Rolle.
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