Neulich am Nachmittag.
Ich komme wie immer dem Aufruf der Wiener Verkehrsbetriebe nach, einfach mal eine U-Bahn-Station früher auszusteigen, als zur Erreichung des Fahrzieles nötig, um ein wenig Gratis-Fitness zu treiben. Finde ich vernünftig, da mach ich gerne mit. Tatort: Rossauer Lände. Dort gibt es einen Durchgang zur Promenade am Donaukanal. Sehr heimelig. Es ist saukalt. Der Ostwind pfeift schneidend vom eisgrauen Himmel. Zum Glück bin ich dick angezogen. Wie halten die Enten und Möwen das nur im brutalen Wasser aus, mit ihren dünnen gelb-orangen Ruderfüßen! Scheint ihnen prächtig zu gehen. Sie spielen sogar mit der Strömung, ja reiten auf ihr flugs dahin. Eine der Enten schnattert dabei. Lacht sie mich aus? Ich mache mich auf dem Weg zum Elektro-Steg, rüber in die Brigittenau. Ich schlüpfe iw immer unter der lächerlichen Plastik-Winter-Barriere hindurch, und steige die Alu-Wendeltreppe hoch.
Oben eine weitere Absperrung und schon bin ich auf dem Steg. Die hohe Fließgeschwindigkeit zaubert dem Donauwasser lautlose, hübsche Wirbel und weiche Dellen in die glänzende, schlammgrüne Haut. Ich kann mich gar nicht satt sehen. Der Fluß strömt unaufhaltsam immer in dieselbe Richtung, es gibt nur die eine. Wohin die Zeit einen doch trägt, so schnell, so weich, wie die Wirbel im Wasser treiben wir der Großen Mündung ins Seelen-Meer entgegen, das ist doch wieder tröstlich. Am andren Ufer geht seit dem vergangenen Advent ein bärtiger bulgarischer Bettler im Rollstuhl seinem Gewerbe nach. Er hält den Vorübergehenden stets stumm eine Blechtasse hin. Meistens raucht er dabei eine starke Zigarette, denn die kann ich schon riechen, bevor er zu sehen ist. In letzter Zeit dürfte er nicht besonders gut verdient haben. Zumindest habe ich es nie klimpern hören. Aber vielleicht freut sich der Mann ohne Beine ein wenig drüber, daß es mittlerweile eine Stunde länger hell ist, als noch zu Weihnachten.
Ich komme wie immer dem Aufruf der Wiener Verkehrsbetriebe nach, einfach mal eine U-Bahn-Station früher auszusteigen, als zur Erreichung des Fahrzieles nötig, um ein wenig Gratis-Fitness zu treiben. Finde ich vernünftig, da mach ich gerne mit. Tatort: Rossauer Lände. Dort gibt es einen Durchgang zur Promenade am Donaukanal. Sehr heimelig. Es ist saukalt. Der Ostwind pfeift schneidend vom eisgrauen Himmel. Zum Glück bin ich dick angezogen. Wie halten die Enten und Möwen das nur im brutalen Wasser aus, mit ihren dünnen gelb-orangen Ruderfüßen! Scheint ihnen prächtig zu gehen. Sie spielen sogar mit der Strömung, ja reiten auf ihr flugs dahin. Eine der Enten schnattert dabei. Lacht sie mich aus? Ich mache mich auf dem Weg zum Elektro-Steg, rüber in die Brigittenau. Ich schlüpfe iw immer unter der lächerlichen Plastik-Winter-Barriere hindurch, und steige die Alu-Wendeltreppe hoch.
Oben eine weitere Absperrung und schon bin ich auf dem Steg. Die hohe Fließgeschwindigkeit zaubert dem Donauwasser lautlose, hübsche Wirbel und weiche Dellen in die glänzende, schlammgrüne Haut. Ich kann mich gar nicht satt sehen. Der Fluß strömt unaufhaltsam immer in dieselbe Richtung, es gibt nur die eine. Wohin die Zeit einen doch trägt, so schnell, so weich, wie die Wirbel im Wasser treiben wir der Großen Mündung ins Seelen-Meer entgegen, das ist doch wieder tröstlich. Am andren Ufer geht seit dem vergangenen Advent ein bärtiger bulgarischer Bettler im Rollstuhl seinem Gewerbe nach. Er hält den Vorübergehenden stets stumm eine Blechtasse hin. Meistens raucht er dabei eine starke Zigarette, denn die kann ich schon riechen, bevor er zu sehen ist. In letzter Zeit dürfte er nicht besonders gut verdient haben. Zumindest habe ich es nie klimpern hören. Aber vielleicht freut sich der Mann ohne Beine ein wenig drüber, daß es mittlerweile eine Stunde länger hell ist, als noch zu Weihnachten.
Womöglich ärgert auch er sich über die dämlichen Reklametafeln bei der Ampel. Da die Untere Donaustraße eine verlängerte Schnellstraße geworden ist, heißt es wie üblich: Druckampel betätigen und in der Wartezeit was lesen oder in einen Apfel beißen oder sonst was machen. Die drei, vier Häuserblocks zum Gaußplatz hin können sich nicht entscheiden zwischen Trostlosigkeit und Hoffnungsfreude - von Haus zu Haus schwankt es zwischen Präkariat und Bürgertum und wieder zurück. Hier die aufgelassenen Geschäfte, die verrammelte Eckkneipe, der verhungerte Fleischer, das zugestaubte Spezialgeschäft für Knöpfe. Das alles ist traurig. Da die gepflegten Fassaden, der internationale English-Kindergarden, das gehobene Speiselokal, die Wellness-Beraterin. In der verramtelten Eckkneipe habe ich selbst einmal, Ende der 80er Jahre, mit ein paar wilden Kumpels einen sehr günstigen Bier-Nachmittag verbracht. Das Beisl so unvermittelt wiederzusehen hat mich gewaltig geflasht. Grade noch ein damals und plötzlich das jetzt wohne ich hier.
Beim Augarten springt mir ein Mentalist ins Auge.
Das Plakat ist in schreienden Farben und krampfig gemixten Schriftarten gehalten, es soll mich zum Kauf einer Karte überreden, damit ich die mentalen Kunststücke dieses Herrn bewundern kann.
Mentalist. Geisteskünstler, mithin Philosoph für Arme?
Ist nicht auch Wernzi, der Heiratsschwindler vom Kursalon Hübner, ein Geisteskünstler?
Ist nicht auch Wernzi, der Heiratsschwindler vom Kursalon Hübner, ein Geisteskünstler?
Oder ist der Typ einfach ein armer Irrer?
Auch der Hausmeister ist mittlerweile anglizierter Virtuose, sein Beruf heißt nun Facilities Management und seine Dienste kosten nun entsprechend mehr.
Soso.
Viele schämen sich für ihren Beruf, verballhornen die Bezeichnungen, machen dasselbe und fühlen sich dadurch nicht besser, es macht aber was "her".
Na ja.
Auch der Hausmeister ist mittlerweile anglizierter Virtuose, sein Beruf heißt nun Facilities Management und seine Dienste kosten nun entsprechend mehr.
Soso.
Viele schämen sich für ihren Beruf, verballhornen die Bezeichnungen, machen dasselbe und fühlen sich dadurch nicht besser, es macht aber was "her".
Na ja.
Zeitgeist: Im Keller.
Zermahlen in der Euphemismus-Mühle, aufgeschnupft im Mainstream-Klo.
Platsch!
Zermahlen in der Euphemismus-Mühle, aufgeschnupft im Mainstream-Klo.
Platsch!
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