Ich lüfte meine Ein-Zimmer-Dachbodenbude. Ich schaue aus dem Fenster in den Hof. Eine alte Frau trägt in der Eiseskälte ihren Müll raus. Sie trägt auch: schwarze Jogging-Keilhosen, klobiges braunes Schuhwerk, einen lila Pullover. Ein weißer Schal schützt gemeinsam mit der popelgrünen Wollmütze Hals und Kopf. Die Frau klappert mit den Deckeln der Mülltonnen. Ich mache das Fenster schnell wieder zu. Ich bewege mich ins Badezimmer, wo ich die Waschmaschine befülle. Durch die geschlossene Wohnungstür gellen die Stimm-Schreie der exaltierten Frau von Nummer 62. Die gescheiterte Opernsängerin. Ich seufze.
Kann mir die Nachbarn nicht aussuchen. Lauter Minimal-Existenzen wie ich. Sie wissen schon: Viel Geld steht nicht zur Verfügung. Maximal 500 Eier für Wohnen, Strom, Heißwasser. Vom Rest zu schweigen. Willkommen in meinem Castrum. Ganz im Sinne der Neoliberalen Weltordnung, einer Politik, die auf Gewinn-Maximierung setzt. Der gewöhnliche Mensch zählt nur noch als Konsument, wird zum Melk-Vieh degradiert. Dieses Dumpf-Wesen, idealerweise ohne Rechte, ohne Qualitätsbewusstsein, ohne Spiritualität, hat sein Geld verdammt nochmal kritiklos und pünktlich für Wegwerf-Produkte raus zu rücken, hat die Maschine am Laufen halten. Masse statt Klasse. Diese Schund-Produkte der Globalisierung wiederum belasten die Umwelt sowohl bei ihrer Produktion als auch bei ihrem Konsum sowie der Entsorgung in einem Kreislauf der HÖLLE.
Langsam verstehe ich den Film Matrix.
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